Droht ein Angriff Chinas, Herr Wu?

  • Im RND-Interview begrüßt Taiwans Außenminister Joseph Wu die Entsendung der deutschen Fregatte „Bayern“ und anderer Schiffe demokratischer Nationen ins Südchinesische Meer.
  • Chinas militärische Drohgebärden gegenüber der demokratisch regierten Insel hätten in jüngster Zeit zugenommen und viele Menschen verärgert.
  • Gefährlich werde es bei einer Krise im Inneren Chinas: Das Regime in Peking könne dann einen Angriff beschließen – um Taiwan zum Sündenbock zu machen,
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Herr Minister, die deutsche Fregatte „Bayern“ fährt in diesen Tagen in ein für die Bundeswehr ungewöhnliches Gebiet, das Südchinesische Meer. Wie kommentieren Sie diese deutsche Mission?

Ich bin froh, dass die deutsche Regierung mit ihren Indopazifik-Leitlinien die Grundlage dafür geschaffen hat, sich an der Sicherung freier Seewege im Südchinesischen Meer zu beteiligen. Niemand will, dass China seine autoritäre Herrschaft ausdehnt über das gesamte Südchinesische Meer. Alle freiheitsliebenden Demokratien rund um den Globus, Deutschland eingeschlossen, setzen jetzt ein klares Zeichen dagegen. Derzeit kommen Schiffe aus Großbritannien, aus Frankreich, den Niederlanden, aber auch aus Nordamerika, Japan und Australien.

Auch hier in Europa hört man von provokativen Manövern der chinesischen Luftwaffe knapp vor dem Luftraum von Taiwan. Wie reagiert Taiwans Bevölkerung darauf?

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Viele fühlen sich bedroht, die meisten aber ärgern sich vor allem. Der Unmut in Taiwan über China wächst, das lässt sich auch an Umfragen ablesen. Damit wird der Graben zwischen China und Taiwan immer breiter und breiter. Die chinesische Führung sagt immer, sie wolle die Herzen und Hirne der Menschen in Taiwan gewinnen. Derzeit erreicht sie das Gegenteil.

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Taiwans Außenminister: „China wird gefährlich, wenn es unter Druck gerät“
6:07 min
Taiwans Außenminister Joseph Wu fürchtet, sein Land könne eines Tages zum Sündenbock für Chinas innere Probleme werden.  © RND

Vom fernen Deutschland aus könnte man sagen: Das alles ist ein Problem für Taiwan, aber nicht für die Welt.

Oh doch. China versucht jetzt gerade, mit Macht seine autoritäre Ideologie durchzusetzen, nach außen wie nach innen. Denken Sie an die Unterdrückung der Uiguren in der Provinz Xinjiang. Immer mehr Kritiker in aller Welt fangen an, dies als Völkermord zu beschreiben, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ich selbst sehe es auch so. Oder nehmen Sie Hongkong: Dort nimmt China den Menschen jetzt noch die kleinsten Reste von Freiheit weg. Die Freiheit wird ausgelöscht: Das ist es, worum es eigentlich geht, eine Tragödie im 21. Jahrhundert.

Muss Taiwan schon bald mit einem Angriff rechnen?

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Aus meiner Sicht könnte die Lage unberechenbar und gefährlich werden, wenn innerhalb Chinas gravierende Probleme auftauchen. Das kann zum Beispiel ein starker Wirtschaftsabschwung sein oder eine Krise der Sozialsysteme, irgendetwas, das die Führung in Peking nicht mehr verdecken kann. Das Regime könnte, wenn es unter Druck gerät, einen Angriff beschließen. Es ist ein Klassiker: Ablenkung der Aufmerksamkeit des Publikums auf einen äußeren Feind. Wir in Taiwan fürchten, eines Tages zum Sündenbock gemacht zu werden für Chinas innere Probleme.

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