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Aktion in Thüringen: Scholz wirbt selbstironisch für Bratwurst als Impfanreiz

  • In vielen Ländern der Welt werden materielle Anreize geschaffen, um von der Impfung gegen das Coronavirus zu überzeugen.
  • In Thüringen gab es am Freitag im Kreis Sonneberg eine Bratwurst zu jeder Impfung dazu.
  • Olaf Scholz warb ebenfalls für Bratwürste als Impfanreiz – und gab sich selbstironisch.
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Berlin. Guthaben für Kultur- und Freizeitangebote in Griechenland, vergünstigte Produkte in China, Impflotterien oder sogar Joints für den Pieks in den USA – um Anreize für die Corona-Impfung zu setzen, ist weltweit die Kreativität der Regierenden gefragt.

In Deutschland steht dabei ein Nationalgericht hoch im Kurs. Die Bratwurst. Vor allem die Thüringer Variante erfreut sich breiter Beliebtheit. Da überrascht es nicht, dass am Freitag eine Impfaktion im thüringischen Landkreis Sonneberg besonderen Erfolg hatte: Dort gab es zu jeder Impfung eine Bratwurst kostenlos dazu. Bis zum Nachmittag kamen so 250 Menschen, um sich impfen zu lassen. Beim Kurznachrichtendienst Twitter wurde die Aktion am Wochenende breit diskutiert.

„Lebensnahe Angebote”

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Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz schrieb am Sonntag unter dem Hashtag #Bratwurst: „Wir müssen die Impfung jetzt an die Leute bringen und so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich davon überzeugen, sich impfen zu lassen. Lebensnahe Angebote gehören dazu.” Dazu teilte er ein Foto, das ihn verschmitzt grinsend und mit Bratwurst und Brötchen in der Hand zeigt.

Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) schrieb am Samstag ebenfalls bei Twitter zu dem Thema: „Thüringen eben ;-)) Bravo!”

Der erste parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, erklärte in einem Tweet den Erfolg der Aktion: „Servicetweet: In #Thueringen wird am 31.12. abgegrillt und am 1. Januar angegrillt. Es geht bei uns immer um die #Bratwurst und die gute Sache“, schrieb Schneider. Dazu setzte er noch den Hashtag #ImpfenRettetLeben.

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Einige Nutzerinnen und Nutzer äußerten unter anderem bei Twitter auch Unverständnis darüber, dass sich Menschen mithilfe eines Snacks überzeugen ließen, sich impfen zu lassen. Der Karikaturist Kostas Koufogiorgos dachte jedoch einen Schritt weiter – nämlich wohin solche Anreize zum Impfen führen könnten.

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Die große Mehrheit der Twitter-Nutzer jedoch freute sich besonders darüber, dass gerade die Deutschen auf die Idee gekommen sind, Gratisbratwürste zur Impfung zu verteilen.

Ein Nutzer weist auf den praktischen Nutzen der Aktion hin: „Klar ist es am besten, wenn sich alle sofort und aus Gründen der Vernunft impfen lassen. Aber so ist die Welt nunmal leider nicht. Da ist es mir doch Wurst (!), warum sich jemand impfen lässt,...“

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Viele Nutzende interessierte auch, wie das besondere Angebot in Thüringen im Ausland aufgenommen wird. Eine Nutzerin verwies auf das Angebot in Israel, das viel diverser sei. Dort gebe es etwa in arabischen Vierteln Hummus zur Impfung, Tscholent für Orthodoxe und Eiscreme für Kinder.

Andere mutmaßten etwa, wie Impfskeptiker und Verschwörungsideologen auf das Angebot reagieren würden. Der frühere Vegankoch und Verschwörungsideologe Attila Hildmann würde von dem Angebot aus Thüringen gleich doppelt getroffen, schreibt ein weiterer Nutzer auf Twitter.

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Dass es erst jetzt Anreize und Prämien für die Impfung gibt, ruft eine ganz neue Form von Impfneid unter manchen Nutzerinnen und Nutzern hervor. Die Priorisierung, die in den ersten Monaten der Impfkampagne gültig war, werde nun zum Nachteil für die, die sich schon früh impfen konnten, witzelt ein User.

Wieder andere stellten den wohl wichtigsten Zweck einer schnellen und umfassenden Impfkampagne heraus – nicht ohne Humor. Am Ende geht es um die Herdenimmunität, die nur erreicht werden kann, wenn genug Menschen bereits sind, sich impfen zu lassen – egal, aus welchem Anreiz. Ein Nutzer fasst dies lyrisch zusammen:

Die Impfaktion aus Sonneberg zeigt, dass sich einige Menschen schon mit kleinen Freuden von der Immunisierung überzeugen lassen können. In Zukunft wird es wohl mehr solcher Aktionen geben, um der Impfmüdigkeit entgegenzuwirken.

RND/dpa/sic

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