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“Mach’s gut, Hans-Jochen!”: So trauert die Politik um SPD-Urgestein Vogel

  • Der Tod des einstigen SPD-Parteichefs und Bundesministers ruft weit über die SPD hinaus Trauer hervor.
  • Spitzenpolitiker würdigen Vogel als standfesten und doch herzlichen Politiker.
  • Die FDP zieht allerdings mit einem Kondolenz-Tweet Ärger auf sich.
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Berlin. Der Tod von Hans-Jochen Vogel hat bundesweit Trauer hervorgerufen. Spitzenpolitiker würdigen den mit 94 Jahren gestorbenen ehemaligen Bundesminister und SPD-Parteichef als prinzipientreuen, empathischen und wegweisenden Politiker. Eine Übersicht:

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Vogel als “eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit. Sein Wirken war und ist Inspiration und Vorbild für viele Menschen in Deutschland”, ließ Merkel über eine Regierungssprecherin auf Twitter schreiben. Ihre Gedanken seien bei der Familie Vogels.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilte am Sonntagnachmittag mit: “Wir haben einen Mann verloren, der die deutsche Sozialdemokratie und die Politik unseres Landes maßgeblich geprägt hat. Hans-Jochen Vogel hat für Toleranz, Respekt und das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft gearbeitet und gekämpft. Seine Disziplin und Geradlinigkeit, sein Pflichtbewusstsein und sein christliches Menschenbild haben ihm über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt eingebracht.”

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Steinmeier bezeichnete den Tod Vogels auch als “persönlich großen Verlust”: “Das Gespräch mit ihm war immer ein Gewinn – bis zuletzt, als wir uns im Dezember letzten Jahres trafen.”

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) verwies in seinem Kondolenztelegramm auf die gestalterische Kraft Vogels: “Wir verlieren mit Hans-Jochen Vogel eine für unser Land prägende Persönlichkeit. Ich habe ihn als leidenschaftlichen Sozialdemokraten kennengelernt, der Politik stets aus tiefer Überzeugung und aus innerer Verpflichtung gestaltet hat.”

SPD-Parteichefin Saskia Esken hob auf Twitter das soziale Engagement ihres Vorgängers im Amt hervor: “Deutschland und die SPD haben Hans-Jochen Vogel viel zu verdanken. In seinem Leben hat er stets Partei für Menschen ergriffen und wie kaum einer für Verständnis und Fürsorge, Demokratie und Menschlichkeit gestritten. Wir trauern und verneigen uns vor diesem großen Sozialdemokraten.”

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14. September 1984: Der SPD-Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel während der Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag in Bonn am Rednerpult. Im Hintergrund auf der Regierungsbank Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l, FDP).  @ Quelle: Heinrich Sanden/dpa
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Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprach – ebenfalls auf Twitter – von einem traurigen Tag für die Sozialdemokratie und wurde persönlich: “Sein letzter Brief an mich ist wenige Wochen alt – mit Gedanken zu 30 Jahre Wiedervereinigung. Ich werde ihn vermissen als mahnenden Ratgeber, als solidarische Größe und als ganz feinen Mann. Mein Mitgefühl gilt seiner Frau Liselotte und der Familie. Mach’s gut, Hans-Jochen!”

Rolf Mützenich, Fraktionschef der SPD im Bundestag, dankte in seinem Kondolenzschreiben Vogel für dessen Rat – den der einstige Fraktionschef offenbar bis zuletzt den Genossen im Bundestag zuteil werden ließ: “Hans-Jochen Vogel mischte sich bis zum Schluss hinter der politischen Bühne ein. Die SPD-Bundestagsfraktion war sein wichtigster Adressat. Oft ungeduldig, aber mit einem Augenzwinkern begleitete er viele unserer aktuellen Themen und war uns in persönlichen Gesprächen, wie auch in Briefen ein guter und stets geistreicher Ratgeber.”

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Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hob auf Twitter den bis zuletzt spürbaren Einsatz Vogels hervor: “Seine fast wöchentlichen Briefe mit Gedanken waren ein wirkliches Highlight.”

