Trump raubt der amerikanischen Demokratie die Würde

  • Donald Trump hat seine Rede zur Lage der Nation vor allem für Eigenlob genutzt.
  • Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat sein Redemanuskript demonstrativ zerrissen.
  • Eine immer tiefere Spaltung des Landes gehört zur bitteren Bilanz der bisherigen Präsidentschaft Donald Trumps, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin/Washington. Eigenlob stinkt. Wäre diese Redensart wörtlich zu nehmen, dann wären bei Donald Trumps Rede zur Lage der Nation übelriechende Schwaden bis über den Atlantik gezogen. Da gibt es also einen US-Präsidenten, dem Machtmissbrauch vorgeworfen wird – der aber nichts anderes zu tun hat, als allen zu erzählen, was für ein toller Kerl er ist.

Trump nimmt der amerikanischen Demokratie die verbliebene Würde. Er verhält sich wie ein Nudist, der eine abendliche Ballveranstaltung sprengt. Im Grunde streckt er den anderen seinen nackten Hintern ins Gesicht und ruft laut: „Ich bin der Schönste im ganzen Land.“

Sinnbild der Spaltung

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In Wirklichkeit war es Barack Obama, der die amerikanische Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder auf einen erfolgreichen Kurs gebracht hat. Davon profitieren die USA bis heute. Doch Trump hat diese günstige Ausgangslage nicht dazu genutzt, das Land zu einen. Die Vereinigten Staaten sind im vierten Jahr seiner Präsidentschaft ein Land, in dem sich die Spaltung noch vertieft hat.

Es ist ein Sinnbild dieser Spaltung, dass die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, das Redemanuskript Trumps für alle sichtbar zerrissen hat. Und: Sie hat sogar recht, dass es angesichts der Rede vermutlich auch unhöflichere Varianten gegeben hätte. Eine bittere Bilanz von Trumps Präsidentschaft ist, dass zwischen zentralen politisch Handelnden im Land eine normale Kommunikation nicht mehr möglich ist. Schlimmer noch: Das spiegelt nur einen Riss wider, den es vielfach auch in der Bevölkerung gibt.

Den US-Demokraten wäre zu wünschen, dass sie einen Kandidaten finden, der zumindest erst mal die eigene Partei zusammenführen kann. Und im Fall eines Wahlsiegs vielleicht auch die Bevölkerung. Doch das ist – nach dem Auszählungsdesaster von Iowa und angesichts des Zustands der demokratischen Partei – nicht mehr als eine leise Hoffnung.

RND

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