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Trotz guter Versorgung – Pandemie zeigt Reformbedarf bei den Kliniken

  • Durch Corona fühlen sich diejenigen bestätigt, die die deutsche Krankenhauslandschaft unangetastet lassen wollen.
  • Es ist gut, dass die Ärzteschaft dagegenhält und als Lehre aus der Pandemie für Reformen eintritt.
  • Denn diese sind überfällig, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Schon seit Jahrzehnten wird darüber gestritten, ob es in Deutschland zu viele Krankenhäuser mit zu vielen Betten gibt.

Die Bilder von vollen Intensivstationen und die Berichte überlasteter Ärzte und Pflegekräfte über ihren Kampf um jeden Corona-Patienten scheinen denen recht zu geben, die diese Debatte schon immer für absurd gehalten haben.

Diejenigen, die eine Reform der Krankenhauslandschaft seit Langem befürworten, müssen sich rechtfertigen. Karl Lauterbach wurde vor einigen Tagen sogar öffentlich beschimpft, nachdem ein Twitter-Nutzer ein Interview mit dem SPD-Politiker aus dem Jahr 2019 verlinkt hatte.

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Merkel sieht bei Corona „Licht am Ende des Tunnels“
0:59 min
Kanzlerin Angela Merkel hat sich erfreut über die Entspannung des Corona-Infektionsgeschehens im Land geäußert.  © dpa

Überschrift des damaligen Gesprächs: „Wir haben zu viele Krankenhäuser.“

Richtig ist: Deutschlands Gesundheitswesen wurde in der Pandemie zu keinem Zeitpunkt überlastet, was auch mit der vergleichsweise hohen Zahl von Intensivbetten zu tun hat.

Fakt ist aber auch, dass 2020 fast 90 Prozent aller Corona-Patienten in nur der Hälfte aller Kliniken versorgt wurden. Die restlichen Patienten verteilten sich auf kleinere Kliniken, die nicht immer optimal für die Versorgung schwerster Erkrankungen ausgerüstet sind.

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Schon daran ist erkennbar, dass Reformbedarf besteht. Dabei darf es aber nicht allein um die reine Anzahl von Kliniken oder Betten gehen.

Es ist deshalb außerordentlich zu begrüßen, dass Ärztepräsident Klaus Reinhardt selbst in die sehr ideologisch geprägte Debatte eingreift.

Dabei darf man den Medizinern unterstellen, dass sie die Krankenhausstrukturen nicht unter dem ökonomischen Blickwinkel sehen, wie sicherlich die Krankenkassen, sondern unter dem Aspekt der besten medizinischen Versorgung.

Reinhardts Ansatz, wonach nicht jedes Krankenhaus jede Behandlung anbieten muss, weist den richtigen Weg. Mehr Spezialisierung, aber auch mehr Reserven – das ist eine wichtige Lehre aus der Corona-Pandemie.

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