“Gerechtigkeit für Adama”: Warum der Tod von George Floyd Frankeich so bewegt

  • Die Familie eines 24-jährigen Schwarzen aus einem Vorort von Paris, der vor vier Jahren bei einer Festnahme gestorben ist, kämpft bis heute für eine lückenlose Aufklärung der Umstände.
  • Sie organisiert nun Demonstrationen gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt in Frankreich.
  • Es ist auch ein Echo auf die Proteste in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd.
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Paris. Es war ein Sommernachmittag im Juli 2016, als die Brüder Bagui und Adama Traoré in Beaumont-sur-Oise, 30 Kilometer nördlich von Paris, in eine Kontrolle durch Gendarmen gerieten. Während Bagui ruhig blieb, ergriff der 24-jährige Adama die Flucht. Er konnte entkommen, wurde aber wenig später bei einem Bekannten entdeckt, gefesselt und festgenommen.

Videoaufnahmen davon gibt es nicht, aber die Beamten sagten aus, zu dritt hätten sie Traoré in Bauchlage auf den Boden gedrückt. Wie der getötete US-Amerikaner George Floyd soll der junge Franzose gesagt haben, er bekomme keine Luft. Er stand noch aus eigener Kraft auf, um sich in den Polizeiwagen führen zu lassen, fiel auf dem Weg ins Präsidium in Ohnmacht und starb kurz darauf.

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Menschen nehmen Abschied von George Floyd
2:03 min
Trauernde vor der Kirche seiner Beisetzung und führende US-Politiker riefen zu einem Strukturwandel auf.  © Reuters
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In Beaumont-sur-Oise und Paris kam es zu Aufständen vor allem der schwarzen Bevölkerung; Traoré war einer von ihnen. Der Staatsanwalt sprach schnell von Vorerkrankungen, die dessen plötzlichen Tod verursacht hätten, erwähnte aber ein vom Gerichtsmediziner festgestelltes “Erstickungssyndrom” nicht. Die Familie gab eine Gegenuntersuchung in Auftrag, in der Spezialisten schlossen, mögliche Vorerkrankungen hätten nicht zu Traorés Tod geführt. Dessen Ursache ist trotz sechs Gutachten und Gegengutachten bis heute nicht geklärt.

Und bis heute kämpft die Schwester des Verstorbenen, Assa Traoré, mit dem gleichnamigen Unterstützungskomitee um “Wahrheit und Gerechtigkeit für Adama”. Im Anschluss an die weltweite Empörung über den brutalen Tod von George Floyd in Minneapolis organisierte sie Anfang Juni eine Demonstration, zu der trotz eines Verbots durch den Polizeipräfekten 20.000 Menschen vor das Gerichtstribunal in Paris kamen.

“Wenn man für George Floyd kämpft, kämpft man auch für Adama”, rief Assa Traoré ihnen zu. Wie Floyd in den USA wurde ihr Bruder in Frankreich zur Symbolfigur für rassistisch motivierte Polizeigewalt. Am nächsten Samstag soll erneut demonstriert werden. Der Vorwurf, die Beamten griffen nicht nur gegenüber Schwarzen regelmäßig zu exzessiver Härte, verschärfte sich während der Proteste der “Gelbwesten”-Widerstandsbewegung, wo es zu zahlreichen Zusammenstößen mit vielen Verletzten kam.

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Der Afroamerikaner George Floyd kommt bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben. Daraufhin erheben sich überall in den USA die Menschen und demonstrieren gegen Rassismus und Polizeigewalt - wie hier in New York, wo Tausende mit ihren Fahrrädern protestierten.  @ Quelle: imago images/ZUMA Wire

In den sozialen Netzwerken kursieren ständig neue Videos von brutalen Polizeieinsätzen oder von rassistischen Bemerkungen von Polizisten. 2019 stieg die Zahl der Beschwerden um 29 Prozent an. Im Januar schockierte der brutale Tod des Rollerfahrers Cédric Chouviat bei einer gewaltsamen Festnahme. Nachdem die Autopsie ergeben hat, dass Chouviat dabei unter anderem einen Kehlkopfbruch erlitt, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung.

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Abschied von George Floyd
1:40 min
Mit einem bewegenden Trauergottesdienst haben in Houston Angehörige, Freunde und Bürgerrechtler von dem getöteten Afroamerikaner George Floyd Abschied genommen.  © Reuters

Würgegrifftechnik wird in Frankreich künftig verboten

Hatten die Regierung und Innenminister Christophe Castaner bis jetzt stets die Sicherheitskräfte verteidigt, so ließ Castaner bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag neue Töne vernehmen – offenbar hatte ihn Präsident Emmanuel Macron dazu aufgefordert. “Eine Polizei- oder Gendarmenuniform zu tragen ist eine Ehre, der sich jeder würdig erweisen muss”, sagte Castaner. Zu viele hätten in dieser “republikanischen Pflicht” versagt. Die Würgegrifftechnik werde künftig verboten.

Am Dienstag besuchte Premierminister Édouard Philippe ein Polizeikommissariat in der Pariser Vorstadt Évry, wo er auf die Wichtigkeit eines Vertrauensverhältnisses zwischen Sicherheitskräften und Einwohnern hinwies. Um deren oft angespanntes Verhältnis geht es auch in dem mehrfach ausgezeichneten Film “Die Wütenden – Les Misérables”. Große Beachtung erhielt er nicht zuletzt durch seine Realitätsnähe.

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