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Schwarze in den USA: Erhöhte Lebensgefahr

  • Die Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis wirft ein Schlaglicht auf den Umgang Amerikas mit seinen schwarzen Bürgern.
  • Ausgrenzung und Benachteiligung sind bis heute amerikanischer Alltag.
  • Das zeigt auch ein genauerer Blick in die Statistik über die Opfer der Corona-Pandemie, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. George Floyd liegt im Sterben, als er der amerikanischen Öffentlichkeit einen letzten Dienst erweist. „I can’t breathe“, keucht der schwarze Mann, während ihm ein weißer Polizist sein Knie in den Nacken drückt, „Ich kann nicht atmen“. Es sind dieselben verzweifelten Worte, die auch Eric Garner vor sechs Jahren ausstieß, als er von Polizisten zu Boden gedrückt wurde. Der sterbende George Floyd zitiert den toten Eric Garner.

Floyds gleichlautende Klage ist der ähnlichen Situation geschuldet. Die wiederkehrende Wortwahl zeigt aber auch auf, dass tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze kein Einzelschicksal ist. George Floyd widerlegt die Mär vom rassistischen Einzelfall.

Floyds Tod und die Proteste in Minneapolis werfen ein Schlaglicht auf den Umgang des Landes und seiner Institutionen mit der afroamerikanischen Bevölkerung. Die USA haben ein Rassismusproblem, und das nicht erst seit Kurzem. Ausgrenzung, Ausbeutung und Unterdrückung Schwarzer sind ein Wesensmerkmal Amerikas. Sein Aufstieg zur wirtschaftlichen Großmacht wäre ohne Sklaverei und – nach deren offizieller Abschaffung – sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen so nicht möglich gewesen. Das in der US-Hymne beschworene „Land der Freien“ blieb aus Sicht vieler mehr Anspruch als Wirklichkeit, bis heute.

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Zwar zog die Bürgerrechtsbewegung gegen diskriminierende Gesetze zu Felde und war oft erfolgreich, etwa beim Recht auf Bildung, auf Wählen oder auch Eigentum. Doch selbst zwei Amtszeiten unter dem schwarzen Präsidenten Barack Obama haben nicht ausgereicht, um den Rassismus aus dem Alltag zu tilgen. Die systematische Benachteiligung von Menschen dunkler Hautfarbe zieht sich durch sämtliche Lebensbereiche: Stets belegen sie das traurige Ende von Statistiken. Ganz gleich, ob die vom Wohlstand im Land handeln, von Bildungsabschlüssen, Gefängnisbelegung - oder von Lebenserwartung.

Die Corona-Pandemie legt offen, wie ungleich Überlebenschancen in Amerika verteilt sind. Die USA haben die Marke von 100.000 Covid19-Toten überschritten. Von den 100.000 offiziellen Toten ist fast jeder vierte Afroamerikaner – bei einem Bevölkerungsanteil von 13 Prozent. Auch die Todesrate von Latinos ist überproportional hoch. Oft heißt es, das Virus sei ein großer Gleichmacher, es schlage ohne Rücksicht auf Privilegien zu. Doch das stimmt nicht. Zwar kann sich jeder mit dem Virus infizieren. Doch weiß und wohlhabend zu sein, steigert die Überlebenschancen.

Schwarz zu sein bedeutet in den USA hingegen, einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt zu sein. Diabetes, Bluthochdruck und Asthma sind unter Afroamerikanern weit verbreitet. Ein Körper mit diesen Vorerkrankungen geht geschwächt in den Kampf gegen das Virus. Zudem fehlt es oft an Gesundheitsschutz: Die Unterschicht hat nur beschränkten Zugang zum weitgehend privatisierten Gesundheitswesen. Und Vorsorge bleibt ihr oft verwehrt: Die Schwarzen in den Fleischfabriken und die Latinos auf dem Bau können ihre Arbeit nicht ins Homeoffice verlegen.

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Video
Polizeigewalt: Wütende Ausschreitungen in Minneapolis
1:17 min
Auslöser der Wut in Minneapolis war ein Video gewesen, das zeigt, wie ein Beamter bei der Festnahme minutenlang auf dem Hals von George Floyd kniet.  © Marina Kormbaki/Reuters

Lange hegten die Liberalen in den USA die Hoffnung, dass sich ethnische Ungerechtigkeiten angesichts des raschen demografischen Wandels fast von allein geben würden. Wenn Weiße nicht mehr in der Mehrheit sind, gehen Macht und Einfluss automatisch auch auf US-Bürger mit afroamerikanischen, Latino- oder asiatischen Wurzeln über. Eine bequeme Vorstellung, die sich unter US-Präsident Trump als naiv erweist.

Trump setzt Amerikanischsein mit Weißsein gleich. Er ist fest entschlossen, weiße Privilegien zu verteidigen, und seine Republikaner gehen den ethnonationalistischen Schwenk mit. Weil sich mit diesem Kurs im diversen Amerika schwer Wahlen gewinnen lassen, tricksen sie. Sie schneiden sich Wahlbezirke so zurecht, dass weiße Wähler in der Mehrheit sind. Sie verbieten Vorbestraften – sehr oft Schwarze – das Wählen.

Um die Wahlbeteiligung bei der Präsidentschaftswahl zu drücken, will Trump Briefwahlen verhindern, trotz Corona. Sein Kalkül ist, dass die Menschen aus Angst vor Ansteckung nicht zur Wahl gehen. Eine Angst, die in den von Corona verheerten Schwarzenvierteln real ist – und vom Präsidenten benutzt wird.

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Vor Trump war Amerikas Kampf gegen Rassismus hart. Mit Trump ist er härter.

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