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Trauer um Norbert Blüm: Politiker würdigen ihn als “herausragende Persönlichkeit"

  • Der langjährige Bundesminister Norbert Blüm ist in der Nacht auf Freitag verstorben.
  • Viele Weggefährten würdigen den CDU-Politiker.
  • Sowohl menschlich als auch politisch wird er mit warmen Worten bedacht.
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Düsseldorf/Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den verstorbenen früheren Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (beide CDU) als einen Politiker gewürdigt, der ihre eigene Arbeit stark geprägt habe. Sie habe mit großer Betroffenheit von Blüms Tod erfahren, erklärte Merkel am Freitag in Berlin und sprach seinen Angehörigen ihr Beileid aus. Merkel hatte mit Blüm von 1990 bis 1998 im Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) zusammengearbeitet.

Er bleibe als Persönlichkeit in Erinnerung, die nah an den Menschen war. „Er kannte Werkbank und Ministerschreibtisch,“ erklärte Merkel. Sein Herz habe für die Menschen geschlagen, die das Land aufgebaut haben und moderne Sozialpolitik für alle verständlich formulieren können. Die soziale Marktwirtschaft habe Blüm entscheidend mitgeprägt. Die Einführung der Pflegeversicherung sei sein großes Verdienst.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach der Witwe des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm sein Beileid aus und erkannte ihren Mann als „herausragende politische Persönlichkeit“ an. „Vielleicht kann es in dieser schweren Zeit tröstlich sein, dass viele Menschen in unserem Land Ihre Trauer teilen“, schrieb Steinmeier.

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Steinmeier: “Blüm war ein unerschrockener Anwalt der Bürger”

„Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind“, schrieb Steinmeier über Blüm, der mit 84 Jahren gestorben ist. Dieser habe sich über alle Parteigrenzen hinweg zu Recht großen Respekt erworben. „Sein Name wird immer eng verknüpft bleiben mit seinem außerordentlichen Engagement in der Rentenpolitik. Verlässlichkeit im Handeln und Klarheit im Wort waren immer die Richtschnur Ihres Mannes.“

Blüm sei in allen seinen Ämtern ein unerschrockener Anwalt der Bürgerinnen und Bürger und ein Mahner zur Bewahrung der Schöpfung gewesen. „Gerechtigkeit, Glaubwürdigkeit und Menschenfreundlichkeit waren für ihn keine bloßen Floskeln, sondern die Handlungsmaxime eines christlich-sozialen Politikers“, heißt es in dem Schreiben des Bundespräsidenten.

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Norbert Blüm ist tot
1:18 min
Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm ist im Alter von 84 Jahren gestorben.  © Reuters
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AKK: Blüm hat Sozialpolitik Gesicht und Stimme verliehen

Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihrer Trauer um Norbert Blüm Ausdruck verliehen. Auf Twitter schrieb sie: “Wir trauern um Norbert Blüm. Der Sozialpolitik unseres Landes hat er Gesicht und Stimme verliehen. Er hat Herz, Sachverstand und Humor in einer unverwechselbaren Persönlichkeit vereint. Wir werden ihn und seine klare sowie im besten demokratischen Sinne streitbare Art vermissen.”

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Im Südwestrundfunk sagte sie zudem: „Norbert Blüm ist einer der Gründe gewesen, warum ich in die CDU eingetreten bin.“

Laschet: „Norbert Blüm ist eine der beliebtesten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte Blüm als das „soziale Gewissen der Bonner Republik". Blüm sei „eine der bekanntesten und zugleich beliebtesten Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte“ gewesen, erklärte Laschet. „Er war lebensfroh, menschennah und streitbar.“ Blüm, der 84 Jahre alt wurde, habe für die Schwächsten gekämpft und sei gleichzeitig „mutig gegenüber den Mächtigen“ gewesen. „Sein Auftritt als Minister in Chile, als er gegenüber dem Diktator Pinochet offen Folter kritisierte, bleibt mir unvergessen.“

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende hob auch seine persönliche Verbindung zu Blüm hervor. „Mir persönlich hat er oft Rat gegeben, man konnte mit ihm lachen und ihm stundenlang zuhören“, schrieb Laschet.

