Mit 91 Jahren gestorben

„Seine Worte haben uns ermutigt“: Die Welt würdigt Michail Gorbatschow

ARCHIV - 08.11.2014, Berlin: Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow am Pariser Platz, im Hintergrund das Brandenburger Tor. Vor seinem 90. Geburtstag hat der frühere Kremlchef Michail Gorbatschow die Hoffnung auf eine Besserung des Verhältnisses zur Europäischen Union geäußert. (zu dpa «Gorbatschow: Glaube an bessere Beziehungen zur EU») Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 08.11.2014, Berlin: Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow am Pariser Platz, im Hintergrund das Brandenburger Tor. Vor seinem 90. Geburtstag hat der frühere Kremlchef Michail Gorbatschow die Hoffnung auf eine Besserung des Verhältnisses zur Europäischen Union geäußert. (zu dpa «Gorbatschow: Glaube an bessere Beziehungen zur EU») Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Politiker aus aller Welt haben den russischen Friedensnobelpreisträger und ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow kurz nach Bekanntwerden seines Todes gewürdigt. „Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und dem Fall des Eisernen Vorhangs“, schrieb EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstagabend auf Twitter. Sie bezeichnete Gorbatschow als Führungspersönlichkeit, die zuverlässig und geachtet gewesen sei. „Er ebnete den Weg für ein freies Europa. Dieses Vermächtnis werden wir nie vergessen.“

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US-Präsident Joe Biden würdigte Gorbatschow als einen „Mann mit einer bemerkenswerten Vision“. Dieser habe sich in der Sowjetunion nach Jahrzehnten brutaler politischer Unterdrückung für demokratische Reformen eingesetzt, erklärte Biden.

Dies waren die Taten einer außerordentlichen Führungspersönlichkeit – einer, die die Vorstellungskraft besaß, eine andere Zukunft für möglich zu halten, und den Mut hatte, ihre gesamte Karriere zu riskieren, um dies zu erreichen. Das Ergebnis war eine sicherere Welt und größere Freiheit für Millionen von Menschen.

Joe Biden, US-Präsident, über Michail Gorbatschow

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UN-Generalsekretär António Guterres „zutiefst traurig“

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich „zutiefst traurig“ über den Tod Gorbatschows gezeigt. Dieser sei ein „einzigartiger Staatsmann“ gewesen, der den Lauf der Geschichte verändert habe, ließ Guterres am Dienstag mitteilen. „Er hat mehr als jeder andere dazu beigetragen, den Kalten Krieg friedlich zu beenden.“

Papst Franziskus hat Gorbatschows Bemühungen für den Frieden und die Völkerverständigung gelobt. Nach dem Tod des früheren russischen Staatschefs schrieb das Oberhaupt der Katholiken am Mittwoch ein Kondolenztelegramm an dessen Tochter Irina. Darin erinnerte Franziskus an Gorbatschows „weitsichtigen Einsatz für die Eintracht und die Brüderlichkeit unter den Völkern sowie den Fortschritt des eigenen Landes in einer Epoche wichtiger Umbrüche“.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat das historische Erbe Gorbatschows gewürdigt. „Ich habe immer den Mut und die Integrität bewundert, die er gezeigt hat, indem er den Kalten Krieg zu einem friedlichen Ende brachte“, schrieb er bei Twitter.

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Johnson hat Moskau vorgeworfen, mit dem Ukraine-Krieg das Vermächtnis des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow zu zerstören. „Gorbatschow war einer der Menschen, die die Welt verändert haben, und zweifelsohne zum Besseren“, sagte Johnson am Mittwochmorgen zu Journalisten in London. „Mich besorgt, dass die aktuelle Führung in Moskau das Vermächtnis von Michail Gorbatschow zunichte machen will.“ Der Krieg gegen die Ukraine sei ein rachsüchtiger Versuch, das sowjetische Imperium neu zu erschaffen - „eine Tragödie, die Gorbatschow für undenkbar und ungerechtfertigt gehalten hätte“, sagte Johnson.

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Scholz nennt Gorbatschow mutigen Reformer

Bundeskanzler Olaf Scholz hat den verstorbenen Gorbatschow als mutigen Reformer gewürdigt. Der ehemalige sowjetische Staatschef habe vieles gewagt, sagte Scholz am Mittwoch am Rande der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg in Brandenburg. Seine Politik habe es möglich gemacht, „dass Deutschland vereint werden konnte und der Eiserne Vorhang verschwunden ist“.

