Trickser oder Blender? Trump und das Steuerfiasko

  • Donald Trump hat alles versucht, seine Steuervergehen unter Verschluss zu halten.
  • Kurz vor dem ersten TV-Duell mit Herausforderer Joe Biden aber veröffentlichte die “New York Times” brisante Details.
  • Wie schwer treffen den US-Präsidenten die neuerlichen Anschuldigungen? Eine Analyse.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

von Amtsbeginn an steht Donald Trump mit der “New York Times” auf Kriegsfuß. Die altehrwürdige, einflussreiche Tageszeitung sei voller “Fake News”, voll von frei erfundenen Falschnachrichten. Trump wird nicht müde, dies immer wieder zu behaupten. Jetzt, nach den neuesten Enthüllungen der “Times”, könnte man allerdings überlegen, ob sich Trump mit seinen permanenten Angriffen auf die Zeitung nicht nur wappnen wollte für den Tag, an dem seine Steuerunterlagen öffentlich werden.

Bis zum Obersten Gerichtshof geht die Fehde um die Enthüllung von Trumps Steuerdokumenten. Der Supreme Court äußerte sich jüngst zu dem Fall und erklärte, Trump habe keine “absolute Immunität”. Die neue Enthüllung der “New York Times” ist unter allen Skandalen, mit denen Trump bislang zu tun hatte, als der für ihn schädlichste zu werten.

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“Witch hunt”: Donald Trump spricht von einer Hexenjagd auf ihn. Doch Mitleid verspürt kaum jemand für einen Geschäftsmann, der, wie unser USA-Korrespondent Karl Doemens in seiner großen Analyse beschreibt, mehr als 70.000 Dollar allein für Friseurbesuche von der Steuer abzog. Das waren angeblich Betriebsausgaben wegen Auftritten in der damaligen Trump-Fernsehshow “The Apprentice”.

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Dass Trump in manchen Jahren nur 750 Dollar Steuern zahlte, gibt nicht nur seinen Gegnern neuen Schub. Es lässt auch Anhänger stutzen. Sie haben jetzt eigentlich nur die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder hat sich ihr Idol durch einen Kniff Vorteile verschafft auf Kosten der Solidargemeinschaft. Oder er war ein so lausiger Unternehmer, dass tatsächlich unterm Strich nicht viel an nennenswerten Einkünften übrig blieb. Trickser oder Blender? So oder so kommt für Trump nichts Gutes heraus.

Heute Nacht um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt in Cleveland das erste TV-Duell zwischen Trump und Joe Biden. Trump muss sich auf viele unangenehme Fragen einstellen. Doch er hofft, dass er durch Showeffekte inhaltlich prekäre Dinge zurückdrängen kann. Vor allem setzt der Präsident darauf, dass bei seinem Herausforderer eine alte Schwäche wieder neu auftritt: Biden hat als Kind gestottert und neigt bis heute dazu, sich gelegentlich zu verhaspeln. Das Fernsehen kann in solchen Fällen gnadenlos sein, schreibt Matthias Koch in seinem Ausblick auf die heutige Sendung.

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Skandal in der AfD

Ein hochrangiger AfD-Vertreter trifft sich mit einer rechtslastigen Youtuberin in einer Bar. Was er nicht weiß: Die junge Frau ist ein Lockvogel, sie will sich von der Szene distanzieren. Unauffällig um sie herum platziert ist ein Kamerateam des Senders Pro7. Die Youtuberin, ihr Künstlername ist Lisa Licentia, und die Fernsehleute fertigen hinterher Gesprächsprotokolle des Gehörten an. Und die haben es in sich.

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So ist es in der Pro7-Dokumentation “Rechts. Deutsch. Radikal.” zu hören. Der Name des AfD-Funktionärs wird in dem Beitrag nicht genannt. Später wird klar: Es handelt sich um den Ex-Parteisprecher Christian Lüth, der daraufhin endgültig gefeuert wird. Berlin-Korrespondent Jan Sternberg hat sich die komplette Pro7-Sendung angeschaut und schreibt unter anderem: “Dieser Film ist extrem wichtig, gerade weil er bei Pro7 gezeigt wurde. Wer in diesen Zeiten noch die rechtsextreme Gefahr herunterspielen will, wer der AfD noch eine bürgerliche Fassade zugesteht, wer an die Selbstverharmlosung der Szene glaubt – der sollte diese Dokumentation ansehen.”

