Tierwohl: Evangelische Kirche fordert Wandel in Agrarwirtschaft

  • Die Evangelische Kirche setzt sich für das Tierwohl ein und fordert einen Wandel in Agrarwirtschaft und Handelspolitik.
  • Von einer grundsätzlich notwendigen Ernährungswende ist in einem Schriftstück die Rede.
  • Klare Forderungen werden dabei auch an die Politik gerichtet.
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Berlin. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fordert einen grundsätzlichen Wandel in der Agrarwirtschaft und Handelspolitik zum Schutz des Tierwohls. In einem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Impulspapier dringen die Autoren auf eine Ernährungswende, mehr Nachhaltigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion und mehr Einsatz für das Tierwohl. Die Frage des rechten Maßes im Fleischkonsum sei zu einer Schlüsselfrage sowohl der Weltgesundheit als auch der ökologischen Tragfähigkeit der Erde geworden, heißt es in dem EKD-Text.

Die Ernährungswende mit einem Rückgang des weltweiten Fleischkonsums stehe einem "zivilisatorischen Umlernprozess" in nichts nach, der dem Prozess der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft - also der Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft - gleiche, schreibt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort. Gegenwärtig werde weltweit wie auf nationaler Ebene viel zu viel und viel zu billiges Fleisch unter geringen Tierwohlstandards produziert, erklären die Autoren. Sie fordern daher unter anderem eine Anpassung der EU-Handelspolitik im Hinblick auf Fleischexporte und Futtermittelimporte.

Marktmacht der Abnehmer verstärkt Preisverfall

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Außerdem empfehlen sie der Politik, etwas gegen die Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu unternehmen. Die große Marktmacht der Abnehmer verstärke den Preisverfall für tierische Produkte. Wirtschaftlicher Spielraum für mehr Tierwohl bleibe nicht, und die Erzeuger erhielten keine fairen Preise. Die Autoren schlagen auch ein staatliches Tierwohl-Monitoring vor.

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Es sei an der Zeit, eine "verdinglichende und mechanistische Sicht" auf das Mensch-Tier-Verhältnis hinter sich zu lassen, schreiben die Autoren. Das gelte auch für den landwirtschaftlichen Umgang mit Nutztieren. Ein Tier dürfe nicht ausschließlich unter seinem wirtschaftlichen Verwertungszweck als Verfügungsmasse für menschlichen Konsum und Handel gesehen werden. "Als Mitgeschöpfe haben Tiere ihre eigene Schönheit, Würde und Lebenssinn", heißt es in dem Text der EKD-Kammer für nachhaltige Entwicklung, der im Mai vom Rat der EKD verabschiedet wurde. Fragen des Tierwohls und der Tierethik seien von hoher Bedeutung für die Kirche, da es um Grundfragen des Verhältnisses von Mensch und Tier gehe.

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RND/epd