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Angesichts Konflikt mit China

Reservisten und zivile Verteidigung: Taiwan will Streitkräfte stärken

Taiwanesische Soldaten bedienen auf einem Stützpunkt in Taiwans südöstlichem Bezirk Hualien ein 35-mm-Zwillingskanonen-Flugabwehrgeschütz von Oerlikon. Taiwan veranstaltet Militärübungen, um zu zeigen, dass es in der Lage ist, dem chinesischen Druck zu widerstehen und die politische Kontrolle Pekings über die Insel zu akzeptieren (Archivbild).

Taiwanesische Soldaten bedienen auf einem Stützpunkt in Taiwans südöstlichem Bezirk Hualien ein 35-mm-Zwillingskanonen-Flugabwehrgeschütz von Oerlikon. Taiwan veranstaltet Militärübungen, um zu zeigen, dass es in der Lage ist, dem chinesischen Druck zu widerstehen und die politische Kontrolle Pekings über die Insel zu akzeptieren (Archivbild).

Taipeh. Chris Chen, einst Oberst der taiwanischen Streitkräfte, ist einer von vielen Reservisten, die in den vergangenen Monaten ihre Fertigkeiten und ihr Know-how aufgefrischt haben. Im Juni war er zu einem einwöchigen Training eingeteilt. Zufrieden war Chen nicht: Sie seien 200 Reservisten auf einen Ausbilder gewesen, hätten viel zugehört, aber wenig praktisch geübt.

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Taiwan ist sich der Schwächen bewusst und arbeitet intensiv daran, sein Reservisten-System auf Vordermann zu bringen - nicht zuletzt im Schatten des Kriegs in der Ukraine. Der russische Einmarsch in der Ukraine hat in Taiwan, das vom riesigen Nachbarn China als Teil von dessen eigenem Staatsgebiet betrachtet wird, die Alarmglocken läuten lassen. Für den Inselstaat war es einmal mehr eine Mahnung, wie wichtig die Mobilisierung von Zivilverteidigung und Reservisten im Falle eines Angriffs ist. Und die eigenen Mängel in dem Bereich waren unübersehbar.

Zwar deutet sich derzeit keine Invasion seitens Chinas an. Doch die jüngsten großen Militärmanöver Pekings als Antwort auf einen Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan haben der dortigen Regierung klar das kriegerische Potenzial des Nachbarn vor Augen geführt.

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Experten glauben an abschreckende Wirkung

Schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Taiwan begonnen, sein Zivilverteidigungs- und Reservesystem zu reformieren. Mit dem Krieg erschien dies umso dringlicher. Denn Experten zufolge haben starke derartige Verteidigungssysteme eine abschreckende Wirkung, da sie den potenziellen Invasoren zeigen, dass das Risiko eines Einmarsches hoch ist.

Taiwan beginnt Militärmanöver – chinesische Invasion simuliert

Das Manöver sei geplant und keine Reaktion auf die chinesischen Militärmanöver der vergangenen Tage, hieß es. Auch China setzte die Manöver vor Taiwan fort.

In Taiwan sind rund 2,3 Millionen Reservisten gelistet, die die 188.000 Militärangehörigen stützen sollen. Auf dem Papier könnte der kleine Inselstaat somit den chinesischen Streitkräften mit ihren zwei Millionen Soldatinnen und Soldaten die Stirn bieten. Die Zahl derer, die für den Krieg gerüstet wären, belaufe sich aber nur auf etwa 300.000, sagt Verteidigungsexperte Wang Ting-yu von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei (DFP).

Mit der Umstrukturierung seines Reservisten-Systems im Januar schuf Taiwan eine neue Koordinierungsstelle, die im Notfall auch die Zivilverteidigung übernimmt. Mit der Reformierung einher ging auch die Aufstockung der Trainings von einer auf zwei Wochen und eine Intensivierung der Ausbildung für die 300.000 einsatzbereiten Reservisten. Für die anderen seien eher Verteidigungsaufgaben wie etwa der Schutz von Brücken vorgesehen, erklärt Wang.

Motivierte Reservisten

Dennis Shi nahm an einer der neuen zweiwöchigen Trainingseinheiten im Mai teil. Trotz widrigen Wetters und inmitten eines Corona-Ausbruchs habe er in diesen 14 Tagen mehr Schießübungen gehabt als in seinem viermonatigen Pflichtwehrdienst vor drei Jahren, sagt Shi. Ihn habe die Übung motiviert. „Wenn es an der Zeit ist, deinem Land zu dienen, dann muss man es tun“, ist er überzeugt.

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Nach Zahlen des mit dem Verteidigungsministerium verbundenen Instituts für Landesverteidigung und Sicherheitsforschung sind rund 73 Prozent der Taiwanerinnen und Taiwaner bereit, für ihr Land zu kämpfen, sollte China einmarschieren. Auch außerhalb offizieller Strukturen formieren sich Gruppen, die sich die Verteidigung Taiwans auf die Fahnen schreiben.

Erst in der vergangenen Woche kündigte etwa der Gründer des Chipherstellers United Microelectronics, Robert Tsao, umgerechnet rund 33 Millionen Euro für die Ausbildung einer drei Millionen Personen starken zivilen Verteidigungstruppe an. Und Open Knowledge Taiwan, ein Zusammenschluss verschiedener Initiativen, meldete die Teilnahme von bereits mehr als 1000 Interessierten an Veranstaltungen zur zivilen Verteidigung. Andere melden sich zu Erste-Hilfe-Kursen an oder lernen den Umgang mit Schusswaffen.

Im zivilen Sektor gebe es viel Energie in diesem Bereich, erklärt Martin Yang von der Organisation TTRDA, einem Zusammenschluss ehemaliger Angehöriger von Polizei und Militär. Die Fäden müssten aber zusammengeführt werden. „Ich denke, die Regierung muss vortreten und das koordinieren“, fordert er, „damit die Energie nicht verschwendet wird.“

RND/AP

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