Taliban wollen Abkommen mit USA - haben aber keine Eile

  • Einige Islamisten wollen mehr Tempo, die anderen weniger.
  • Doch im Tenor sind sich die Führer der Taliban einig.
  • Sie wollen ein Abkommen mit den USA über einen Truppenabzug aus Afghanistan.
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Schon bevor US-Präsident Donald Trump das Treffen in Camp David nach einem Anschlag unvermittelt abgesagt hat, gab es bei den Taliban Uneinigkeit über das Vorgehen. Ihre Unterhändler wollten an dem für das vergangene Wochenende geplante Treffen teilnehmen. Die Schura, also der Rat ihrer Führer, war gegen die Reise in die USA, wie aus Kreisen der Taliban verlautete. Die Schura habe die Unterhändler deswegen eindringlich ermahnt.

Seit mehr als einem Jahr führen die Taliban Gespräche mit den USA. Diese finden in Doha, der Hauptstadt von Katar, statt. Dort haben die Islamisten eine Vertretung, über der die Fahne des selbst erklärten Islamischen Emirats von Afghanistan weht.

Suhail Schahin, ein Sprecher des Büros in Doha, erklärte auf der Taliban-Webseite Al-Emarah, dass der US-Gesandte Zalmay Khalilzad die die Taliban-Unterhändler nach Camp David eingeladen habe. Diese nahmen an, forderten jedoch, dass das Abkommen zuerst von Katar verkündet werde und dass es eine Unterzeichnungszeremonie gebe, die von den Außenministern mehrerer Länder bezeugt werde, darunter Pakistan, Russland und China. Doch dann stellte sich die Schura quer.

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Unstimmigkeiten zwischen Unterhändlern und Schura

Es war nicht die erste Unstimmigkeit zwischen Unterhändlern und Schura, wie aus Taliban-Kreisen verlautet. Bereits vor einigen Monaten hatte sich das Gremium gegen ein Angebot von Mullah Abdul Ghani Baradar gestellt, dem Chefunterhändler und Mitbegründer der Taliban.

Dieser hatte vorgeschlagen, den USA 14 Monate Zeit für den Abzug ihrer rund 14 000 Soldaten zu geben. Die Schura erklärte, sie sei mit dem Zeitplan nicht einverstanden. Zudem ermahnte sie Baradar, dass er keine Entscheidungen ohne die Schura treffen könne. Doch trotz dieser gegensätzlichen Auffassungen wurde jeder Punkt des Abkommens von der Führung der Taliban diskutiert - und entweder gebilligt oder verworfen.

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"Es ist bemerkenswert, dass die Taliban ihre höchsten Ebenen mobilisiert haben, um die Verhandlungen mit den USA zu unterstützen", sagt Michael Kugelman, stellvertretender Direktor des Asien-Programms am Wilson Center in Washington. "Führende Taliban haben die Gespräche nicht nur befürwortet, sondern sie haben auch dabei mitgeholfen."

Das lege nahe, dass Washington Probleme haben werde, wegen etwaiger Spaltungen in den Reihen der Taliban die eigene Verhandlungsposition zu stärken. "Es mag ja Meinungsverschiedenheiten bei den Taliban geben, aber insgesamt haben sie sich als relativ einheitliche Front im Verhandlungsprozess präsentiert", sagt Kugelman und fügt an: "Das kann man von der afghanischen Regierung oder selbst von der Trump-Regierung nicht behaupten."

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Pakistan verhaftete Chefunterhändler

Baradar gilt als einflussreichster Teilnehmer bei den Gesprächen. Er hat ein Friedensabkommen bereits vorangetrieben, bevor die USA bereit waren, in Gespräche einzusteigen. 2010 hatte er geheime Friedensverhandlungen mit dem damaligen afghanischen Präsidenten Hamid Karsai begonnen.

Als das Nachbarland Pakistan davon erfuhr, ließ es Baradar mit Hilfe des US-Auslandsgeheimdienstes CIA festnehmen. Acht Jahre verbrachte er in einem pakistanischen Gefängnis, weil er versucht hatte, Islamabad bei den Friedensgesprächen zu umgehen.

Karsai hatte der Nachrichtenagentur AP in der Vergangenheit gesagt, er habe sowohl die USA als auch Pakistan bei mindestens zwei Gelegenheiten gebeten, Baradar freizulassen. Doch diese Bemühungen blieben ohne Erfolg. Die ersten geheimen Kontakte zwischen den Taliban und den USA mit dem Ziel, eine Gesprächsbasis zu finden, gab es dem Vernehmen nach nicht vor 2013.

Washington sucht nach einem Ausweg

Washington sucht nach einem Ausweg, um den längsten Krieg in der Geschichte der USA zu beenden. Die Taliban ihrerseits sind so stark wie seit ihrem Sturz im Jahr 2001 nicht mehr. Sie herrschen über mehr als die Hälfte des Landes, überziehen Afghanistan fast täglich mit tödlichen Angriffen und Anschlägen.

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Ein Bedauern über diese Taten und die Scharen getöteter Zivilisten gibt es bei den Taliban nicht - auch wenn diese Anschläge für den Zusammenbruch der Verhandlungen verantwortlich gemacht werden. Taliban-Sprecher Schahin erklärte, auch die USA hätten ihre Militäraktionen parallel zu den Friedensgesprächen fortgesetzt. Es gebe keinen Waffenstillstand, und es sei auch kein Abkommen unterzeichnet worden.

Ganz abgebrochen sind die Gespräche aber wohl nicht. "Wir haben sie kontaktiert, und sie haben sich auch an uns gewandt", sagt Schahin. "Wir haben sie um eine formale Klarstellung der Entscheidung Trumps ersucht. Wir hoffen auf eine Antwort und warten darauf."

Die USA wollen ihre Truppen weiterhin aus Afghanistan abziehen. Trump hat zwar erklärt, dass die Gespräche mit den Taliban "tot" seien. Aber er sagt auch, dass die US-Soldaten in Afghanistan zu Polizisten geworden seien - und das sei nicht ihr Job. Die afghanische Regierung müsse hier aktiver werden und diese Rolle übernehmen.

Kugelman sieht die Taliban jedenfalls in einer guten Verhandlungsposition: "Sie werden weiter offen sein für ein Abkommen mit den USA über einen Truppenabzug in der Zukunft. Aber anders als die USA haben sie keine Eile dabei."

RND/cle/AP