Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

„Schäden nur schwer reparabel"

Expertin: „Triage“ bei Gas-Lieferstopps hätte verheerende Folgen auf deutsche Wirtschaft

Eine Erdgas-Verdichterstation in Bayern - Wirtschaftsexperten warnen vor den Folgen einer Wirtschaftstriage im Falle eines Gas-Lieferstopps aus Russland.

Eine Erdgas-Verdichterstation in Bayern - Wirtschaftsexperten warnen vor den Folgen einer Wirtschaftstriage im Falle eines Gas-Lieferstopps aus Russland.

Berlin. Die Bau- und Energie-Expertin Lamia Messari-Becker warnt für den Fall eines Stopps von russischen Gaslieferungen nach Deutschland vor verheerenden Folgen für die deutsche Wirtschaft. „Wenn Grundstoff-Industrien zum Erliegen kämen, würde ein Dominoeffekt entstehen, der nicht mehr aufzuhalten und nur schwer reparabel wäre.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das sagte Messari-Becker am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben der Expertin, die die Bundesregierung in Bau-und Energiefragen berät, hängt etwa die Bauwirtschaft „maßgeblich“ an gasintensiven Industrien wie der Chemie-, Stahl- und Zementindustrie. „Im Hauptbaugewerbe wären knapp eine halbe Million Jobs betroffen“, sagte Messari-Becker in Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts.

+++ Alle aktuellen News und Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog. +++

Sie forderte die Politik auf, „ideologiefrei alle nationalen Reserven zu mobilisieren“ und notfalls auch Laufzeitverlängerungen konventioneller Kraftwerke, etwa von Kohlekraftwerken, in Erwägung zu ziehen. Das wäre aus ihrer Sicht „allemal verkraftbarer als eine über Jahrzehnte aufgebaute soziale Marktwirtschaft zu schädigen“, sagte die Expertin.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Oberstes Ziel müsse es sein, „mit allen Mitteln eine drohende Wirtschaftstriage zu verhindern“, sagte Messari-Becker. Damit meint die Expertin ein Szenario, bei dem im Falle von Versorgungsengpässen gewisse Unternehmen und Einrichtungen bevorzugt mit Gas versorgt würden - in Anlehung an den medizinischen Begriff „Triage“.

Frühwarnstufe des Gas-Notfallplans aktiviert

Solch eine Priorisierung würde etwa greifen, wenn in Deutschland die Notfallstufe des Notfallplans Gas ausgerufen würde. Die Bundesregierung hatte in dieser Woche vorsorglich bereits die Frühwarnstufe dieses Plans aktiviert. Hintergrund ist die Vorbereitung auf mögliche Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine auf die Gasversorgung in Deutschland.

Am Donnerstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin mit Wirkung zum 1. April angeordnet, dass westliche Staaten Konten bei der Gazprombank eröffnen müssen, um weiter russisches Gas zu erhalten. Andernfalls würden die Lieferungen für die „unfreundlichen“ Länder eingestellt, sagte er.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Bundesregierung wolle die jüngsten Forderungen der russischen Regierung zur Bezahlung von Gas-Lieferungen prüfen, hieß es dazu am Donnerstag aus dem Wirtschafts- und Klimaschutzministerium.

RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen