Trump entlässt seinen Kettenhund – doch Tränen sind fehl am Platz

  • US-Präsident Donald Trump hat mal wieder jemanden gefeuert. Diesmal ist es sein bislang wichtigster außenpolitischer Stratege, John Bolton.
  • Eine Träne muss man dem rechten Hardliner nicht nachweinen.
  • Der Rauswurf zeigt aber auch einmal mehr, wie sprunghaft und kopflos Trump agiert, kommentiert Karl Doemens.
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Washington. Der Schnurrbart hatte Donald Trump noch nie gefallen. In privaten Gesprächen mokierte sich der US-Präsident über den Walrossschnäuzer seines Sicherheitsberaters John Bolton. Doch die Gründe, die nun zum Rauswurf des wichtigsten außenpolitischen Strategen im Weißen Haus geführt haben dürften, liegen tiefer. Sie haben viel mit der Widersprüchlichkeit und Sprunghaftigkeit des US-Präsidenten zu tun und offenbaren die Kopflosigkeit seiner Politik.

Nicht, dass man Bolton eine Träne nachweinen müsste. Der 70-Jährige ist ein rechter Hardliner und einer der übelsten Falken in Washington. Er bejubelte den Irak-Krieg, und schon vor vier Jahren forderte er die Bombardierung des Iran. „Trumps Kriegsflüsterer“ nannte ihn der Sender CNN. Aber so hat der Mann schon gesprochen, als er noch Moderator bei Trumps Haussender Fox war. Dort gefiel er dem Präsidenten. Er holte ihn bewusst an seine Seite, um mit dessen Härte zu kokettieren. Bolton war sein wilder Kettenhund, und Trump ließ ihn lange wohlwollend gewähren.

„Trump geht es nie um Inhalte, sondern um seine Wirkung“

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In Ungnade gefallen ist der Sicherheitsberater erst, seit er Trump öffentlich widersprach. Während der Präsident dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un bei Twitter Liebesbriefe schrieb, prangerte Bolton die Raketentests des Regimes an. Als sich Trump urplötzlich als Friedensstifter für Afghanistan inszenierte, protestierte Bolton gegen die Einladung der Taliban ins symbolische Camp David.

Nichts anderes konnte Trump von dem Hardliner erwarten. Doch sein Ego war getroffen. Dass er nun mit Bolton noch darüber streitet, ob dieser kündigte oder rausgeworfen wurde, spricht Bände. Am Kernproblem des US-Präsidenten ändert die Personalie ohnehin nichts: Trump geht es nie um Inhalte, sondern allein um seine Wirkung und die Mobilisierung seiner Basis. Vor der gibt er gleichzeitig den knallharten Druckmacher und den außenpolitischen Isolationisten, der die amerikanischen Truppen so schnell wie möglich heimholen will. Das passt nicht zusammen – ob mit Bolton oder ohne.

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