Trübe Bilanz am Hiroshima-Tag

  • Vor 75 Jahren stand der Atompilz über Hiroshima und tötete schon am ersten Tag Zehntausende.
  • In den vergangenen Jahrzehnten sollten Atombomben abgerüstet und nukleare Technologien weltweit überwacht und beschränkt werden.
  • Der Trend aber geht andersherum. Immer mehr Staaten wollen die Bombe – die weltweite Unsicherheit wächst.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hätte ein deutscher Journalist im vorigen Sommer versucht, am Telefon mal eben zu John Bolton vorzudringen, wäre er nicht weit gekommen. Der Mann war weiträumig abgeschirmt. Als Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump saß Bolton auf einem No-Nonsense-Posten im engsten Führungskreis des Weißen Hauses. Da hat man nicht nur wenig Zeit, sondern auch inhaltlich wenig beizutragen: Vieles ist einfach geheim.

Einen Sommer später ist nun alles anders. Erstens wurde Bolton, wie schon viele vor ihm, von Trump gefeuert. Zweitens hat er, auch damit steht er nicht allein, ein Buch geschrieben über seine Zeit im Weißen Haus, mit vielen belastenden Details zu Trump. Da das Buch auch in Europa verkauft werden soll, werden neuerdings nicht nur amerikanische, sondern auch europäische Journalisten durchgestellt zu “Ambassador Bolton”, wie sein Team ihn immer noch ehrfürchtig nennt, seit er unter George W. Bush US-Botschafter bei den Vereinten Nationen war.

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Der Tag Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Ein Sympathieträger ist Bolton nicht, aber ein messerscharf und geradlinig denkender Intellektueller. Letzteres hat ihn im chaotisch geführten Weißen Haus zuletzt zunehmend isoliert. Mit Blick auf das Hiroshima-Gedenken am heutigen 6. August sagt Bolton im RND-Interview: “Die Welt ist in den letzten paar Jahren leider unsicherer geworden.

Über den ganz eigenen Weg Japans in den vergangenen 75 Jahren berichtet heute zugleich unser Korrespondent in Tokio, Felix Lill. Die Nation, die wie keine andere unter der Nutzung der Atomenergie für militärische Zwecke gelitten hat, mochte nie von ihrer Anwendung für zivile Zwecke lassen – auch nicht nach dem GAU von Fukushima im Jahr 2011. Japans Atomgeschichte könnte bald noch ein ganz neues Kapitel bekommen: Bei den regierenden Liberaldemokraten in Tokio gibt es manche, die eine eigene – japanische – Bombe wollen.

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Vor 75 Jahren: Die Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki
1:25 min
Seit Hiroshima und Nagasaki wurden nie wieder Atombomben eingesetzt. Dennoch gibt es heute mehr als 13.000 Atomwaffen weltweit, die immer einsatzfähiger werden.  © RND/Marie Schiller
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Die “Atombombe” von Beirut

“Wie eine Atombombe” habe sich auch die Explosion im Hafen von Beirut angefühlt – mit diesen Worten zitierten Nachrichtenagenturen gestern einen 43 Jahre alten Augenzeugen. Ein deutscher Ersthelfer sagte, die Stadtviertel am Hafen sähen aus, “als hätten hier zehn Jahre Krieg getobt”.

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Viele, die mal im Libanon waren oder Menschen von dort kennen, sind tief berührt. Was soll nun werden aus Beirut, dieser sehr speziellen Stadt, die so oft als “Paris des Nahen Ostens” gepriesen wurde?

Das Land war schon vor der unfassbaren Explosion in einer tiefen Krise – für die sich in Europa aber nur ein paar Fachleute interessiert haben. Unser Brüsseler Korrespondent Damir Fras streicht in seinem Leitartikel die Verantwortung Europas für die künftige Entwicklung im Libanon heraus.

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RND-Videoschalte: EU-Parlamentarier Gahler warnt vor Zusammenbruch Libanons
7:01 min
Der CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler fürchtet einen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung im Libanon.  © RND

Bange Blicke auf Corona-Zahlen

Kaum zu glauben, aber wahr: Trotz der Gefahr einer zweiten Corona-Welle gibt es bisher keinen bundesweiten Überblick darüber, ob die Gesundheitsämter inzwischen über das notwendige Personal verfügen. Das musste die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion einräumen, über die RND-Hauptstadtkorrespondent Tim Szent-Ivanyi berichtet.