“Vater der Pflegeversicherung”

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Die Verdienste Blüms um die Sozialpolitik betonten auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Norbert Blüm hat als einer der führenden Politiker der Nachkriegszeit die Sozialpolitik der Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte geprägt“, hob Spahn am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Minister hervor. „Norbert Blüm ist der Vater der Pflegeversicherung. Alle Deutschen können sich seitdem darauf verlassen, dass sie unabhängig von ihrem Einkommen im Alter und im Pflegefall gut versorgt werden.“

Heil bezeichnete Blüm als „herausragende Persönlichkeit der Bundesrepublik Deutschland“. Er sei „mit ganzem Herzen Sozialpolitiker gewesen und „ein Mann mit tiefer christlicher Überzeugung“. In seiner Zeit als Bundesminister habe er den Sozialstaat weiter entwickelt. Die Einführung der Pflegeversicherung sei „eine wahre Pionierleistung“ gewesen. Heil fügte in der Erklärung hinzu: „Ich habe in der vorletzten Woche das letzte Mal mit ihm telefoniert und wieder einmal seine Weitsicht, seine Urteilskraft und seinen Humor erlebt.“

Anerkennung auch von Lindner

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner würdigte Norbert Blüm als „leidenschaftlichen Politiker aus der Tradition der katholischen Soziallehre“. „Wir haben mit ihm über manche Frage der Wirtschafts- und Rentenpolitik gestritten. Dennoch haben wir größten Respekt vor seinen Verdiensten um unser Land“, schrieb der aus Nordrhein-Westfalen kommende Lindner am Freitag auf Twitter. Zudem hob er den großen Humor Blüms hervor, der im Alter von 84 Jahren gestorben ist.

Lafontaine: “Einer der profiliertesten Sozialpolitiker”

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Auch Linke-Politiker Oskar Lafontaine bezeichnete Blüm als „einen der profiliertesten Sozialpolitiker". Die 1995 eingeführte Pflegeversicherung werde für immer mit dem CDU-Politiker verbunden bleiben. „Sein Vermächtnis bleibt, eine gesetzliche Rentenversicherung wiederherzustellen, die auf der Grundlage gerechter Löhne die verlässlichste Form der Alterssicherung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist“, teilte Lafontaine mit.

Lafontaine sagte weiter, die politische Arbeit von Blüm sei geprägt gewesen „durch die christliche Soziallehre und die Ideen des Jesuiten-Paters Oswald von Nell-Breuning“. Blüm war in Trier mit dem Oswald von Nell-Breuning-Preis 2011 der Stadt Trier geehrt worden.

Die frühere Justizministerin und heutige EU-Parlaments-Vizepräsidentin Katarina Barley (SPD) würdigte Blüm ebenfalls. “Norbert Blüm ist gestorben. Damit geht ein Sozialpolitiker mit Herz, Verstand und Mut. Wir werden ihn vermissen”, schrieb sie auf Twitter.

Die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) sagte in Mainz, Blüm habe sich stets dafür eingesetzt, dass die „kleinen Leute“ im Land es gut haben. „In Erinnerung bleiben wird Norbert Blüms herausragendes soziales Engagement und auch sein feiner Humor, den er nach dem Ausscheiden aus der Bundespolitik im Kabarett zum Ausdruck brachte“, sagte sie. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans erklärte auf Twitter: „Norbert Blüm war mehr als nur das soziale Gewissen der CDU, er war kommunikative Brücke der Regierung zu den Menschen. Und er war cool - lange bevor man sowas von einem Unions-Politiker erwartete.“

“Soziale Gewissen der CDU”

Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) teilte mit, Blüm (CDU) sei „Streiter für eine bessere Welt“ gewesen. „Mit Norbert Blüm ist ein großer Politiker, Gestalter und Freund von uns gegangen. Wie kein Zweiter verkörperte er das soziale Gewissen der CDU“, hieß es in einer Erklärung des Arbeitnehmerflügels der Partei vom Freitag. „Die CDA wird seine Leidenschaft und Tatenkraft, seinen unvergleichlichen Witz und seine Menschenliebe vermissen.“

Der heutige CDA-Vorsitzende Karl-Josef Laumann sagte: „Norbert Blüm war und ist für viele von uns ein politisches Vorbild. Er war immer ein Bollwerk, wenn es darum ging, den Kern des Sozialstaats und die Tarifautonomie zu verteidigen.“ Laumann würdigte den Verdienst Blüms um die Einführung der Pflegeversicherung, die es inzwischen seit 25 Jahren gibt. Der Kompass seiner Arbeit sei die Christliche Soziallehre gewesen.

Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm war in der Nacht zum Freitag im Alter von 84 Jahren verstorben. 16 Jahre lang war der CDU-Politiker Teil des Bundeskabinetts unter Ex-Kanzler Helmut Kohl. Im März hatte er bekanntgemacht, nach einer Blutvergiftung an Armen und Beinen gelähmt zu sein.

RND/dpa/cz

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