Tod von Al-Bagdadi: Kurden feiern Operation mit den USA

  • Er galt als weltweit gefährlichster Dschihadist: Abu Bakr Al-Bagdadi, der Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
  • Nun ist er tot.
  • Neben US-Präsident Donald Trump bestätigen das auch die kurdisch dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF), die derzeit von der Türkei in Norsdyrien attackiert werden.
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Abu Bakr Al-Bagdadi war schon mehrfach für tot erklärt worden, doch diesmal bestätigten sein Ableben außer dem US-Präsidenten auch die bis vor Kurzem mit den USA gegen den IS verbündeten kurdisch dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF), die derzeit von der Türkei in Nordsyrien attackiert werden. Nachdem US-Medien die Operation gemeldet hatten, begrüßte der SDF-Kommandeur Maslum Abdi am Sonntagvormittag auf Twitter den „gelungenen historischen Einsatz“, der auf eine „gemeinsame Geheimdienst-Arbeit“ der SDF mit den USA zurückgehe. „Die Kooperation bei der Beobachtung und Erfassung von IS-Führern ist enorm, und es wird bald weitere effektive Operationen geben.“

Die Zusammenarbeit mit den SDF wurde in Washington weder dementiert noch bestätigt. Laut dem Wall Street Journal wurde die genaue Position Al-Bagdadis vom irakischen Geheimdienst ermittelt und an die Amerikaner weitergegeben.

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Der führende SDF-Berater Can Polat twitterte, dass Bagdadi sich im 3000-Seelen-Dorf Barischa in der syrischen Provinz Idlib, nur fünf Kilometer von der türkischen Grenze, versteckt habe. Fünf Monate lang sei der Zugriff gemeinsam mit den USA vorbereitet worden, „bis wir eine gemeinsame Operation zur Tötung von al-Bagdadi erreicht haben“.

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Trump verkündet Tod von IS-Anführer al-Bagdadi
1:29 min
Der Anführer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat Abu Bakr al-Bagdadi, ist tot.  © Frank Nordhausen/AFP

Die Kurdenmiliz YPG hatte bereits im März erklärt, dass es Bagdadi während der heftigen Kämpfe in Ostsyrien gelungen sei, aus der Provinz Deir as-Sour nach Idlib zu entkommen. Nach kurdischen Angaben befindet sich im Dorf Barischa das Hauptquartier der islamistischen Miliz Huras al-Din, einer Ausgründung des Al-Kaida-Ablegers Hayet Tahrir al-Sham, die in Idlib das Sagen hat. Die Rebellenmilizen in Idlib stehen unter dem Schutz der Türkei, die dort 12 Beobachtungsposten unterhält, unter anderem einen Posten nahe Barischa.

Seit Jahren wurde über den Aufenthaltsort al-Bagdadis gerätselt, auf dessen Kopf die USA eine Prämie von 25 Millionen Dollar (22,5 Millionen Euro) ausgesetzt hatten. Äußerst selten wandte sich der 48-Jährige in Audio- und Videobotschaften an seine Anhänger - sein Aufnahmeort blieb geheim. Soweit bekannt, trat er nur einmal in der Öffentlichkeit auf: Anfang Juli 2014, als er von der Kanzel der Al-Nuri-Moschee im nordirakischen Mossul aus ein „Kalifat“ in Syrien und dem Irak ausrief und den Gehorsam aller Muslime einforderte.

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Auch nach dem Fall des IS-Kalifats im März dieses Jahres rief al-Bagdadi seine Anhänger zur Fortsetzung des dschihadistischen Kampfes auf. Seit der türkischen Invasion im kurdisch geprägten Nordsyrien am 9. Oktober steigen die Befürchtungen, dass es zu einer Rückkehr des IS kommen könne, da nach US-Angaben bereits mindestens hundert gesuchte IS-Kämpfer aus kurdischen Gefängnissen entkommen konnten.

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Die behauptete neuerliche Zusammenarbeit der USA und ihres früheren Verbündeten SDF wirft erneut Fragen darüber auf, warum US-Präsident Trump Anfang Oktober den Rückzug der US-Truppen aus dem kurdisch kontrollierten Nordsyrien erklärte und der Türkei damit grünes Licht für den Angriff auf das SDF-Gebiet erteilte.

Offenbar herrschte im Pentagon vor dem Einsatz gegen al-Bagdadi ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Nato-Partner Türkei, der mit dschihadistischen Milizen in Syrien kooperiert. Wie das Wall Street Journal berichtete, wurde Ankara erst zwei Tage vorher von dem geplanten Einsatz unterrichtet. Die US-Spezialkräfte kamen nach Angaben von Militärexperten zudem nicht von der Nato-Basis im türkischen Incirlik, sondern aus dem nordirakischen Erbil und der westirakischen Al-Asad-Luftwaffenbasis.

mit dpa