Taliban wollen mit Erlass Frauenrechte durchsetzen

  • Die Taliban haben einen Erlass veröffentlicht, der Organisationen, religiöse Gelehrte und Älteste dazu anweist, ernsthafte Maßnahmen zur Durchsetzung von Frauenrechten zu ergreifen.
  • „Eine Frau ist kein Eigentum, sondern ein edler und freier Mensch“, heißt es dort wörtlich.
  • Die Islamisten hatten seit ihrer Machtübernahme Mitte August die Rechte von Frauen wieder deutlich eingeschränkt.
Anzeige
Anzeige

Kabul. In Afghanistan sind die militant-islamistischen Taliban dreieinhalb Monate nach ihrer Rückkehr an die Macht für die Achtung einiger Frauenrechte eingetreten. In einem am Freitag veröffentlichten Erlass wiesen sie Organisationen, religiöse Gelehrte und Älteste an, ernsthafte Maßnahmen zur Durchsetzung von Frauenrechten zu ergreifen. Wörtlich heißt es darin: „Eine Frau ist kein Eigentum, sondern ein edler und freier Mensch.“ Bislang haben die Islamisten seit der Machtübernahme Mitte August die Rechte von Frauen wieder deutlich eingeschränkt.

Frauenrechte seit Machtübernahme noch eingeschränkter

In dem Erlass wird als eines der Rechte angeführt, dass niemand eine unverheiratete Frau oder eine Witwe zur Heirat zwingen dürfe. Auch dürfe niemand Frauen im Austausch für Frieden oder zur Beendigung einer Feindseligkeit irgendjemandem zur Verfügung stellen. In Afghanistan kommt es immer wieder vor, dass eine Frau etwa bei Familienfehden als Wiedergutmachung gegeben wird. Witwen hätten zudem einen Anspruch auf ein Erbe sowie auf eine Brautgabe, sollten sie wieder heiraten.

Anzeige
Video
Nach Machtübernahme der Taliban: LGBTQ-Gemeinschaft in Afghanistan lebt wieder in Angst
1:21 min
Mit der Machtübernahme der Taliban lebt die LGBTQ-Gemeinschaft in Afghanistan wieder in Angst. Ein 25-jähriger Homosexueller erklärt, warum.  © AFP

In dem Erlass werden zudem zwei Ministerien sowie die Gerichte dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass diese Rechte bekanntgemacht und umgesetzt werden. Die Positionen in dem Dekret sind insgesamt nicht neu und entsprechen auch den Regeln des Islam. Auch die bisherigen afghanischen Gesetze garantierten diese Rechte. Allerdings wurden sie auch vor der Machtübernahme der Taliban oft nicht gewährt. Vor Gericht waren sie oft nicht durchsetzbar.

In dem neuen Dekret gibt es keine Angaben zu Rechten von Frauen bezüglich Bildung oder Arbeit. Die Islamisten haben seit der Rückkehr an die Macht die Rechte von Frauen merklich beschnitten. Sie können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen sind geschlossen. Straßenproteste von Aktivistinnen wurden gewaltsam unterdrückt. Viele flohen aus dem Land.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen