Taliban und Regierung drohen Journalisten in Afghanistan

  • Afghanistan gilt als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten.
  • Nun haben sowohl Vertreter der militant-islamistischen Taliban als auch die afghanische Regierung der Presse gedroht.
  • Beide beklagten eine einseitige Berichterstattung.
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Kabul. Vertreter der militant-islamistischen Taliban und der Regierung haben in Afghanistan Journalisten gedroht.

Der Parlamentarier Arif Rahmani twitterte am Mittwoch mehrere Aussagen des Chefs des Geheimdiensts NDS aus einer geschlossenen Sitzung des Parlaments. Demnach bezeichnete NDS-Chef Ahmad Sia Saradsch die „Propaganda mancher Fernsehstationen zugunsten der Taliban“ als „schockierend“.

Das sei keine Meinungsfreiheit, sondern ein Missbrauch eben jener. Man werde das nicht tolerieren. Auf dem offiziellen Twitter-Konto des NDS wurde das Zitat ebenfalls veröffentlicht, allerdings wenig später wieder gelöscht.

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Praktisch zeitgleich schrieb der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid, auf Twitter, man beobachte seit ein paar Tagen einseitige Propaganda und Publikationen von einigen Medien. Mudschahid beschuldigte den Geheimdienst NDS, dahinter zu stecken.

Medien sollten aufpassen und in der „jetzigen sensiblen Situation“ kein Propagandainstrument der Kabuler Regierung werden.

Sollten Medien falsche Informationen veröffentlichen, werde ihre Neutralität in Frage gestellt und die „Verantwortung für weitere Schritte“ liege bei den Medien, schrieb Mudschahid weiter.

Gefährliches Land für die Presse

Afghanistan gilt als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Sie werden nicht nur von militanten Islamisten bedroht, sondern auch von Kriegsfürsten, Drogenbaronen oder Vertretern der Regierung. Elf Medienschaffende wurden laut der lokalen Medienorganisation Nai im Vorjahr ermordet, viele mehr eingeschüchtert.

Nach mehreren gezielten Tötungen von Journalisten in den vergangenen Monaten haben Dutzende Medienschaffende, vor allem Frauen, ihre Jobs aufgegeben oder das Land verlassen.

RND/dpa

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