• Startseite
  • Politik
  • Trump-Abwahl, Impfstoff-Erfolg, Konjunktur: Auf einmal wird 2020 doch noch nett

Trump-Abwahl, Impfstoff-Erfolg, Konjunktur: Auf einmal wird 2020 doch noch nett

  • Es ist schon erstaunlich: Am Ende eines Jahres, das geprägt war von schlechten Nachrichten, häufen sich auf einmal die frohen Botschaften.
  • Donald Trump ist abgewählt, der Corona-Impfstoff auf einem guten Weg, und nun bricht auch noch die Konjunktur weit weniger ein als befürchtet.
  • Neben all den Risiken ist wieder mehr Platz für Hoffnung, und allein das ist wohltuend, kommentiert Andreas Niesmann.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Wer hätte das gedacht: Am Ende eines von Hiobsbotschaften geprägten Jahres mehren sich plötzlich die guten Nachrichten. Erst die Abwahl Donald Trumps in den USA, dann der mutmaßliche Durchbruch bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff, und nun gibt es auch noch berechtigte Hoffnungen, dass der Wirtschaftseinbruch 2020 nicht ganz so schlimm ausfallen wird, wie zwischenzeitlich befürchtet.

Die sogenannten Wirtschaftsweisen, fünf Ökonomen, die die Regierung beraten, rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 5,1 Prozent in diesem Jahr. Das ist, so seltsam es klingen mag, eine gute Nachricht. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr hatten einige Experten einen doppelt so starken Einbruch vorhergesagt. Nun sieht es so aus, als würde der wirtschaftliche Schaden sogar geringer ausfallen als 2009 nach der Finanzkrise. Deutschland, so scheint es, könnte mit einem blauen Auge davonkommen.

Das gilt natürlich nur für die Wirtschaft als Ganzes. Einzelne Unternehmen und Selbstständige, in der Gastronomie, der Veranstaltungsbranche, der Kultur oder der Freizeitindustrie, bedroht Corona in ihrer Existenz. Dem Gastwirt, der wegen fehlender Einnahmen seine Kredite nicht mehr bedienen kann, nützt die Erkenntnis wenig, dass der Teil-Lockdown im November die gesamtdeutsche Wirtschaftsleistung in diesem und dem nächsten Jahr nur mit jeweils 0,2 Prozent belasten wird.

Es ist deshalb richtig, dass die Gesamtgesellschaft nun jenen finanziell hilft, die ihr Geschäft vorübergehend schließen müssen. Sie zahlen den Preis dafür, dass alle anderen weitermachen können.

Anzeige

Eine bittere und eine tröstliche Nachricht für Rentnerinnen und Rentner

Einen Preis zahlen im kommenden Jahr auch die Rentner. Sie müssen sich im Westen auf eine Nullrunde einstellen, während es im Osten nur noch eine Ministeigerung von 0,72 Prozent geben wird. Die Renten orientieren sich an den Durchschnittslöhnen. Deshalb sind sie in diesem Jahr trotz Krise noch einmal kräftig gestiegen, deshalb werden sie im kommenden Jahr nicht oder nur noch minimal erhöht werden.

Anzeige

Für Bezieher kleiner Renten ist das bitter, doch auch für sie gibt es einen Trost: Wegen der Rentengarantie werden ihre Bezüge nicht sinken, obwohl sie das gemessen an der Lohnentwicklung eigentlich müssten. Und da die Bundesregierung auch die Verrechnung der nun ausbleibenden Senkung mit künftigen Rentenerhöhungen ausgesetzt hat, könnte es mit etwas Glück schon im übernächsten Jahr auch bei den Renten wieder nach oben gehen. Anders ausgedrückt: Auch Deutschlands Rentner dürfen darauf hoffen, vergleichsweise gut durch diese Krise zu kommen.

Zugegeben: Es gibt in diesen Rechnungen noch eine Reihe von Unsicherheiten und Variablen. Es kann gut sein, dass der Teil-Lockdown länger als einen Monat dauert oder sogar ausgeweitet wird. Womöglich folgt der zweiten Corona-Welle eine dritte.

Anzeige

Der nach wie vor drohende No-Deal-Brexit hat ebenfalls das Potenzial, die europäische und damit auch die deutsche Wirtschaft gehörig durcheinanderzuschütteln. Und was passiert eigentlich, wenn Donald Trump mit seinen Wahlanfechtungsklagen vor einem US-Gericht Erfolg haben sollte und dadurch die größte Ökonomie der Welt in eine Phase politischer Unsicherheit stürzt?

Die Risiken sind da, sie sind groß, und sie werden uns noch eine ganze Weile begleiten. Die Pandemie werde „uns noch den ganzen Winter beschäftigen“, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eben erst gewarnt. Doch neben den Risiken ist nun wieder etwas mehr Platz für Hoffnung. Allein das ist schon wohltuend nach all den schlechten Nachrichten in diesem Jahr. Und wer weiß: Vielleicht erwächst aus dem leisen Hoffnungsschimmer auch eine neue Zuversicht. Kaum etwas würde mehr helfen, den vor uns liegenden Corona-Winter zu bewältigen.


“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen