• Startseite
  • Politik
  • Tesla-Chef Elon Musk in Berlin: Ein Phantom auf Deutschland-Besuch

Musk-Mania in Berlin: Ein Phantom auf Deutschland-Besuch

  • Kaum ein Unternehmer elektrisiert die Öffentlichkeit derzeit mehr als Tesla-Gründer Elon Musk.
  • Entsprechend groß war die Aufregung um einen kurzfristigen Deutschland-Besuch des 49-Jährigen.
  • Die Geheimniskrämerei um die Visite des Milliardärs verstärkte den Hype zusätzlich. Doch was wollte Musk denn nun bei uns?
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Nur wenige Menschen aus der Welt der Wirtschaft vermögen es, schon durch ihre bloße Anwesenheit einen Hype auszulösen. Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs war eine solche Persönlichkeit, Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eine ähnliche Wirkung. Und dann ist da noch Elon Musk. Der US-kanadische Unternehmer mit den südafrikanischen Wurzeln beflügelt die Fantasien von Politikern, Investoren und Tech-Fans. Wo er auftaucht, ist Aufregung garantiert.

Entsprechend groß war das Interesse an der Deutschland-Reise des 49-Jährigen. Und die Geheimniskrämerei, die der Milliardär selbst um seinen Besuch machte, verstärkte den Hype zusätzlich.

Klar war lange einzig, dass Musk kommen würde. Bereits am Wochenende hatte der Gründer des Autobauers Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X seine Visite beim Kurznachrichtendienst Twitter angekündigt. Fans behielten daraufhin die Flugradardaten seines Privatjets, einer Gulfstream G650, genau im Blick. Sie stellten fest, dass Musk am Montagabend um 23 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück landete.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Elon Musk: Von Kalifornien in die Eifel

Gut eine Autostunde entfernt liegt das Eifelstädtchen Prüm, wo Tesla ein Tochterunternehmen besitzt. 2017 hatte Musk den Maschinenbauer Grohmann gekauft, weil er es auf deren automatisierte Produktionssysteme für die Automobilindustrie abgesehen hatte. Musk zwang den übernommenen Mittelständler seinerzeit, nahezu alle Beziehungen mit externen Kunden wie BMW und Daimler abzubrechen, um sich voll auf die Bedürfnisse Teslas zu konzentrieren.

Die Entwicklung eines Bioreaktors im Auftrag des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac allerdings durfte weiterlaufen – laut eines Berichts des “Handelsblattes” auch deshalb, weil Curevac-Manager nach Kalifornien flogen, um dort Musk und die Tesla-Führung von dem Potenzial des Projektes zu überzeugen.

Anzeige

Inzwischen gilt Curevac als aussichtsreiches Unternehmen beim weltweiten Wettlauf um die Entwicklung eines Impfstoffes, der nach erfolgreicher Zulassung mit den Bioreaktoren der Tesla-Tochter hergestellt werden soll. Automobil- und Raumfahrtrevolutionär Musk darf deshalb plötzlich darauf hoffen, künftig auch in der Pharmaindustrie vorne mitzumischen. Wenn man so will, durch Glück und Zufall.

Video
Curevac will Corona-Impfstoff bis Mitte 2021 marktreif haben
2:11 min
Insgesamt sollen rund 150 Teilnehmer in der Phase-1-Studie geimpft werden.  © Reuters

Plant Elon Musk sein nächstes Investment?

Aus dem Hunsrück flog Musk am Dienstag nach Stuttgart und tauchte wenig später bei Curevac in Tübingen auf. Der Termin war der erste seiner Deutschland-Reise, bei dem der Unternehmer öffentlich auftrat. Mit schwarzem Jacket, schwarzem T-Shirt und schwarzem Tuch vor dem Mund marschierte er durch den Technologiepark, wobei ihn Fans, Entourage und Fotografen auf Schritt und Tritt verfolgten.

Kurzzeitig machte das Gerücht die Runde, dass Musk bei dem Impfstoffhersteller einsteigen wolle, an dem auch SAP-Gründer Dietmar Hopp sowie die staatliche KfW-Bank beteiligt sind. Stimmt nicht, teilte später ein Curevac-Sprecher mit. Bei dem Besuch sei einzig über das bereits bestehende gemeinsame Projekt mit der Tesla-Tochter Grohmann gesprochen worden.

Am Dienstagabend landete der Privatjet des Tech-Pioniers auf dem Flughafen Schönefeld in Berlin. Am Mittwochnachmittag um 14.30 Uhr stieg er im Berliner Westhafen aus einer Tesla-Limousine. In einer Veranstaltungslocation auf dem Industriegelände hatte sich die Fraktion von CDU und CSU zur Klausurtagung versammelt. Fraktionsvize Nadine Schön begrüßte den Unternehmer, der für diesen Besuch ganz seriös in schwarzem Anzug, schwarzer Krawatte und weißem Hemd erschien.

Am Rande der Klausur kam es zu Gesprächen zwischen Musk und Wirtschaftsminister Peter Altmaier sowie Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU). Auch mit Bildungsministerin Anja Karliczek und Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus tauschte der Unternehmer sich aus. Brinkhaus zeigte sich im Anschluss angetan. Es sei wichtig, dass Deutschland bei neuen Technologien international vernetzt sei, sagte er. Und es sei gut, dass deutsche Maschinenbauer mit dem Tesla-Konzern kooperierten.

Video
Elon Musk stellt Neuralink vor
1:46 min
Elon Musk hat einen Prototypen seines „Neuralinks“ vorgestellt. Einer dratlosen Schnittstelle zum Gehirn.  © Reuters

Es wurde erwartet, dass Musk danach weiter ins brandenburgische Grünheide fahren würde, wo derzeit die Bauarbeiten für die erste Tesla-Fabrik in Europa auf Hochtouren laufen. Seit dem Mittag versammelten sich Schaulustige und Reporter an der Zufahrt zur Baustelle, auch Umweltschützer und Gegner des Projektes kamen zusammen.

Anzeige

In Grünheide lässt Musk auf sich warten

Doch Musk ließ auf sich warten. Stattdessen meldete sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zu Wort, der den Tesla-Chef am Morgen in Berlin getroffen hatte. Woidke sprach von einem Austausch, der “sehr angenehm und konzentriert” gewesen sein. Musk sei mit allen Details der neuen Fabrik befasst.

Mit der Ankündigung, die so genannte Gigafactory vor den Toren der Hauptstadt zu bauen, hatte Musk im November 2019 Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit in Deutschland elektrisiert. Im Rekordtempo stampft Tesla derzeit auf dem ehemaligen Waldstück eine Fabrik aus dem Boden und das, obwohl wichtige Genehmigungen noch fehlen. Das Unternehmen baut auf eigenes Risiko, das angesichts des starken politischen Rückenwindes allerdings überschaubar sein dürfte. Über eine Milliarde Euro will Tesla in der ersten Ausbaustufe in den neuen Standort investieren, auf Dauer sollen bis zu 4 Milliarden Euro fließen.

Die Produktion von Elektroautos und Batterien soll bereits im Juli 2021 mit 3000 Mitarbeitern beginnen. Später könnten bis zu 12.000 Beschäftigte an dem Standort arbeiten. Der Termin für die Eröffnung der Fabrik werde trotz der Corona-Pandemie eingehalten, teilte die Staatskanzlei in Potsdam mit. Schon an diesem Freitag soll für einen Teil der Fabrik Richtfest gefeiert werden.


“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen