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Talk bei Anne Will zu Thüringen: „Eine Frage der politischen Hygiene“

  • Nach dem Wahldebakel in Thüringen wird bei Anne Will darüber diskutiert, warum die AfD überhaupt so stark werden konnte.
  • Journalistin Melanie Amann glaubt, in Thüringen sei Bodo Ramelow (Linke) für viele Bürger schlimmer als der AfD-Politiker Björn Höcke.
  • Die alleinige Abgrenzung zur AfD würde laut Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht nicht reichen – die Politiker drehten sich wieder einmal im Kreis.
Laura Treffenfeld
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Berlin. Erst hat Thomas Kemmerich, der mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt wurde, die Wahl angenommen. Dann kam der große öffentliche Aufschrei – und im Anschluss folgte seine Erklärung zum Rücktritt. Dadurch geriet auch die Spitze von FDP und CDU gewaltig ins Schlingern. Über die Konsequenzen der Ereignissen aus Thüringen wurde bei der Politik-Talksendung „Anne Will“ am Sonntag diskutiert.

Die Gäste

  • Alice Weidel (AfD), Fraktionsvorsitzende im Bundestag
  • Kevin Kühnert (SPD), stellvertretender Parteivorsitzender und Bundesvorsitzender der Jusos
  • Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros
  • Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie
  • Wolfgang Kubicki (FDP), Bundestagsvizepräsident und stellvertretender Bundesvorsitzender
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke), Mitglied im Bundestag
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Darum ging es

Gemeinsame Lösungen oder gar Entschuldigungen für die Ereignisse in Thüringen konnten die geladenen Gäste bei „Anne Will“ ihrem Publikum nicht liefern. Wolfgang Kubicki war damit beschäftigt zu erklären, dass Thomas Kemmerich seine Wahl wohl nur angenommen hatte, weil er angesichts des Sieges einfach ganz perplex war. Sahra Wagenknecht erinnerte daran, darüber nachzudenken, warum die AfD überhaupt in Thüringen stark werden konnte und nutzte die Gelegenheit, ein paar eigene Parteiprogrammpunkte zu nennen. Für sie ist klar: Der AfD-Trick hätte nicht geklappt, wenn FDP und CDU nicht mitgemacht hätten.

Zwar beteuerten die geladenen Vertreter von Linke, SPD, CDU und FDP ihre klare Abgrenzung zur AfD, doch damit war dann auch schon wieder Schluss mit der Gemeinschaftlichkeit. Für Melanie Amann, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, steht fest: „Es gibt null Annäherung der Parteien untereinander und auch keine gemeinsamen Rezepte. Alle fallen nur übereinander her.“ Dass dies nur einer Partei nicht schaden würde, nämlich der AfD, wurde in der Talksendung ebenfalls angesprochen.

Peter Altmaier räumte ein, dass Thomas Kemmerich nicht nur mit Stimmen der AfD, sondern auch mit Stimmen der CDU gewählt wurde, sei auch eine Blamage für seine eigene Partei. Die Christdemokraten bräuchten Zeit, damit ihnen wieder Vertrauen geschenkt werde, so Altmaier.

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Kevin Kühnert glaubt, einige Wähler in Thüringen wollen an der Wahlurne nun vielleicht ihre Meinung ändern, nachdem sie den Eklat von FDP und CDU mitbekommen haben. Es stellt sich für ihn die Frage, ob CDU und FDP dazu bereit sind, jetzt den Weg für Bodo Ramelow frei zu machen. „Das ist eine Frage der politischen Hygiene.“

Alice Weidel hingegen sprach von Thomas Kemmerich als „armem Mann, der vom linken Mob belagert wurde und psychisch unter Druck geriet“. Auf die Frage von Anne Will, ob die FDP jetzt nicht mehr zu den viel zitierten „Altparteien“ gehört, sagte Weidel: „Kemmerich ist ein bürgerlicher Mittelständler, der gute Politik macht.“

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Darum ging es wirklich

Die Parteien drehen sich im Kreis – aber wenn alle sich streiten, freut sich die AfD. Die Lösung? Gemeinschaftliche Abgrenzung zur AfD? Mehr über eigene Inhalte sprechen? Den Thüringern besser zuhören? Vielleicht. Ja, aber ...

Zitat des Abends

Korrespondentin Melanie Amann über CDU-Wähler im Freistaat: „Für viele in Thüringen ist Ramelow schlimmer als Höcke.“

Und sonst so

Wir wissen jetzt: Wolfgang Kubicki sieht sich FDP-Kollege Kemmerich gegenüber „mental überlegen“. Björn Höcke darf Faschist genannt werden – der Begriff Nazi geht AfD-Fraktionschefin Weidel aber zu weit.

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Und Anne Will schließt ihre Folge mit der rätselhaften „Auflösung“, Peter Altmaier hätte da etwas am Fuß, es gehe ihm aber so weit gut.

Ach so: Über Thüringen wurde auch ein bisschen geredet.

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