Eine Million Corona-Tote

Rechte Politik ist zudem ein Treiber der Pandemie. Der brasilianische Staatspräsident meinte noch vor einigen Wochen, man müsse “der kleinen Grippe wie ein Mann” entgegentreten. Jair Bolsonaro musste seine Rhetorik mittlerweile mäßigen, denn auch er kann 140.000 Tote und mehr als vier Millionen Infizierte in seinem Land nicht mehr wegdiskutieren. Ganz im Gegensatz zu Trump. Der US-Präsident spielt die Pandemie nach wie vor herunter. Und nun ist ein Negativrekord erreicht, der Anfang des Jahres noch völlig dystopisch erschien: Die Pandemie hat mittlerweile mehr als eine Million Menschen das Leben gekostet.

Den Worten von UN-Generalsekretär António Guterres aus der Nacht ist eigentlich nichts hinzuzufügen: Es ist die betäubende Zahl eines “qualvollen Meilensteins”.

Zitat des Tages

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Leseempfehlungen

Bundesliga und Corona: Wissenschaftler warnen vor lautstarkem Fanjubel und Fangesängen – das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation hat hohe Aerosolwerte bei “Tor!”-Rufen gemessen. Mehrere internationale Studien belegen zudem ein großes Ansteckungsrisiko bei lautem Sprechen und Singen. Mediziner und Politiker kritisieren daher die vorschnelle Öffnung von Fußballstadien für das Publikum. Ein Überblick über die aktuelle Studienlage gibt unser Autor Uwe Herzog.

Aus Hofer wird Riewa: Ende des Jahres geht “Tagesschau”-Chefsprecher Jan Hofer in Rente. Sein Nachfolger wird Jens Riewa. Im Interview mit RND-Unterhaltungschefin Lena Obschinsky erklärt der 57-Jährige, was seine neue Position überhaupt von der alten unterscheidet, was er von seinem Vorgänger leider nicht gelernt hat und wie er die Qualität der “Tagesschau” sichern will.

Corona im Herbst: Der Herbst hat Einzug gehalten in Deutschland – und mit ihm die Sorge, wie es wohl mit Corona weitergeht, wenn sich das Leben großenteils drinnen abspielt. Denn Mediziner und Wissenschaftler warnen eindringlich vor einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen beim Aufenthalt in Innenräumen. Doch wie können dort Infektionen verhindert werden? In der Diskussion stehen unter anderem UV-Licht, Luftbefeuchter, Luftfilter und Fensterlüftung. Meine Kollegin Laura Beigel erläutert, ob und wie diese Ansätze vor Corona-Infektionen schützen können.

Die Termine des Tages

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder beraten an diesem Dienstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Bei der Videokonferenz um 14 Uhr geht es um eine Abstimmung der Strategie für Herbst und Winter vor dem Hintergrund gestiegener Ansteckungszahlen. Diskutiert wurde vor den Beratungen über bundesweit einheitliche Regeln für ein regionales Vorgehen, etwa ein Ampelwarnsystem oder Teilnehmerbeschränkungen für Feiern. Auch eine Maskenpflicht auf belebten öffentlichen Plätzen ist im Gespräch.

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Der Bundestag berät ab Dienstag, 10 Uhr, über den Entwurf für den Bundeshaushalt 2021. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will für den Kampf gegen die Corona-Krise noch einmal neue Schulden von rund 96 Milliarden Euro aufnehmen. Dafür soll erneut die Schuldenbremse des Grundgesetzes ausgesetzt werden.

Ein volles Programm erwartet die Prozessbeteiligten im Fall Maria Baumer am Dienstag vor dem Landgericht Regensburg. Am Morgen um 9 Uhr soll die psychologische Sachverständige ihr Gutachten vorstellen. Danach ist vorgesehen, dass die Plädoyers gehalten werden. Angeklagt ist ein 35 Jahre alter Mann, der seine Verlobte im Mai 2012 mit einem Medikamentenmix getötet und ihre Leiche im Wald vergraben haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor.

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst gehen weiter. Heute vor allem betroffen: der öffentliche Nahverkehr.

Wer heute wichtig wird

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät sich am Dienstag mit den Ministerpräsidenten der Länder über weitere Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie. © Quelle: Michael Kappeler/dpa

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