Tigray-Konflikt: Video zeigt offenbar militärische Wende

  • Ein Video, das aus Tigray geschmuggelt wurde, zeigt offenbar eine militärische Wende in der Region.
  • Zu sehen sind Tausende Regierungssoldaten in Kriegsgefangenschaft und lange Reihen vor Rekrutierungsstellen der Rebellen.
  • Mitglieder der von Ministerpräsident Abiy Ahmed bekämpften Regionalregierung zeigen sich in der Öffentlichkeit.
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Mekele. Seltene Videoaufnahmen aus der von Krieg und Gewalt erschütterten äthiopischen Region Tigray scheinen eine militärische Wende zu zeigen. Zu sehen sind Bilder in der nach sechs Monaten von Rebellen zurück eroberten Regionalhauptstadt Mekele - Mitglieder der zu Beginn des Krieges abgetauchten Regionalregierung, jubelnde Zivilisten, Tausende gefangene Regierungssoldaten.

Äthiopische und eritreische Truppen waren im Juni aus Mekele abgezogen. Die Nachrichtenagentur AP erlangte den Film, der aus der abgeriegelten Region geschmuggelt wurde. Dieser zeigt nun lange Schlangen von Menschen vor Rekrutierungsstellen in der Stadt, die sich zum bewaffneten Kampf gegen die Zentralregierung in Addis Abeba melden wollen.

„Ich bin gekommen, weil ich gesehen habe, wie Mädchen wie ich vergewaltigt wurden“, sagt in einer Sequenz die 16-jährige Meron Mezgeb. Sie habe schon zu Beginn des Krieges kämpfen wollen, „aber mir wurde gesagt, ich sei zu jung. Aber weil ich meine Kameraden kommen sah, bin ich hergekommen, um mit ihnen zu kämpfen.“

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Kriegsgefangene sind zu sehen, die in langen Reihen an jubelnden Einwohnern vorbei in ein Gefängnis ziehen. Mitglieder der von Ministerpräsident Abiy Ahmed bekämpften Regionalregierung zeigen sich in der Öffentlichkeit. Einen Waffenstillstand nach dem Abzug äthiopischer und Eritreischer Soldaten aus Mekele haben sie abgelehnt, sie sagen, sie wollten alle Feinde aus Tigray vertreiben. Das würde Kämpfe gegen Kräfte der benachbarten Region Amhara bedeuten, die im Westen und Süden Tigrays große Gebiete besetzten.

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Tigray ist von der Außenwelt abgeschnitten

In einem Interview sagt der Präsident Tigray, Debretsion Gebremichael, sogar: „Der Kampf wird nicht einfach auf die Grenzen Tigrays limitiert sein. Wir müssen eine Garantie haben, dass sie nicht wiederkommen werden.“ Seine Truppen kontrollieren wieder große Teile Tigrays, die Region ist aber immer noch weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Verkehrswege und Versorgungslinien sind ebenso blockiert wie Kommunikationssysteme.

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Nach Monaten der Zerstörung und Plünderungen, für die Einwohner Tigrays äthiopische Truppen und ihre Verbündeten verantwortlich machen, sind die Vereinten Nationen über das Schicksal von Millionen von Zivilisten besorgt, die unter Lebensmittelmangel leiden. Eine Hungersnot wird befürchtet.

Abiy hat zwar UN-Generalsekretär António Guterres vor Tagen zugesagt, dass Tigray für „sofortige“ Hilfe offen sei. Am Montag teilte das Welternährunsprogramm der Vereinten Nationen mit, 50 Lastwagen mit dringend benötigten Hilfsgütern hätten Mekele erreicht - zwei Wochen nach dem vorigen Konvoi. „Die doppelte Zahl Lastwagen muss jeden Tag kommen, um die enormen humanitären Bedürfnisse in der Region zu befriedigen“, erklärte das WFP.

Schlechte Lage für Kriegsgefangene

Die Lage der Kriegsgefangenen ist schlecht, wie einige von ihnen berichten. Menor Arrarso sagte: „Sie können nur etwas für uns tun, wenn sie erstmal etwas für sich selbst haben.“ Es gebe nichts zu essen, keine Kleidung. Er habe zwei oder drei Kameraden sterben sehen, die hätten gerettet werden können, wenn es eine Behandlung gegeben hätte.

Nach Angaben von Tigrays Präsident Debretsion Gebremichael wurden mehr als 6000 äthiopische Soldaten gefangen genommen. Man sei entschlossen, sie gut zu behandeln und nach einer Weile freizulassen. Kriegsverbrecher aber würden vor Gericht gestellt.

RND/AP

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