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Wilde Pöbeleien: Trump verschafft sich einen Vorteil im Wahlkampf

  • In aggressiven Tweets geht Donald Trump auf demokratische Gouverneure los, die die Corona-Maßnahmen angeblich nicht schnell genug lockern.
  • Sein Krisenmanagement ist chaotisch, der Ton unsäglich.
  • Und doch könnte ihm das im Wahlkampf helfen, kommentiert Steven Geyer.
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Man stelle sich vor, die Bundesregierung erstellt Richtlinien zur Lockerung der Corona-Maßnahmen – unverbindliche, damit sie bloß nicht für eine neue Infektionswelle verantwortlich gemacht werden kann. Und trotzdem würde Angela Merkel lauthals fordern, alle Bundesländer müssten jetzt zum Alltag zurückkehren, um die Wirtschaft anzukurbeln – und dann die zögernden Landesregierungen auf Twitter als freiheitsfeindlich beschimpfen und die Bevölkerung zu Protesten anstacheln.

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New Yorks Gouverneur kritisiert Trumps Krisenmanagement scharf
2:24 min
Zwischen dem US-Präsidenten und Andrew Cuomo kam es am Freitag zu einem virtuellen Schlagabtausch, nachdem Trump eine Reihe von aggressiven Tweets losließ.  © Steven Geyer/Reuters

Als Regierungschefin hätte sie sich unmöglich gemacht, ihre Partei würde unwählbar.

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In den USA hat Donald Trump aber gerade genau so Öl ins Feuer geschüttet: “Befreit Michigan!”, “Befreit Virginia” und “Befreit Minnesota!”, twitterte der Präsident in Großbuchstaben, rief zu Demos gegen die strengen Schutzmaßnahmen der demokratischen Gouverneure auf – verwies dabei sogar auf das Recht, Waffen zu tragen. Zu den erwünschten Protesten kam es prompt in mehreren Städten.

Wer aber denkt, damit habe Trump seine Chance auf eine Wiederwahl im Herbst verspielt, könnte irren: In Umfragen wird in den USA Aktionismus oft belohnt, auch blinder. In jeder Krise geht es um Sichtbarkeit, sodass die Regierenden ohnehin im Vorteil sind.

Durch Corona sind nun sogar Wahlkampfveranstaltungen und TV-Debatten gestrichen, sodass die Opposition kaum durchdringt. Herausforderer Joe Biden muss aus dem heimischen Keller mit Videobotschaften wahlkämpfen – Trump beansprucht in täglichen Corona-Pressekonferenzen die “absolute Macht”.

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Kommt nun noch hinzu, dass im November der Zugang zu Wahllokalen aus Hygienegründen erschwert wird und dass die – traditionell besser gebildeten und informierten – Anhänger der Demokraten aus Angst vor Krawallen und vor Ansteckung den Gang zur Wahlurne scheuen, profitiert am Ende doch Trump: Schafft er es, dass möglichst viele Unentschlossene und Demokraten daheim bleiben, reicht seine stabile Minderheit von Fans erneut für einen Wahlsieg, Krise hin oder her.

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