Ende März hatten sich Bund und Länder eigentlich darauf geeinigt, dass in allen Gesundheitsämtern pro 20.000 Einwohner ein Team aus fünf Mitarbeitern bereitstehen soll, um Kontakte nachzuverfolgen. Auf die Frage, ob das Ziel erreicht wurde, schrieb das Ministerium lediglich, darüber lägen der Bundesregierung keine Informationen vor, “da über Aufstellung und Zusammensetzung des Personals zum Kontaktpersonenmanagement die jeweiligen Behörden der Länder und Kommunen entscheiden”.

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Schläft da gerade etwas ein? Klar: Die Deutschen, von Krisen und Kriegen seit Langem verschont, mäkeln auf hohem Niveau. Trotz allem: Kritik muss erlaubt sein, wir brauchen wie jedes Land “checks and balances”. Dass die Grünen als Opposition bei Schwarz-Rot genau hinschauen, ist gut. Es wäre schlecht, wenn jetzt der anfängliche Schwung bei der Corona-Abwehr verloren ginge.

Das Zitat des Tages

Diese erste Welle haben wir besser als viele andere kontrollieren können, weil wir früh testen konnten und zwischen Gesellschaft, Politik und den Infektionswissenschaften größeres Vertrauen herrschte als anderswo. Jetzt aber laufen wir Gefahr, unseren Erfolg zu verspielen.

Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité, in der “Zeit”

Leseempfehlungen

Am 25. Mai starb in den USA der Afroamerikaner George Floyd durch Polizeigewalt. Der Fall und die in Handyvideos dokumentierte Brutalität lösten eine Welle des Protestes gegen Rassismus aus, die auch über den Großen Teich geschwappt ist. Heute vor zwei Monaten fand in Deutschland die erste Demonstration der Bewegung Black Lives Matter statt. Mein Kollege Tammo Kohlwes hat mit Initiatoren und Aktivisten gesprochen. Er beantwortet in seiner heutigen Analyse die Frage, was zwei Monate nach dem Beginn der Proteste von Black Lives Matter übrig geblieben ist.

Sind Demonstranten gegen die Corona-Einschränkungen Idioten? “Covidioten” sozusagen? Die Autorin und Internetaktivistin Katharina Nocun ist eine der wahrnehmbarsten Stimmen, wenn es um Verschwörungsideologien und Wissenschaftsfeindlichkeit online wie offline geht. Im Interview mit RND-Redakteurin Anna Schughart plädiert sie für Differenzierungen.

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In Deutschland war es zuletzt ruhig geworden um Michael Ballack, den ehemaligen “Capitano” der Nationalmannschaft. Doch vor dem Duell seiner Ex-Klubs FC Bayern München und FC Chelsea im Champions-League-Achtelfinale meldet sich der einstige Titelsammler, der mit beiden Vereinen die Meisterschaft und den Pokal gewann, im RND-Interview zu Wort – gewohnt meinungsstark. Ballack verrät, was er von den vorzeitigen Rücktritten der Weltmeister André Schürrle und Benedikt Höwedes hält, warum Jürgen Klopp der bestmögliche Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw wäre und wie seine Zukunftspläne aussehen.

Die Themen des Tages

In Beirut gehen die Ermittlungen zur Ursache der schweren Explosionen am Hafen weiter.

In Washington ringen Republikaner und Demokraten um Hilfspakete für arbeitslose Amerikaner.

In Hiroshima, aber auch in vielen anderen Städten der Erde, wird heute der Opfer des Atombombenabwurfs vom 6. August 1945 gedacht.

In Frankfurt geht vor dem Oberlandesgericht der Lübcke-Prozess weiter.

Der Schnappschuss des Tages

Fegt diese Frau am Wochenende den letzten Diktator Europas weg? Swetlana Tichanowskaja, Kandidatin bei der Präsidentenwahl in Weißrussland, streckt bei einem Wahlkampfauftritt die Faust in die Luft. Am Sonntag wird gewählt – Staatspräsident Alexander Lukaschenko hat auf einmal mehr Gegenwind denn je. © Quelle: Sergei Grits/AP/dpa

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Aus dem Newsroom: Matthias Koch

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