Auch Russland habe dank Gorbatschow den Versuch unternehmen können, eine Demokratie zu etablieren. Nun sei er in einer Zeit gestorben, „in der nicht nur die Demokratie in Russland gescheitert ist“, sondern in der der russische Präsident Wladimir Putin auch neue Gräben in Europa ziehe. „Gerade deshalb denken wir an Michail Gorbatschow und wissen, welche Bedeutung er für die Entwicklung Europas und auch unseres Landes in den letzten Jahren hatte“, sagte Scholz.

Steinmeier würdigt Gorbatschow als „großen Staatsmann“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Gorbatschow als „großen Staatsmann“ gewürdigt. „Deutschland bleibt ihm verbunden, in Dankbarkeit für seinen entscheidenden Beitrag zur deutschen Einheit, in Respekt für seinen Mut zur demokratischen Öffnung und zum Brückenschlag zwischen Ost und West, und in Erinnerung an seine große Vision von einem gemeinsamen und friedlichen Haus Europa“, erklärte Steinmeier am Mittwoch. Gorbatschow habe in den vergangenen Jahren darunter gelitten, dass sein Traum in immer weitere Ferne rückte. „Heute liegt der Traum in Trümmern, zerstört durch den brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine“, betonte Steinmeier.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat Gorbatschow die ewige Dankbarkeit Deutschlands bekundet. „Michael Gorbatschow hat sich in Schicksalsmomenten unserer Geschichte von Frieden und der Verständigung zwischen den Menschen leiten lassen. Das Ende des Kalten Kriegs und die deutsche Einheit sind sein Vermächtnis“, schrieb sie am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter. „Wir trauern um einen Staatsmann, dem wir dafür ewig dankbar sind.“

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Auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) betonte auf Twitter, dass Gorbatschows Einsatz für Frieden und Freiheit in Europa unvergessen bleibe. „Sein Engagement hat unsere Geschichte verändert“, schrieb er. „Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges und eine treibende Kraft der Deutschen Einheit: Michail Gorbatschow haben wir so viel zu verdanken.“

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Gorbatschow als Friedensstifter

Der australische Premierminister Anthony Albanese hat Gorbatschow als einen Friedensstifter gewürdigt, der die Welt zum Besseren verändert habe. „Er befreite die Nationen Osteuropas aus dem Gefängnis der Sowjetherrschaft und trug dazu bei, den Kalten Krieg zu beenden“, schrieb Albanese am Mittwoch. Gorbatschow sei „ein Mann von Wärme, Hoffnung, Entschlossenheit und enormem Mut“ gewesen und in einer tief gespaltenen Welt vom Instinkt der Kooperation und der Einheit angetrieben worden.

Mit seinem Tod verlieren wir einen der wahren Giganten des 20. Jahrhunderts.

Anthony Albanese, Premierminister von Australien zum Tod von Gorbatschow

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„Sein Engagement für den Frieden in Europa hat unsere gemeinsame Geschichte verändert“, schrieb der französische Präsident Emmanuel Macron auf Twitter.

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Putin äußert Mitgefühl – Außenpolitiker spricht von Tragödie

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Angaben eines Sprechers sein tiefes Mitgefühl zum Tod von Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow geäußert. Putin werde der Familie am Mittwochmorgen ein Telegramm schicken, kündigte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Dienstagabend in Moskau an.

Der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow bezeichnete den Tod Gorbatschows als Tragödie für sein Land. „Gorbatschow hat einen Weg geebnet, den unser Volk in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten sonst nicht hätte gehen können“, schrieb Kossatschow am Mittwochmorgen im Nachrichtenkanal Telegram. Dieser Weg sei schwierig gewesen - anders als in den 70 Jahren zuvor sei er aber in die richtige Richtung gegangen. „Bei aller Widersprüchlichkeit der Ergebnisse verdient Gorbatschow Respekt und er verdient es, dass an ihn erinnert wird.“

Ohne Gorbatschow „wären die friedlichen Revolutionen in den Ländern des Ostblocks, bei uns, so nicht denkbar gewesen“, schrieb die Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) am Dienstagabend auf Twitter. „Seine Worte haben uns, haben mich, ermutigt, stark gemacht.“

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Trittin verneigt sich „vor einem großen Politiker des Friedens“

Deutschland habe Gorbatschow viel zu verdanken, schrieb Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) ebenfalls auf Twitter. „Er leitete das Ende des Kalten Krieges ein, ermöglichte Deutschlands Wieder­vereinigung und schenkte seinem Land ein demokratisches Momentum. Ein mutiger Überzeugungstäter, dessen Stimme fehlen wird.“

Grünen-Politiker Jürgen Trittin twitterte: „Ich verneige mich vor einem großen Politiker des Friedens Michael #Gorbatschow RIP“.

