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Ruth Bader Ginsburg – eine Richterin, die zum Popstar wurde

  • Ruth Bader Ginsburg war die wohl bekannteste Richterin der Vereinigten Staaten, eine Ikone des liberalen und feministischen Amerikas.
  • Im Alter von 87 Jahren ist die Juristin nun an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.
  • Ein Nachruf auf eine Frau, die als Gegnerin von US-Präsident Donald Trump bekannt war - und über die es zwei Kinofilme gibt.
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Washington. Sie wollte unbedingt noch bis zur Präsidentschaftswahl durchhalten und hoffte auf einen Sieg von Joe Biden. Donald Trump sollte nicht mehr über die Neubesetzung ihres Postens entscheiden. Nun ist Ruth Bader Ginsburg doch 46 Tage vor der Wahl gestorben. Sie wurde 87 Jahre alt.

Ginsburg war die wohl bekannteste Richterin der Vereinigten Staaten. Eine Ikone des liberalen und feministischen Amerikas. Ihr Kürzel RBG wurde längst zu “Notorious RBG” erweitert (in Anspielung auf den Rapper “Notorious B.I.G.”). Es gibt T-Shirts und Tassen mit ihrem Konterfei. 2018 kamen sogar zwei Filme über sie ins Kino: die Dokumentation “RBG – ein Leben für die Gerechtigkeit” und der Spielfilm “Die Berufung”.

27 Jahre lang gehörte Ginsburg dem Supreme Court an. Doch sie war schon vor ihrer Berufung als Richterin eine bekannte Juristin. In den 1970er-Jahren war sie als Rechtsprofessorin von der großen US-Bürgerrechtsorganisation ACLU beauftragt worden, im sogenannten “women’s rights project” die Gleichberechtigung der Frau im US-Recht durchzusetzen.

Fünf Siege, eine Niederlage

Bis dahin gab es eine Vielzahl von Gesetzen, die auf den Mann als Ernährer der Familie abstellten und Frauen zu Bürgern zweiter Klasse machten. Unter Führung von Ginsburg führte die ACLU hunderte von Diskriminierungs-Prozessen, sechs davon auch am Supremce Court. Fünf gewann sie. In dieser Phase ihres Lebens hat sie wohl mehr erreicht als in ihrer späteren Rolle als Richterin.

1980 wurde Ginsburg vom damaligen demokratischen Präsidenten Jimmy Carter zur Bundesrichterin an einem Berufungsgericht ernannt. 1993 folgte der nächste Karriereschritt zum Supreme Court. Diesmal war es Präsident Bill Clinton, der sie nominierte. Ihre Ernennung wurde auch von den Konservativen mitgetragen. Ginsburg galt damals als Moderate.

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Anfangs konnte sie am Supreme Court ihr emanzipatorisches Werk mit den Stimmen der Mehrheit fortsetzen, zu der auch gemäßigt-konservative Richter zählten. So entschied der Supreme Court 1996, dass das staatliche Virginia Military Institute auch Frauen offen stehen muss.

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Doch unter Präsident George W. Bush rückte der Supreme Court nach rechts. Kompromisse wurden schwieriger, Ginsburg fand sich immer häufiger in der Minderheit und schrieb Sondervoten. Im besten Fall wurden diese später von der Politik aufgegriffen, wie im Fall Ledbetter vs. Goodyear.

Pop-kulturelle Ikone

Hier hatte Ginsburg 2007 argumentiert, dass Frauen gegen ungleiche Bezahlung oft deshalb nicht fristgerecht klagen können, weil sie gar nicht wissen, was ihre männlichen Kollegen verdienen. Am Supreme Court konnte sie sich damit nicht durchsetzen, doch der US-Kongress nahm ihr Anliegen 2009 in einem Gesetz auf.

Video
US-Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg ist tot
1:03 min
Ruth Bader Ginsburg hat 27 Jahre auf dem Richterstuhl am amerikanischen Obersten Gerichtshof gesessen. Am Freitag ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben.  © RND

Die meisten ihrer Dissenting Opinions (abweichenden Voten) hatten aber keine vergleichbare Wirkung - obwohl diese zunehmend im Internet und den sozialen Netzwerken gefeiert wurden. In den letzten Jahren wurde Ginsburg so immer mehr zu einer pop-kulturellen Ikone der liberalen und feministischen Juristen.

Ginsburg, die ursprünglich eher scheu und spröde wirkte, hatte später durchaus Spaß an ihrer Rolle als juristischer Popstar gefunden. Bei Gelegenheit verschenkte sie selbst “Notorious RBG”-T-Shirts.

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Ginsburg galt auch im Privatleben als Rollenmodell. Ihren Mann Martin hatte sie 1954 geheiratet. “Er war der erste Mann, der sich auch für mein Gehirn interessierte”, erinnerte sich die Richterin. Er stellte später seine eigene Karriere als Steuer-Anwalt zurück und engagierte sich in der Erziehung und Betreuung der beiden Kinder für die damalige Zeit ungewöhnlich stark.

Intellektuelle Brillanz, großer Fleiß, eiserne Disziplin

Die Frage, ob sich das Juristenpaar oft gegenseitig Ratschläge gibt, verneinte Martin Ginsburg selbstironisch: “Sie gibt mir keine Ratschläge beim Kochen. Und ich gebe ihr keine Ratschläge für die Rechtsprechung”.

Ruth Bader Ginsburg wurden neben intellektueller Brillanz auch großer Fleiß und eiserne Disziplin attestiert. Als über 80-Jährige schaffte sie noch zwanzig Liegestützen. Ginsburg erkrankte ab 1999 mehrfach an Krebs, konnte aber jeweils geheilt werden - bis sie nun an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb.

Die Richterin war als Gegnerin von US-Präsident Trump bekannt, den sie einmal sogar einen “Schwindler” nannte. Nun hat Trump doch die Möglichkeit, ihren Nachfolger zu bestimmen. In den USA ernennt der Präsident die Supreme-Court-Richter. Diese müssen zwar vom US-Senat nach öffentlicher Anhörung bestätigt werden, doch derzeit haben Trumps Republikaner auch die Mehrheit im Senat.

Kurz vor ihrem Tod forderte Ruth Bader Ginsburg allerdings die US-Politik noch auf, die Präsidentschaftswahlen abzuwarten. Ihrer Enkelin diktierte sie: “Mein sehnlichster Wunsch ist, dass ich nicht ersetzt werde, bevor ein neuer Präsident das Amt übernommen hat.”

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