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Wie ein junger CSU-Mann mit populistischen Tönen gegen einen „Linksdrift“ kämpfen will

  • Ein Video der Unions-nahen Kampagnen-Agentur „The Republic“ zeichnet ein apokalyptisches Bild von Deutschland.
  • Mit krawallig-populistischen Tönen will das Unternehmen eines jungen CSU-Mannes einen vermeintlichen „Linksdrift“ in Deutschland stoppen.
  • Kritiker werfen ihm vor, Narrative von Pegida und AfD zu bedienen.
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Berlin. Jung, konservativ und auf Krawall gebürstet: Eine neue Kampagnenagentur aus dem Umfeld von CDU und CSU will einen „politischen Linksdrift in Deutschland“ stoppen und die „Kampagnenfähigkeit der liberal-konservativen Kräfte“ steigern – mit 200.000 Euro Startkapital und prominenter Unterstützung aus der Union. Kritiker werfen der Agentur „The Republic“ des ehemaligen CSU-Mitarbeiters Armin Petschner-Multari jedoch vor, sich in Inhalt und Stil der Methoden rechtspopulistischer und neu-rechter Organisationen zu bedienen.

Achtung Apokalypse

Den ersten öffentlichkeitswirksamen Aufschlag machte die Agentur am Donnerstag mit einem kurzen Video. In 2:19 Minuten werden zu actionfilm-reifer Musik Nachrichtenschnipsel aneinandergereiht, die das apokalyptisch anmutende Bild eines Deutschlands zeichnen, in dem Linkextreme die Bevölkerung terrorisieren, Migranten Frauen belästigen und Hausbesitzern die Enteignung droht – vermeintlich goutiert von Politikerinnen und Politikern von Grünen, Linken und SPD.

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Auf der Webseite der Agentur werden Kampagnen gegen „Genderwahnsinn“ und für eine Reform und Verschlankung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angekündigt. Den Öffentlich-Rechtlichen wirft „The Republic“ „moralisierenden Haltungsjournalismus“ vor. Auch gegen mit staatlichen Geldern geförderte Nichtregierungsorganisationen richtet sich eine Kampagne. „Radikalen Krawallmachern den Geldhahn zudrehen“, fordert die Agentur.

Angriff auf Stiftungsgründerin

Als Krawallmacherin wird dort vor allem die Gründerin der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane, bezeichnet. Die Stiftung arbeitet gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Kahane ist immer wieder das Ziel vor allem rechtsextremer Anfeindungen. Auf Twitter warf die Stiftung der Kampagnenagentur nun vor, sie bediene „dieselben Narrative, die Pegida, AfD und Querdenken in den letzten Jahren geformt haben“. Die Rhetorik der Webseite sei „demokratieschädigend und gefährlich“ und greife die engagierte Zivilgesellschaft an.

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Petschner-Multari teilte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit, die Kampagne richte sich weder gegen Kahane direkt noch gegen ihre Stiftung. Es gehe darum, dass „Steuermittel in größerem Umfang indirekt in linksextreme Projekte und Antifa-Gruppen“ flössen.

In Artikeln auf der Seite werden die Grünen oder eine angebliche linke „Cancel Culture“ angegriffen. In einem weiteren Text heißt es, die Erneuerung der CDU müsse nicht „jung, weiblich und divers“ sein. Auch Kritikern des jüngsten Großen Zapfenstreichs der Bundeswehr vor dem Berliner Reichstagsgebäude ist ein nicht namentlich gezeichneter Artikel gewidmet.

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Neben deutlicher Kritik an Bundeswehr-Kritikern beklagte der Text zunächst auch ein fehlendes Gedenken an die Soldaten der Wehrmacht. Die „Großvätergeneration“ sei verraten und als Verbrechergeneration verunglimpft worden, hieß es. Nach öffentlicher Kritik wurde diese Passage jedoch kommentarlos gelöscht.

Vom Rezo-Gegenstück zum Unternehmensgründer

Gründer, alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der Firma hinter der Kampagnenagentur ist der 32-jährige Armin Petschner-Multari, ein ehemaliger Kommunikationsreferent der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Bekannt wurde Petschner-Multari 2019 durch den Kanal „CSYou“ der Partei auf der Videoplattform Youtube. Mit blondierten Haaren verkörperte er dort die viel belächelte Antwort seiner Partei auf den Unions-kritischen Youtuber Rezo.

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Im März dieses Jahres gründete Petschner-Multari dann die The Republic GmbH. 200.000 Euro Startkapital hat das Unternehmen eingesammelt, wie Petschner-Multari dem RND mitteilte. „Unsere Unterstützer sind größtenteils mittelständische Unternehmer, die uns mit kleineren Summern unterstützen – viele übrigens mit FDP-Parteibuch“, erklärte er. Das Unternehmen habe drei Vollzeit- und vier Teilzeitmitarbeiter, rund zehn Ehrenamtliche und Hunderte Unterstützer.

Auch auf Unterstützung aus der Union kann Petschner-Multari zählen: Der parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, begrüßte das Projekt und erklärte, es gerne unterstützen zu wollen.

Friedrich Merz (CDU) wünscht „The Republic“ „im Sinne der Meinungsvielfalt in Deutschland viel Erfolg“, wie er dem „Handelsblatt“ sagte. Auch aus der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) war Unterstützung zu vernehmen. Mehrere Unionspolitikerinnen und -politiker, die zunächst als Unterstützer der Kampagnenagentur und Teilnehmer von Fundraisingtreffen bezeichnet wurden, dementierten das jedoch.

In der Union regt sich bereits öffentliche Kritik an der Agentur. So schrieb der Essener CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer auf Twitter: „Was sich ‚dem politischen Linksdrift‘ entgegenstellt, das sind CDU und CSU, aber keine kommerzielle Kampagnenagentur mit (ganz konservativ) englischem Namen.“

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