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„Der Tag“

Trockene Zeiten für Bauern

Foto: Die wochenlange Dürre hat der Landwirtschaft massive Verluste beschert. 

Trockene Felder, lange Dürreperioden: Der Klimawandel macht den deutschen Landwirten zu schaffen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn Wetterdienste Bilanz ziehen, dürften Sie zwei Bewertungen zuletzt besonders häufig gelesen haben: Es ist zu trocken und zu warm – und das bereits seit einigen Jahren. Auch wenn 2018 das trockenste Jahr des vergangenen Jahrzehnts war, regnete es auch in den darauffolgenden Jahren 2019 und 2020 viel zu wenig, wie Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen. Im Jahr 2021 war es zwar verhältnismäßig nass, aber dennoch sind Dürren schon lange nicht mehr nur ein Problem, das wir aus afrikanischen Ländern kennen. Europa und Deutschland müssen sich dem zunehmend stellen.

Das zeigt nicht zuletzt der UN-Dürrebericht. Demnach sind 15 Prozent der Landfläche und 17 Prozent der Bevölkerung der EU von Dürre betroffen.

Ein Blick auf den Dürremonitor für Deutschland, der vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erstellt wird, zeigt das aktuelle Ausmaß. Große Teile der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sind demnach von einer „außergewöhnlichen Dürre“ betroffen. Das heißt zum einen: Im Boden ist wesentlich weniger Wasser enthalten als in einem vergleichbaren Zeitraum zwischen 1951 und 2015. Und zum anderen: Für Pflanzen beginnt zunehmend der sogenannte Trockenstress.

Besonders in einer Region werden die Folgen deutlich. Ermsleben in Sachsen-Anhalt ist die trockenste Gegend Deutschlands. Jährlich fielen hier schon zu nasseren Zeiten lediglich 500 Millimeter Regen vom Himmel. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert in ganz Deutschland lag von 2011 bis 2020 zwischen 700 und 858 Millimetern – das Dürrejahr 2018 ausgeklammert.

Inzwischen wagen die Landwirtinnen und Landwirte vor Ort von diesen Zahlen kaum noch zu träumen. „Die Landwirtschaft ist vom Klimawandel massiv betroffen. Lange Trockenheits­­perioden oder Starkniederschläge sind zur Regel geworden“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Darum heißt es improvisieren. Um die Ernten zu retten und sich an die neuen Bedingungen anzupassen, helfen aus Sicht der Bäuerinnen und Bauern vor allem zwei Methoden: die Genschere Crispr/Cas und Glyphosat. Warum das die Lösung sein könnte und von der Bundespolitik dennoch äußerst kritisch gesehen wird, haben unsere Korrespondenten Daniela Vates und Jan Sternberg aufgeschrieben (RND+).

Was kommt nach dem 9‑Euro-Ticket?

Um dem Klimawandel zu begegnen, ist aber nicht nur ein Umdenken in der Landwirtschaft gefordert. In diesen Tagen steht eine Frage zentraler im Raum denn je: Wie kann günstiger – oder gar kostenfreier – öffentlicher Nahverkehr in der Zukunft aussehen? Dass das 9‑Euro-Ticket mehr Menschen von der Straße auf die Schiene holen könnte, ist wohl nicht nur wegen des chaotischen Auftakts am Pfingstwochenende ein Irrglaube. Für viele Menschen, die auf dem Land leben, kommt das Ticket gar nicht erst infrage, da die Anbindung schlichtweg zu schlecht ist. Das zeigt unter anderem der ARD-Deutschland­trend von Anfang Juni: 53 Prozent der Befragten gaben an, das Ticket auf keinen Fall oder eher nicht nutzen zu wollen.

Pfingstchaos mit 9‑Euro-Ticket: Pro Bahn fordert „Sondervermögen für öffentlichen Verkehr“

Pfingsten war der erste Härtetest für das 9‑Euro-Ticket. Aus Sicht von Pro Bahn muss die Politik aus den Fehlern lernen und handeln, vor allem finanziell.

