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Nach Bränden rechter Szenetreffs: Thüringer Behörden befürchten Spirale der Gewalt

Das ehemalige „Rittergut“ in Guthmannshausen ist der Sitz des rechtsextremen Vereins Gedächtnisstätte e. V. Am Freitag brannte der Dachstuhl des Gebäudes.

Das ehemalige „Rittergut“ in Guthmannshausen ist der Sitz des rechtsextremen Vereins Gedächtnisstätte e. V. Am Freitag brannte der Dachstuhl des Gebäudes.

Guthmannshausen/Erfurt. Nach dem Brand eines rechtsextremen Szeneobjekts im thüringischen Guthmannshausen befürchten Sicherheitsdienste und Politiker weitere Anschläge und mögliche Racheakte.

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Am Freitagabend brannte der Dachstuhl des ehemaligen „Ritterguts“ in Guthmannshausen, Sitz des Vereins Gedächtnisstätte e. V. Die Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht, der Schaden könnte die Millionengrenze überschreiten.

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Am Mittwoch protestierten in Berlin Tausende Menschen gegen das Infektionsschutzgesetz. Unter den Protestierenden war der AfD-Bundestagsabgeordnete Müller.

In Guthmannshausen treffen sich Rechtsextreme und Neonazis aller Couleur, von Kameradschaften über die NPD und deren Liedermacher Frank Rennicke bis zum „Volkslehrer“ Nikolai Nerling. Der Verein wurde von der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel gegründet. Auf dem Gelände stehen Stelen zur Erinnerung an die deutschen Toten des Zweiten Weltkriegs – sie wurden mit Bitumen beschmiert.

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Nerling kommentierte den Brand und die Löscharbeiten live auf den sozialen Netzwerken – und verdächtigte Linksextreme, den Brand gelegt zu haben. Am Sonntag besuchte auch der frühere NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt den Brandort, sprach vom „achten Anschlag in Thüringen“ binnen weniger Tage und rief Kameraden zur „Objektsicherung“ auf, „denn sonst tut das offensichtlich niemand“.

Der Thüringer Neonazi Tommy Frenck rief auf Facebook kaum verklausuliert zur Selbstjustiz auf. Der militante Rechtsextreme Thorsten Heise drehte bereits vor zwei Wochen ein Video vor einem alternativen Zentrum in Göttingen. „Sucht den Dialog mit der lokalen Antifa“, sagte er an die Gesinnungsgenossen gerichtet – und an die Adresse der Polizei: „Macht euren Job, sonst machen wir ihn.“

Racheakte von rechts befürchtet

Auch die Polizei geht von Brandstiftung aus. In Sicherheitskreisen ist zu erfahren, dass die Behörden auswärtige linksextreme Kommandos hinter dem Anschlag vermuten. Diese könnten aus Leipzig oder Berlin angereist sein und von örtlichen Gesinnungsgenossen unterstützt worden sein. Allerdings wird nicht komplett ausgeschlossen, dass die Aktion von Rechtsextremen ausging, die den Brand den Linken in die Schuhe schieben wollten.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Wir müssen damit rechnen, dass es nun Racheakte von rechts gibt. Damit droht eine Spirale der Gewalt.“ Er fügte hinzu: „Gewalt kann niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Wir werden deshalb alles tun, um der Täter habhaft zu werden.“

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Die Thüringer CDU sieht die Gefahr einer „Eskalation der politischen Gewalt“, die AfD-Fraktion im Landtag forderte am Wochenende „rückhaltlose Aufklärung“ des „hinterhältigen Verbrechens“. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Franziska Gminder kündigte an, für den Wiederaufbau von Guthmannshausen zu spenden.

Vor wenigen Tagen erst war eine Gaststätte in Sonneberg niedergebrannt, die laut Verfassungsschutzbericht für rechtsextreme Konzerte und Partys genutzt worden war.

Auch die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) warnt vor möglichen Racheaktionen durch Neonazis. „Bundesweit kursieren bereits Aufrufe zu Angriffen auf Linke“, sagte sie dem RND. „Es gibt eine konkrete Gefährdungssituation für Antifaschistinnen und Antifaschisten vor allem in Ostdeutschland.“ König-Preuss hält zeitnahe Angriffe auf Objekte der linken Szene und auch auf Personen für wahrscheinlich. Es bestehe zum einen die Gefahr spontaner Übergriffe durch Neonazis.

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„Es besteht aber auch die Gefahr geplanter Angriffe auf Personen, die Neonazis für verantwortlich für die Brände halten.“ In den sozialen Medien kursieren schon Mordaufrufe als Reaktion auf die Brandanschläge. „In Chats und Facebook-Kommentaren wird bereits davon gesprochen, dass nur tote Antifas gute Antifas seien“, sagte König-Preuss. Linken-Politikerinnen, darunter auch sie selbst, würden dort gezielt markiert und zu Verantwortlichen für die Brände erklärt.

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