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Wahl-Sonntag: Wie entsteht die 18-Uhr-Prognose?

  • Wenn am Sonntag um 18 Uhr die Prognose für die Landtagswahl in Thüringen auf den Fernsehern erscheint, könnte der Wahlsieger bereits feststehen.
  • Dabei ist zu dem Zeitpunkt noch keine Stimme ausgewertet.
  • Dass die Prognosen dennoch häufig sehr präzise sind, liegt an einer komplexen Methodik der Wahlforscher.
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Berlin. Der wohl spannendste Moment jeder Wahl ist die Prognose um 18 Uhr. Wenn dann zum ersten Mal die Balken in die Höhe steigen (oder auch nicht), ist möglicherweise bereits klar, wer mit wem eine Koalition bilden könnte. Dabei ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine Stimme ausgezählt. Wie kann es dann sein, dass die Prognose häufig nur minimal vom Endergebnis abweicht? Ein Blick hinter die Kulissen der Demoskopie.

Wie werden beim Wahl-Sonntag die Daten ermittelt?

Wahlforscher der verschiedenen Institute fragen die Bürger in repräsentativ ausgewählten Wahllokalen im Anschluss an die Stimmabgabe schriftlich nach ihrem Wahlverhalten.

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Wie viele Wähler werden insgesamt befragt?

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Abhängig von der Zahl der Wahlberechtigten variiert die Zahl der Umfrageteilnehmer zwischen 15.000 und 100.000. Für die anstehende Wahl in Thüringen erwartet Infratest Dimap beispielsweise rund 22.500 ausgefüllte Umfragebögen.

Welche Fragen werden gestellt?

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Neben der Frage, welcher Partei die Wähler ihre Stimme gegeben haben, sollen die Bürger auch verschiedene Dinge zu ihrer Person angeben. Dazu gehören unter anderem Alter, Geschlecht, Bildungsgrad, Familienstand und der Beruf. Zudem fragen die Meinungsforscher, welche Partei die Menschen bei der vorangegangenen Wahl auf gleicher Ebene gewählt haben (Bundestags-, Landtags- oder Kommunalwahl). Auch Einschätzungen zu einzelnen Parteien und Themen werden ermittelt.

Wie wird die Wählerwanderung ermittelt?

Die Analyse der Wählerwanderung gehört zu den komplexeren Berechnungen im Rahmen der Wahlanalyse. Kernaspekt sind dabei die Angaben am Wahltag. Eine Rolle dabei spielen aber auch weitergehende Erhebungen. Dazu gehören die WahlbeteiIigung sowie Orts- und allgemeine Bevölkerungsstatistiken. So wird beispielsweise berücksichtigt, wie viele Erstwähler es gibt und wie viele Menschen in das Wahlgebiet gezogen oder dieses verlassen haben. Zudem fließen auch Angaben aus Vorwahlbefragungen und allgemeine Erfahrungen bezüglich der Parteienbindungen in die Ergebnisse ein.

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Wie werden die Wahllokale ausgewählt?

Die Umfragen sollen ein repräsentatives Bild Deutschlands ergeben. Daher sind die Wahlforscher sowohl in Großstädten als auch auf dem Land unterwegs. Zudem erfragen sie das Wahlverhalten in den unterschiedlichen Milieus. Vom Villenviertel über klassische Mittelschichts-Bezirke bis zu sozialen Brennpunkten ist alles dabei.

Welche Besonderheiten gibt es beim Wahl-Sonntag?

Die Rohdaten ergeben noch kein repräsentatives Bild. Diese werden von den Demoskopen anschließend durch komplexe Rechensysteme gewichtet. Außerdem müssen die Forscher berücksichtigen, dass einige Wähler erfahrungsgemäß bei den Umfragen falsche Angaben machen. Hinzu kommt ein milieu- und altersspezifisches Wahlverhalten. Ältere Wähler geben beispielsweise ihre Stimme eher vormittags ab, während Grünen-Wähler überwiegend am Nachmittag in die Wahllokale gehen.

Wann ist die Prognose fertig?

Die in den Wahllokalen erhobenen Daten werden mehrmals am Tag an die Häuser der Institute weitergegeben. In die 18-Uhr-Prognose fließen alle Daten bis etwa 17.30 Uhr ein. Alle weiteren Angaben fließen in die erste Hochrechnung nach 18 Uhr ein.

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Wer wird wann im Vorfeld informiert?

Sobald die Prognose fertig ist, geben die Meinungsforschungsinstitute diese an ihre Auftraggeber weiter. Diese sind in der Regel öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender. Institutsmitarbeitern ist es untersagt, Politikern oder anderen externen Personen die Daten weiterzugeben.

Was ist der Unterschied zur Hochrechnung?

Nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr beginnt die Auszählung. In kleineren Wahlkreisen liegen in der Regel nach wenigen Minuten die Ergebnisse bereits vor. Diese werden dann mit den Aussagen aus den Prognoseumfragen und den Wahlergebnissen bei früheren Wahlen verglichen. Anschließend leiten die Demoskopen davon eine Tendenz für die aktuelle Wahl ab. So schaffen es die Institute, bereits um 18.15 Uhr eine Hochrechnung präsentieren zu können. Je mehr Wahlkreise im Laufe des Abends ausgezählt sind, desto genauer wird die Hochrechnung.