Persönliche Erinnerungen gab auch Juso-Chef und SPD-Vize Kevin Kühnert in seinem Beileids-Tweet preis: “Als ich Hans-Jochen Vogel zum letzten Mal traf, da sollte ich ihn zum Spaß von meinem Opa grüßen, der als Vertreter der Berliner Taxiinnung 1981 bei ihm vorsprach. Hans-Jochen, zugewandt und Menschenfreund, erinnerte sich. Sogar an Details. Sein Tod macht mich sehr traurig.”

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte: “Hans-Jochen Vogel war schon zu Lebzeiten eine Legende und für viele von uns ein Vorbild.” Er habe in wichtigen öffentlichen Ämtern nach eigenem Selbstverständnis seinem Land gedient. “Politik war für Hans-Jochen Vogel Dienst an der Gemeinschaft und er ist dieser Aufgabe mit größter Hingabe, Disziplin und Genauigkeit sein ganzes Leben lang nachgekommen.”

CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte via Twitter Vogels versöhnlichen Stil: “Unser Land verliert einen großen und engagierten Sozialdemokraten. Die @cdu nimmt Abschied von Hans-Jochen Vogel – einer großen Persönlichkeit, die über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt wurde. Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau, seinem Bruder und den Angehörigen.”

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte über den Tod des langjährigen Münchner Oberbürgermeisters Vogel: “Der Tod von Dr. Hans-Jochen Vogel berührt mich sehr. Mit ihm verliert Deutschland eine herausragende Persönlichkeit. Über Parteigrenzen hinweg genoss er durch seine glaubwürdige Politik und authentische Art höchstes Ansehen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.”

FDP-Parteichef Christian Lindner verwies auf Twitter auf die sozialliberale Ader Vogels: “Er war ein echter Sozialdemokrat mit über jeden Zweifel erhabener Integrität. Die @fdp wird besonders sein progressives Wirken als Justizminister der sozialliberalen Koalition nicht vergessen.”

Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, erinnerten an die bewegte Biografie Vogels: “Aufgewachsen im Nationalsozialismus und am Krieg als Frontsoldat beteiligt, waren sein Denken und Handeln geprägt vom Kriegserlebnis und der Aufarbeitung des Terrorregimes der Nazis. Dieser Aufarbeitung fühlte er sich zeit seines Lebens verpflichtet.”

Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch äußerte tiefes Bedauern: “Mit Hans-Jochen Vogel ist ein sozialdemokratisches Urgestein von uns gegangen. Er hat das politische Geschehen der Bonner Republik ebenso mitgeprägt wie die Anfangszeit der Wiedervereinigung. Ein kluger, scharfer Geist. Die deutsche Sozialdemokratie verliert einen Großen.”

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nannte Vogel einen “großen Sozialdemokraten”, den er stets geschätzt habe: “Seine Initiative ‘Gegen das Vergessen – Für Demokratie’ war typisch für seine von Werten geprägte Haltung. Er wird fehlen.”

Außenminister Heiko Maas würdigte Vogel mit einem Zitat: “‘Es ist keine Schande, wenn man sich überzeugen lässt und das auch zugibt’, hat #HansJochenVogel mal gesagt. Dabei war bis zum Schluss er es, der viele überzeugte. Mit seinen klugen Ideen genauso wie mit seiner menschlichen Herzlichkeit. Er wird uns fehlen.”

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Empörung zog der parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Bundestag, Marco Buschmann, mit seinem Beileids-Tweet auf sich. Er schrieb: “Hans-Jochen Vogel war ein authentischer Sozialdemokrat, war nie abgehoben und lehnte viele Privilegien seiner verschiedenen Ämter ab. Anders als anderen Ex-SPD-Chefs wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, seinen Ruhestand zu versilbern” – eine Anspielung auf die beruflichen Engagements von Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. “Unanständig”, befand Kühnert. “Dein Tweet ist eine krasse Enttäuschung”, twitterte Klingbeil.

kor/RND


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