Während nun einige eine Verlängerung bis zum Ende des Jahres fordern, ist aber auch ein 365-Euro-Ticket oder ein Klimaticket Teil der Debatte. Über allem steht allerdings die Frage, wer am Ende zahlt, berichtet Alisha Mendgen. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Luxemburg. Seit dem 1. März 2020 können die Bürgerinnen und Bürger den öffentlichen Nah- und Fernverkehr dort kostenlos nutzen. Dabei ist dieses Angebot nur ein Teil eines ganzheitlichen Konzepts, wie der luxemburgische Verkehrsminister François Bausch erklärt.

Er macht eine klare Schwachstelle am deutschen Konzept aus: „Nur den Nahverkehr drei Monate günstig zu machen, ohne in die Qualität und den Ausbau zu investieren, wird nur zu Frustration führen.“ RND-Autorin Miriam Palm erklärt deswegen, was wir von unseren Nachbarn lernen können (RND+).

 

Zitat des Tages

Diplomatie ist ja nicht, wenn sie nicht gelingt, deshalb falsch gewesen. Also ich sehe nicht, dass ich da jetzt sagen müsste: Das war falsch, und werde deshalb auch mich nicht entschuldigen.

Angela Merkel,

Bundeskanzlerin a. D.

In ihrem ersten großen Interview nach dem Ende ihrer Amtszeit hat Altkanzlerin Angela Merkel ihre Russland-Politik verteidigt. Sie verurteilte das Vorgehen von Präsident Wladimir Putin. Bei sich selbst sah Merkel jedoch keine grundlegenden Fehler.

 

Leseempfehlungen

Eltern wollen Kinder heute anders erziehen. Das ist gut so, sagt die Journalistin und Autorin Nora Imlau, aber auch gefährlich: Gerade bei Eltern, die auf Bindung und Beziehung setzen, seien rechte Ideologien besonders anschlussfähig. Wie sich Eltern vor Vereinnahmung schützen können, erklärt Imlau im RND-Interview (RND+).

Die neue Omikron-Subvariante BA.5 verbreitet sich zunehmend in Deutschland. Nicht alle Menschen sind dadurch ausreichend gegen Covid-19 gewappnet. Das Schutzlevel lässt sich aber verbessern.

 

Aus unserem Netzwerk

Er sei „typischer Flexitarier“, sagt Patrick Junge, Chef der Lübecker Burger­­restaurant­­kette Peter Pane. Im Interview mit den „Lübecker Nachrichten“ spricht er über Nachhaltigkeit und Insektenburger und erklärt, warum sein Unternehmen im Jahr mehr als 100.000 Bäume pflanzt (RND+).

 

Termine des Tages

Das Europaparlament stimmt heute über wichtige Teile des EU-Klimapakets ab. Es geht unter anderem um ein mögliches De-facto-Verbot für Verbrenner­motoren ab 2035 und eine Ausweitung des Emissionshandels auf Gebäude und Verkehr.

Heute eröffnet die diesjährige Digitalmesse re:publica. Gleich mehrere Mitglieder der Bundesregierung sind zu dem mehrtägigen Kongress in Berlin angekündigt, bei dem es um Digitalpolitik, digitale Zukunft und Gesellschafts­fragen zum Netz geht. Darunter ist am Donnerstag (14.30 Uhr) Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

 

Wer heute wichtig wird

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist zu Besuch in der Türkei. Bei einem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu soll es auch um die Sicherung von Weizenexporten aus der Ukraine und die Errichtung eines Sicherheitskorridors auf dem Schwarzen Meer gehen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist zu Besuch in der Türkei. Bei einem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu soll es auch um die Sicherung von Weizenexporten aus der Ukraine und die Errichtung eines Sicherheitskorridors auf dem Schwarzen Meer gehen.

 

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Chantal Ranke

 

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