Michail Gorbatschow stirbt mit 91 Jahren

Der Friedensnobelpreisträger starb nach Angaben mehrerer russischer Medien im Alter von 91 Jahren in einem Krankenhaus in Moskau.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Verdienste des verstorbenen Gorbatschow gewürdigt. „Deutschland hat ihm viel zu verdanken“, twitterte Söder am Mittwoch. Früher als andere habe Gorbatschow die Zeichen der Zeit erkannt, den Kalten Krieg beendet und eine lange Periode des Friedens möglich gemacht. „Den Weg zur Deutschen Einheit hat er ohne Zögern eröffnet.“

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Gorbatschows Leistungen bei deutscher Einheit gehuldigt

In den Reaktionen des Gedenkens an Gorbatschow wird besonders häufig sein Verdienst an der deutschen Einheit hervorgehoben. „Ohne Michail Gorbatschow wäre die deutsche Einheit in Freiheit nicht möglich gewesen“, schreibt CDU-Vorsitzender Friedrich Merz in seinem Tweet.

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Sein Parteikollege und CDU-Kanzlerkandidat der Bundestagwahl im vergangen Jahr, Armin Laschet, nannte Gorbatschow eine „Jahrhundertpersönlichkeit“. Auf die rhetorische Frage, ob ein Mensch die Welt verändern kann antwortet er: „Ja. Er kann. Keine Gewalt, keine Panzer, Abzug von 350.000 sowjetischen Soldaten aus Deutschland.“

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„Viele Menschen haben Michail Gorbatschow Gutes zu verdanken“

„Viele Menschen haben Michail Gorbatschow Gutes zu verdanken, gerade wir in Deutschland“, schrieb Bundesumweltminister Cem Özdemir. „Sein Tod bedrückt. In dieser Zeit noch mehr.“

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Auch FDP-Politiker Alexander Lambsdorff hob hervor, was Gorbatschow für Deutschland geleistet hat. „Ich bin sicher: Auch Ihre Landsleute werden mit einigem Abstand realisieren, dass Sie ein wahrer Staatsmann waren, ein Mann das Friedens.“

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Merkel: „Michail Gorbatschow hat auch mein Leben grundlegend verändert“

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den russischen Friedensnobelpreisträger und ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow als „einen einzigartigen Weltpolitiker“ gewürdigt. „Möge die Erinnerung an seine historische Leistung gerade in diesen schrecklichen Wochen und Monaten des Krieges Russlands gegen die Ukraine ein Innehalten möglich machen“, heißt es in einer Erklärung Merkels, die am Mittwoch auf ihrer Internetseite veröffentlicht wurde.

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Sie habe die Nachricht von Gorbatschows Tod mit großer Trauer vernommen, schrieb die Altkanzlerin weiter. „Gorbatschow hat Weltgeschichte geschrieben. Er hat vorgelebt, wie ein einzelner Staatsmann die Welt zum Guten verändern kann“, ergänzte sie. Ohne Gorbatschows Mut „zu Glasnost und Perestroika, also zu Offenheit und Umbau, wäre auch die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen“. Merkel schriebt: „Ich kann noch heute die Angst nachspüren, die ich zusammen mit vielen Menschen in der DDR 1989 hatte, ob wie 1953 wieder Panzer rollen würden, als wir ‚Wir sind das Volk‘ und später ‚Wir sind ein Volk‘ riefen. Doch dieses Mal - anders als 1953 - rollten keine Panzer, fielen keine Schüsse.“ Stattdessen habe Gorbatschow der greisen DDR-Führung den Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ vorgehalten.

„Möge die Erinnerung an seine historische Leistung gerade in diesen schrecklichen Wochen und Monaten des Krieges Russlands gegen die Ukraine ein Innehalten möglich machen.“

Altkanzlerin Angela Merkel

Gorbatschow habe sich 1989/1990 dem Ruf der Menschen nach Freiheit in der DDR nicht mehr entgegen gestellt. „Mehr noch, er ließ zu, dass ein wiedervereinigtes Deutschland Mitglied der Nato werden konnte.“ Für sie unvergessen seien die Bilder der Begegnung von ihm mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) im Kaukasus 1990, mit der die Einheit Deutschlands in Frieden und Freiheit zum Greifen nah wurde. „Michail Gorbatschow hat auch mein Leben grundlegend verändert. Ich werde das nie vergessen“, erklärte Merkel.

