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Chaos in der Corona-Krise: Fünf Faktoren sprechen gegen Trumps Wiederwahl

  • Wie wägt man Wirtschaftsinteressen gegen Lebensgefahr ab?
  • Der US-Präsident agiert wie der Bürgermeister des fiktiven Badeorts Amity im Film “Der Weiße Hai”.
  • Fünf Faktoren verdüstern inzwischen die Aussichten auf seine Wiederwahl.
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Polizisten schaudern, Biologen auch: Es muss ein Hai gewesen sein, ein sehr großer. So beginnt, mit Blick auf die angespülte Leiche einer jungen Schwimmerin am Strand des fiktiven amerikanischen Tourismusorts Amity, der Film “Der Weiße Hai” von 1975.

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Während sich zum Entsetzen des Kinopublikums die Flosse des Monsters immer wieder bedrohlich aus dem Meer erhebt, beginnt ein Machtkampf an Land: Der Polizeichef will die Strände sperren – der Bürgermeister aber will dies verhindern: Meldungen über einen menschenfressenden Weißen Hai, argumentiert der Politiker, könnten der Wirtschaft massiv schaden und die Menschen in Amity in den Ruin treiben.

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Trump im klassischen Hollywood-Spannungsbogen

Menschenleben gegen Wirtschaftsinteressen: In diesen klassischen Hollywood-Spannungsbogen ist nun auch Donald Trump hineingeraten, sichtbar für alle Welt und vor allem fürs eigene Volk. Statt einen klugen Ausgleich zu suchen und die Aufregungen zu dämpfen, erhöht er eigenhändig noch die Spannung: Die mittlerweile in vielen Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen gehen aus seiner Sicht zu weit.

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“Die Therapie darf in ihren Auswirkungen nicht schlimmer sein als die Krankheit”, sagte Trump in der Nacht zu Dienstag in einer Pressekonferenz. “Dieses Land ist nicht dafür geschaffen, geschlossen zu bleiben. Deshalb machen wir bald wieder auf.”

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Genauso argumentierte der Bürgermeister von Amity, als er gegen den Willen des Polizeichefs erzwang, dass die Strände wieder geöffnet werden. Im Film wurden dann immerhin, es war ein Kompromiss, mehr Rettungsschwimmer und Beobachtungsposten eingesetzt. Die allerdings blickten bald dort, wo eben noch Schwimmer waren, auf makabre Rotfärbungen im Wasser.

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Jens Spahn: Rettungsschirm für Krankenhäuser ist gespannt
1:55 min
Der Schutzschirm für Krankenhäuser und Praxen soll gespannt werden, da derzeit deutlich weniger andere Patienten behandelt und Operationen ausgeführt werden.  © Reuters

“Sehen Sie sich die Zahlen von Autounfällen an”

Trump, darin liegt sein Hauptproblem, findet in der Viruskrise keine klare Linie. Wochenlang machte er sich lustig über die geringe Zahl von Infizierten. Nichts an dieser neuen Welle sei schlimmer als bei der saisonalen Grippe. Dann stellte er sich tagelang betont breitbeinig auf und erklärte dem Virus den Krieg: Die USA ließen sich nicht unterkriegen, man habe schließlich die besten Wissenschaftler der Welt. Er selbst sei in diesem Krieg der Oberbefehlshaber.

Seufzend sagten in dieser Phase Trump-Kritiker, man werde dem Präsidenten wohl nie abgewöhnen, den starken Mann zu markieren. Aber nun bewege er sich zumindest in die richtige Richtung. “Diese Version von Trump könnte Leben retten”, hieß es in einem Kommentar des Senders CNN.

In den jüngsten Szenen des jetzt laufenden Katastrophenfilms aber spielt Trump die Gefahren plötzlich wieder herunter. “Sehen Sie sich die Zahlen von Autounfällen an”, sagte er in der Nacht zu Dienstag. “Die haben doch auch nicht dazu geführt, dass wir den Leuten sagen: Ihr dürft keine Autos mehr fahren.”

Mehr als 46.000 registrierte Corona-Fälle in den USA

Unterdessen breitet sich das Virus in den USA explosionsartig weiter aus. Aus den “15 Fällen”, über die Trump sich Anfang März lustig machte, sind mittlerweile mehr als 46.000 registrierte Infizierte geworden, mit steil steigender Tendenz. Inzwischen sterben in den USA mehr als 100 Menschen pro Tag am Coronavirus. Die Gesamtzahl der Toten beträgt mittlerweile mehr als 580, davon allein 125 in New York City. Die regionalen Verantwortlichen in den Bundesstaaten sprechen von einem “Tsunami”, der sich gerade formiere.

Ist Trump, der auf seine Wiederwahl am 3. November hofft, noch zu retten?

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Fünf Faktoren verdüstern Trumps Aussichten auf Wiederwahl

1. Die Reichen in den USA werden ärmer: Der Dow Jones, auf dessen Anstieg in seiner Amtszeit Trump immer so stolz war, ist in der Corona-Krise steiler abgestürzt denn je. Der anfängliche Jubel in Wirtschaftskreisen über Trump, über den man ja sagen könne, was man wolle, der aber jedenfalls die Kurse steigen lasse, ist verklungen. Inzwischen sieht man ihn als den Präsidenten, der die USA wohl in die schlimmste Wirtschaftskrise seit den Dreißigerjahren führen wird.

2. Die Armen verlieren ihre Jobs: Bereits für die kommenden ein bis zwei Wochen wird der stärkste Anstieg der Arbeitslosenzahlen in der Geschichte der USA vorhergesagt. Mangelnder Kündigungsschutz und mangelnde Lohnfortzahlung werden binnen kurzer Frist Millionen von Familien in existenzielle Krisen stürzen.

3. Trump trägt eine Mitschuld: In den USA gehen derzeit Videozusammenschnitte viral, in denen Trump über Wochen hinweg immer wieder die Gefahren des Virus herunterspielt. Oft hat er ironisch über “die sogenannten Experten” in Washington die Nase gerümpft.

4. Trump hat eigene Businessinteressen: In Trump-Hotels wurde in den letzen Tagen nach Medienberichten eine dreistellige Zahl von Mitarbeitern entlassen. Es gehört zum Schicksal dieses Präsidenten, dass die privaten Businessmodelle seiner Familie auf Reisen und Zusammenkünfte ausgerichtet sind. Dies setzt auch seine Bemühungen um ein rasches Ende von Reise- und Ausgangsbeschränkungen in ein fahles Licht.

5. Dem Präsidenten selbst droht ein Absturz: Vielen Unternehmungen der Familie des Milliardärs Trump ging es schon vor der Corona-Krise nicht gut. So schreibt das gigantische Trump-Golfresort in Irland rote Zahlen. Inzwischen übernachtet auch im Trump-Hotel in Washington nach Medienberichten niemand mehr. Eine Trump-Insolvenz hätte, auch wenn sie rechtlich zunächst nur die Familienmitglieder betrifft, auch politische Wirkungen: Der Mann, der so oft prahlte mit seinem Erfolg, stünde als Pleitier da – und müsste im schlimmsten Fall, ganz gegen seine Hilf-dir-selbst-Ideologie, Staatshilfen beantragen.

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