Die wichtigsten Fragen und Antworten

Taurus-Marschflugkörper: Wie viele gibt es, was bringen sie der Ukraine und was kosten sie?

Die von der Bundeswehr herausgegebene Aufnahme zeigt einen Kampfjet Tornado IDS ASSTA 3.0, bestückt mit dem Lenkflugkörper Taurus.

Die von der Bundeswehr herausgegebene Aufnahme zeigt einen Kampfjet Tornado IDS ASSTA 3.0, bestückt mit dem Lenkflugkörper Taurus.

Seit Monaten bittet die ukrainische Regierung Deutschland um Taurus-Marschflugkörper, um sich gegen die Angriffe von Russland zu verteidigen. Doch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt ab. Zu groß sei aus seiner Sicht das Risiko einer Verwicklung Deutschlands in den Krieg. Ein Überblick über den Taurus-Marschflugkörper.

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Wie viele Taurus-Marschflugkörper gibt es?

Deutschland besitzt mit etwa 600 Taurus die meisten Marschflugkörper dieses Systems. Spanien hat rund 40, Südkorea von einst 350 noch etwa 260 Stück. Von den 600 deutschen Taurus sind nach Angaben aus Berlin 150 einsatzfähig, während die Ukraine von 300 ausgeht. Der Unterschied dürfte an den unterschiedlichen Ansprüchen hinsichtlich der Zertifizierung und Wartung liegen.

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Wie groß ist die Reichweite von Taurus?

Die in Deutschland vorgehaltene Version Taurus KEPD-350 hat laut Hersteller eine Reichweite von ca. 500 Kilometern. Fachleute gehen aber davon aus, dass der Taurus abhängig von Wind- und Wetterverhältnissen und der Flugbahn auch Ziele in einer etwas größeren Entfernung erreichen kann.

Wie werden Taurus eingesetzt?

Die Marschflugkörper werden von Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter oder Tornado aus der Luft und aus großer Entfernung abgefeuert. Die Taurus verfügen über ein eigenes Triebwerk und vier voneinander unabhängige Navigationssysteme, die mithilfe von Sensoren und GPS-Daten Hindernissen ausweichen und den Flugkörper an sein zuvor programmiertes Ziel bringen.

Was haben die Taurus-Leaks gezeigt?

Bei den Taurus-Leaks handelt es sich um ein von Russland abgehörtes Gespräch von Luftwaffenoffizieren, die ein Briefing für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vorbereiteten. Es ging darum, wie die Ukraine deutsche Taurus-Marschflugkörper einsetzen könnte, sofern Kanzler Scholz sein Nein zu einer Lieferung der Waffen überdenken sollte. Eine Frage in dem Gespräch war, ob Taurus technisch theoretisch in der Lage wären, die von Russland gebaute Brücke zur völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Krim zu zerstören. Ein weiterer Punkt war, ob die Ukraine den Beschuss ohne Bundeswehrbeteiligung etwa bei der Zielprogrammierung bewerkstelligen könnte.

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Sind für die Programmierung in der Ukraine deutsche Soldaten nötig?

Bundeskanzler Scholz ist davon überzeugt, dass Bundeswehrsoldaten für die Zielsteuerung in der Ukraine sein müssten und lehnt die Lieferung von Taurus daher ab. „Deutsche Soldaten dürfen an keiner Stelle und an keinem Ort mit den Zielen, die dieses System erreicht, verknüpft sein“, sagt er. Fachleute widersprechen jedoch. „Deutsche Soldaten werde für die Programmierung der Taurus nicht gebraucht, Spanien und Südkorea können schließlich auch ohne Bundeswehrsoldaten die Taurus betreiben“, sagt der Raketenforscher Fabian Hoffmann von der Universität Oslo dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die ukrainischen Soldaten müssen die Software verstehen und wissen, wie sie die Zielkoordinaten auf die Software einspielen.“ Das könnten sie innerhalb von drei Monaten lernen.

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Wie könnte die Ukraine Taurus einsetzen?

Wie schon bei anderen westlichen Waffensystemen müssten auch Taurus die Flugzeuge der Ukraine angepasst werden. Das ukrainische Modell Suchoi Su-24M verwendet bereits britische und französische Marschflugkörper und lässt sich laut Hoffmann auch für Taurus modifizieren. Mit den angekündigten Kampfjets F-16 dürften die Taurus ebenfalls grundsätzlich kompatibel sein, da Südkorea die Marschflugkörper mit F-15k-Flugzeugen einsetzt.

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Warum ist Taurus für die Ukraine so wichtig?

Wegen der großen Reichweite kann die Ukraine Taurus abfeuern, ohne selbst in den feindlichen Luftraum eindringen zu müssen. Die ukrainischen Streitkräfte hatten nach und nach Waffen mehr größerer Reichweite bekommen und die russische Armee gezwungen, ihre Logistiklinien immer weiter nach hinten zu verlagern. Dadurch ist die Versorgung der Soldaten an der Front schwieriger. Zudem können Taurus mit hoher Geschwindigkeit in nur 50 Metern Höhe fliegen und sind für das generische Radar nur schwer zu erkennen. Die feindliche Flugabwehr kann die Marschflugkörper deshalb viel schwieriger abfangen.

Welche Vorbehalte gibt es gegen Taurus für die Ukraine?

Die Ukraine könnte mit deutschen Waffen auch russisches Gebiet angreifen oder mit einem Angriff auf die Brücke von Kertsch eine Eskalation hervorrufen, so die Bedenken einiger Politikerinnen und Politiker. Das wäre zwar völkerrechtlich zulässig, dennoch besteht Sorge, Deutschland könnte durch die Lieferung von Taurus deutlich weiter als bisher in den Krieg hineingezogen werden. „Wenn Russland nachhaltig militärisch eingeschränkt werden soll, braucht die Ukraine am Ende Waffen wie Taurus“, sagte dagegen die Grünen-Europapolitikerin Viola von Cramon dem RND.

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Welche Alternativen gibt es für den Taurus-Einsatz?

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr erwägt, Taurus mit einer geringeren Reichweite zu liefern. „Die Software vom Taurus könnte so programmiert werden, dass die Reichweite begrenzt oder Ziele ausgeschlossen werden“, sagt Experte Hoffmann dem RND. „Die Eingabe von GPS-Koordinaten auf russischem Territorium könnte dann zu einer Fehlermeldung führen.“

Wer ist der Hersteller von Taurus?

Hersteller ist Taurus Systems GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen des europäischen Rüstungskonzerns MBDA und Saab Dynamics aus Schweden.

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Werden Taurus-Marschflugkörper aktuell noch hergestellt?

Derzeit werden keine neuen Taurus produziert. Zudem wird nur ein Teil der deutschen Marschflugkörper gewartet und einsatzbereit gehalten – aus Kostengründen. Die nicht einsatzbereiten Marschflugkörper könnten aber durch den Hersteller wieder funktionstüchtig gemacht werden.

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Wie viel kostet ein Taurus-Marschflugkörper?

„Vor 20 Jahren hatten die Taurus etwa eine Million Euro pro Stück gekostet“, sagt Experte Hoffmann. Zu diesem Preis sei die Produktion nun nicht mehr möglich. „Wenn der Hersteller die Produktion jetzt hochfahren würde, müsste man mit einem Preis von 2 bis 3 Millionen Euro pro Stück rechnen.“ Erst bei größeren Mengen sinke der Preis auf unter 2 Millionen Euro, so Hoffmann.

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