Stoltenberg: „Seine Vision einer besseren Welt bleibt ein Vorbild“

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat den verstorbenen russischen Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow als Friedensstifter und Vermittler gewürdigt. „Michail Gorbatschows historische Reformen haben zur Auflösung der Sowjetunion geführt, zum Ende des Kalten Krieges beigetragen und die Möglichkeit einer Partnerschaft zwischen Russland und der Nato eröffnet“, schrieb der frühere norwegische Regierungschef am Mittwoch bei Twitter. „Seine Vision einer besseren Welt bleibt ein Vorbild.“

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Der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow hat den verstorbenen ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow für dessen Bemühungen um Frieden gewürdigt. „Er hat sowohl dem Land als auch der Welt ein unglaubliches Geschenk gemacht: Er hat uns 30 Jahre Frieden geschenkt. Ohne die Gefahr eines weltweiten Atomkriegs“, schrieb der Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ am Mittwoch. Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, nach dem die Zeitung ihr Erscheinen in Russland einstellen musste, urteilte Muratow: „Das Geschenk ist vorbei. Es wird keine Geschenke mehr geben.“

„Michail Gorbatschow war ein Politiker und Staatsmann, der gewaltigen Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte ausgeübt hat.“

Russlands Staatschef Wladimir Putin

Gorbatschow sei sich seinerzeit sicher gewesen, dass Probleme der Weltordnung nicht durch Gewalt gelöst werden könnten. „Er ließ politische Gefangene frei. Stoppte den Krieg in Afghanistan und das nukleare Wettrüsten“, so Muratow. Der Ex-Staats- und Parteichef habe seine Frau mehr geliebt als seine Arbeit, die Menschenrechte über den Staat und den friedlichen Himmel über die eigene Macht gestellt.

Egon Krenz bezeichnet Gorbatschow als „Freund“ und nennt manche Beileidsbekundung „heuchlerisch“

Der ehemalige DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz hat Gorbatschow als „verlorenen Freund“ gewürdigt. Die Trauer vieler Menschen weltweit teile er, erklärte Krenz, der 1989 kurzzeitig an der Spitze der DDR stand. „Wir teilten viele Jahre die gleichen Überzeugungen.“ Krenz fügte hinzu, manche offizielle deutsche Beileidsbekundung finde er „etwas heuchlerisch“. Immerhin habe der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl 1986 Gorbatschow mit dem Nationalsozialisten Josef Goebbels verglichen. Er selbst, Krenz, habe hingegen seit 1986 familiäre Kontakte zu Gorbatschow gehabt.

„Ich behalte ihn als einstigen verlorenen Freund und schließlich als widersprüchliche Persönlichkeit in Erinnerung, der Gutes wollte, aber letztlich zur Zerstörung der Sowjetunion und zur deutschen Einheit hinter dem Rücken der DDR beitrug“, schrieb Krenz am Mittwoch in einer Erklärung an die Deutsche Presse-Agentur.

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Putin: Gorbatschow hat Lauf der Weltgeschichte beeinflusst

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat den am Dienstagabend verstorbenen ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow für dessen Reformanstrengungen und humanitären Einsatz gewürdigt. „Michail Gorbatschow war ein Politiker und Staatsmann, der gewaltigen Einfluss auf den Lauf der Weltgeschichte ausgeübt hat“, heißt es in dem am Mittwoch vom Kreml veröffentlichten, kurz gehaltenen Beileidstelegramm an die Angehörigen.

Gorbatschow habe das Land zu einer Zeit „dramatischer Veränderungen“ geführt und den großen Reformbedarf erkannt. Er habe versucht, seine Lösungen für das Problem anzubieten, schrieb Putin. Zudem ging der russische Präsident auf Gorbatschows Engagement nach dessen Amtszeit als Staats- und Parteichef ein: „Besonders betonen möchte ich die große humanitäre, wohltätige und aufklärerische Tätigkeit, die Michail Sergejewitsch Gorbatschow all die letzten Jahre ausübte“, heißt es in dem Schreiben. Der Friedensnobelpreisträger selbst, der 91 Jahre alt wurde, hatte zu Lebzeiten Putin mehrfach für die Einschränkungen von Freiheit und Demokratie in Russland kritisiert.

Der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion ist am 30. August nach langer Krankheit in einem Moskauer Krankenhaus gestorben. Die Nachricht wurde zunächst über russische Medien verbreitet.

RND/ch/scs/dpa

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