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Taliban: Frieden in Afghanistan ist von Ghanis Rücktritt abhängig

  • Die Taliban in Afghanistan haben deutlich gemacht, dass es für sie keinen Waffenstillstand gebe, bis eine „akzeptable Regierung“ vereinbart und Präsident Aschraf Ghani zurückgetreten sei.
  • Ein Sprecher bezeichnete Ghani als „Kriegstreiber“.
  • Während des Abzugs der Nato-Truppen haben die Taliban in Afghanistan deutlich an Boden gewonnen.
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Islamabad. Die aufständischen Taliban machen einen Friedensschluss in Afghanistan vom Rücktritt von Präsident Aschraf Ghani und dessen Regierung abhängig. Taliban-Sprecher und Mitglied der Verhandlungsdelegation Suhail Schahin sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP zudem, es werde keinen Waffenstillstand geben, bis eine „für uns und andere Afghanen akzeptable Regierung“ vereinbart sei. Dann werde „kein Krieg sein“.

Die Taliban haben gerade während des Abzugs von US- und Nato-Truppen militärische Erfolge in dem seit Jahrzehnten von Krieg heimgesuchten Land erzielt. US-Generalstabschef Mark Milley konstatierte in dieser Woche, die Taliban hätten ein „strategisches Momentum“ und schloss nicht aus, dass sie die Macht übernehmen werden. Unvermeidlich sei das aber nicht. „Ich denke nicht, dass das Endspiel schon geschrieben ist“, sagte er. Der US-Abzug aus Afghanistan soll bis zum 31. August abgeschlossen sein.

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Schahin erklärte, die Taliban würden erst dann ihre Waffen niederlegen, wenn Ghani und seine Regierung abgetreten seien und eine für sie akzeptable neue Regierung gebildet sei. Ghani bezeichnete er als einen Kriegstreiber, weil er am Dienstag in einer Ansprache zum islamischen Opferfest eine Offensive gegen die Taliban angekündigt habe.

Er sprach Ghani das Recht zu regieren ab und verwies auf Berichte über weit verbreiteten Betrug bei der Wahl 2019. Nach der Abstimmung hatten sich sowohl Ghani als auch sein Herausforderer Abdullah Abdullah zum Wahlsieger erklärt. Beide einigten sich auf eine Machtteilung; Abdullah erhielt die zweithöchste Position im Regierungsapparat und leitet den Versöhnungsrat.

„Sie wollen nicht Versöhnung, sie wollen Kapitulation“

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Schahin wies die Forderungen nach einem Waffenstillstand, solange Ghani und seine Regierung im Amt seien, zurück. Das laufe auf eine Kapitulation der Taliban hinaus. „Sie wollen nicht Versöhnung, sie wollen Kapitulation“, sagte er. Verhandlungen mit Abdullah am vergangenen Wochenende in Katar seien dennoch ein guter Anfang gewesen.

Die Taliban wollten keine Regierung mit einem Machtmonopol, erklärte Schahin. Jede Regierung, die in der Vergangenheit die Macht in Afghanistan monopolisiert habe, sei keine erfolgreiche Regierung gewesen, erklärter er, offenbar die fünfjährige Herrschaft der Taliban bis zur US-geführten Invasion einschließend. „Deshalb wollen wir diese Formel nicht wiederholen.“

Laut Taliban Regeln für Frauen abgemildert

Schahin zufolge haben die Taliban ihre harte Auslegung des Islams abgemildert, die ihre Regierungszeit von 1996 bis Oktober 2001 geprägt hatte. Unter einer neuen Regierung werde es Frauen erlaubt sein, zu arbeiten und zur Schule zu gehen und sich politisch zu betätigen. Sie müssten den Hidschab tragen, müssten aber nicht von einem männlichen Verwandten begleitet werden, wenn sie außer Haus gehen. Taliban-Kommandeure in neu eroberten Bezirken hätten Befehl, Universitäten, Schulen und Märkte wie bisher weiter betreiben zu lassen, einschließlich der Teilnahme von Mädchen und Frauen.

Zu Berichten über ein brutales Vorgehen gegen Frauen und Mädchen in eroberten Bezirken sagte Schahin, es gebe einige Kommandeure, die Anweisungen der Taliban-Führung missachteten. Diese würden vor ein Tribunal gestellt und bestraft.

Selbstbewusst äußerte sich der Sprecher über die militärische Stärke der Taliban. Bislang hätten sie sich mit einem Angriff auf Kabul und Provinzhauptstädte zurückgehalten. Sie könnten das aber, weil ihnen in den neu eroberten Bezirken genug Waffen und Militärausrüstung in die Hände gefallen seien. Die jüngsten Erfolge gingen nach seinen Worten nicht auf Kämpfe, sondern Verhandlungen zurück. „Es wäre sehr schwer für uns gewesen, 194 Bezirke in nur acht Wochen einzunehmen“, sagte er.

Die Taliban kontrollieren rund die Hälfte der 419 Bezirkszentren Afghanistans, sagte Milley. Sie hätten noch keine der 34 Provinzhauptstädte erobert, übten aber Druck auf die Hälfte von ihnen aus. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, sagte, die US-Luftwaffe habe mit Luftangriffen belagerte afghanische Truppen in Kandahar unterstützt.

RND/AP

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