Talkshows und Politiker: Von Nutzen und Schaden

  • Politiker wie Sahra Wagenknecht oder Karl Lauterbach sind Dauergast in Talkshows.
  • Das ist überwiegend zu ihrem Vorteil.
  • Allerdings können sich dort auch Schwächen offenbaren.
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Berlin. Das beste Beispiel für die Macht der Talkshows ist wohl Sahra Wagenknecht. Zwar ist die heute 51-Jährige in ihrer Partei leidlich unbeliebt, Kritiker sagen, in Gremiensitzungen lasse sie sich eher selten blicken. In Talkshows allerdings ist die ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag so oft zu sehen wie keine andere Vertreterin aus den eigenen Reihen – nicht zuletzt weil sie kenntnisreich und rhetorisch talentiert ist. Das stabilisiert ihre Position enorm.

Ein zweiter Dauergast bei Anne Will, Maybrit Illner, Sandra Maischberger, Frank Plasberg oder Markus Lanz ist Karl Lauterbach. Er kann auch sehr gut erklären, was Talkshows Politikern bringen – und wo sie ihnen schaden können.

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„Ich gehe gern in Talkshows“, sagt der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion. Sie gäben einem Politiker die Chance, Sachverhalte ausführlich zu erklären. Lauterbach will denn auch in den verbreiteten Unmut über die Formate nicht einstimmen.

„Der Informationsgehalt von Talkshows, die gut moderiert sind, wird unterschätzt“, sagt er. Überdies prägten sie die öffentliche Meinung. „Deshalb halte ich Talkshows für eine Bereicherung.“ Deren Moderatoren kennt er inzwischen gut.

Der 58-Jährige weiß freilich auch um die Nachteile jener Sendungen, in denen er seit Jahren präsent ist. „In Talkshows kann sich die Qualität eines Politikers zeigen“, sagt er. „Wenn sie gut gemacht sind, können sich Schwächen offenbaren.“ Darum sollten Auftritte dort wohl überlegt sein. Ohnehin werde ja niemand gezwungen, in Talkshows zu gehen.

Lauterbach kennt jedes Kind

Von unvergleichlichem Wert sind sie gewiss für den Bekanntheitsgrad von Parlamentariern oder Ministern. Vom ehemaligen CSU-Landesgruppenvorsitzenden Michael Glos stammt ja das Bonmot: Wenn man wolle, dass etwas geheim bleibe, dann müsse man es im Deutschen Bundestag sagen.

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Er meinte damit vor allem jene Sitzungen zur Abends- und Nachtzeit, die nicht im Fernsehen zu sehen sind – und er meinte die Zeit vor Social Media, als noch keine Videoclips durchs Netz geisterten.

Ein bisschen ist das mit dem Bundestag als geheimem Ort freilich immer noch so. Auch das zeigt der Fall Lauterbach. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, ist öffentlich ebenso unbekannt wie die ebenfalls für Gesundheitsfragen zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas.

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Beide sind in Talkshows nicht zu sehen. Den schmalen Mann mit dem Kölschen Singsang jedoch, der früher stets eine Fliege trug, den kennt im Land jedes Kind.

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