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“Nehmt eure Knie von unseren Hälsen”: Emotionale Trauerfeier für George Floyd

  • Bei der ersten Trauerfeier für George Floyd in Minneapolis fallen Worte mit großer Symbolkraft: Floyd war Familienvater, Bruder, Freund.
  • Inzwischen wird der Afroamerikaner wegen seines brutalen Tods bei einem Polizeieinsatz von vielen als Held verehrt.
  • Tausende Amerikaner gingen erneut gegen Polizeigewalt und Rassismus auf die Straße.
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Minneapolis. Abschied von George Floyd: In Minneapolis haben seine Angehörigen, Bürgerrechtler, Politiker und Hollywood-Stars in einer ersten von drei Trauerfeiern an den Afroamerikaner erinnert. Die Trauergemeinde in der North Central University betete und sang am Donnerstag die Hymne “Amazing Grace” in Gedenken an Floyd, dem am 25. Mai ein weißer Polizist 8 Minuten und 46 Sekunden lang das Knie auf den Hals drückte. Genau so lange erhoben sich die Gäste zu einem Moment des Schweigens.

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Auf Gedenkfeier für George Floyd: Al Sharpton prangert Rassismus in den USA an
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Er sprach auf einer ersten Trauerfeier für George Floyd in Minneapolis.  © Reuters

Floyds letzten Worte waren "I can't breathe" - "Ich kann nicht atmen". Auf den Atemschutzmasken etlicher Trauergäste standen diese Worte, die bei vielen Protestkundgebungen in den USA zum Inbegriff für Polizeigewalt und Diskriminierung geworden sind. Der Anwalt der Familie, Ben Crump, sagte, nicht das Coronavirus, sondern eine "Pandemie des Rassismus und der Diskriminierung" habe Floyd getötet, der 46 Jahre alt wurde.

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“George Floyds Geschichte ist die Geschichte schwarzer Leute”

Der prominente Bürgerrechtler Al Sharpton hielt eine flammende Trauerrede, in der er auch eine Brücke zum Erbe der Sklaverei und der anhaltenden Benachteiligung der schwarzen Gemeinde in den USA schlug. Floyd sei am alltäglichen Versagen der amerikanischen Strafjustiz gestorben, sagte er. "George Floyds Geschichte ist die Geschichte schwarzer Leute. Denn seit 401 Jahren ist der Grund, warum wir nie sein konnten, wer wir wollten und zu sein erträumten, dass ihr eure Knie auf unserem Hals hieltet. Es ist für uns an der Zeit, in Georges Namen aufzustehen und zu sagen: "Nehmt eure Knie von unseren Hälsen!""

In den USA und Metropolen wie Paris, London, Sydney und Rio de Janeiro hat das von einer Passantin aufgenommene Handyvideo von Floyds brutaler Festnahme massive Proteste gegen Polizeiübergriffe, Rassismus und Ungleichheit ausgelöst. Insbesondere in den USA kam es dabei auch zu Unruhen mit Plünderungen und Ausschreitungen.

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Obamas Dank an die junge Generation
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Der ehemalige US-Präsident sich bedankte in einem Livestream bei den jungen Demonstrierenden, die in seinen Augen schon so viel bewirkt haben.  © Reuters

“Vorbei die Zeiten, in denen ihr nicht zur Rechenschaft gezogen wurdet!”

Sharpton zeigte sich überzeugt, dass aus den Protesten eine Bewegung erwachsen werde, "die das gesamte Justizsystem verändern" werde. "Vorbei die Zeiten, in denen ihr nicht zur Rechenschaft gezogen wurdet! Vorbei die Zeiten, in denen ihr Ausflüchte machtet! Vorbei die Zeiten leerer Worte und leerer Versprechungen! Vorbei die Zeit eurer Verschleppungstaktiken und Versuche, den Arm der Justiz zu lähmen!"

An dem Trauergottesdienst nahmen auch Bürgerrechtler Jesse Jackson, die Senatorin Amy Klobuchar und Kongressmitglieder wie Ilhan Omar und Ayanna Pressley teil. Unter den anwesenden Stars waren Comedian und Schauspieler Kevin Hart, die Entertainerin Tiffany Haddish und Darsteller Tyrese Gibson. Der Gottesdienstsaal der North Central University fasst 1000 Menschen, doch wurde die Teilnehmerzahl wegen der Corona-Pandemie auf rund 500 begrenzt.

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Floyd wird in seinen Geburtsort gebracht

"All diese Leute sind gekommen, um meinen Bruder zu sehen", sagte Philonise Floyd in ihrer Rede. "Das versetzt mich in Staunen, dass er die Herzen so vieler Menschen berührt hat, weil er unsere Herzen berührt hat."

Nach der Trauerfeier soll Floyds goldfarbener Sarg nach Raeford in North Carolina, seinem Geburtsort, überführt werden. Dort wird er öffentlich aufgebahrt, am Samstag folgt ein Trauergottesdienst im Familienkreis. Schließlich wird er am Montag in Houston aufgebahrt, wo Floyd den größten Teil seines Lebens verbrachte. Am Dienstag findet dort ein Trauergottesdienst in der Kirche The Fountain of Praise mit 500 Teilnehmern statt. Trauerredner werden Sharpton, Anwalt Crump und der Pfarrer der Familie, Remus Wright, sein.

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Der 22-jährige Student Messiah Young und seine Freundin Taniyah Pilgrim waren bei einem Polizeieinsatz in Atlanta getasert und aus ihrem Auto gezerrt worden.  © Reuters

Unter den Teilnehmern werden möglicherweise der voraussichtliche demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden und andere berühmte Persönlichkeiten sein. Anschließend erfolgt die Beisetzung im Kreis der Familie.

RND/AP

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