Pasta noch teurer als gedacht

Problematische offizielle Zahlen: Wie sich die Nudelpreise wirklich entwickelt haben

Pasta kann man immer essen – doch sie wird teurer.

Pasta kann man immer essen – doch sie wird teurer.

Wer Kinder hat, weiß: Ein Leben ohne Nudeln ist möglich, aber beschwerlich. Doch die nicht nur beim Nachwuchs beliebten Teigwaren sind teurer geworden, auf ein Drittel beziffern offizielle Stellen den Pastapreissprung im Laufe der vergangenen zwölf Monate. Und das ist womöglich nur die halbe Wahrheit: RND-Recherchen zeigen, dass sich vor allem günstige Nudeln noch weit stärker verteuert haben – und dass es bei weiteren Discountprodukten ähnlich aussieht.

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Geht es um die Inflation, kommt man in Deutschland nicht am Statistischen Bundesamt vorbei: Zig Beschäftigte entsendet die Wiesbadener Behörde Monat für Monat in Geschäfte in der ganzen Republik. Auch die Preise von Pasta erfassen die Statistikerinnen und Statistiker, immerhin geht es um eine der populärsten Sättigungsbeilagen in Deutschland. Die ist, so besagt es die offizielle Statistik, zwischen Oktober 2022 und Oktober 2022 um 33,3 Prozent teurer geworden.

102 Prozent Preissteigerung

Bei Discountnudeln haben sich die Preise indes verdoppelt, wie eine Auswertung von smhaggle zeigt: Für das RND hat die Preisvergleichs-App gezielt unter die Lupe genommen, wie sich Nudeleigenmarken etwa von ja!, gut&günstig oder k-classic verteuert haben. Das Team der App kam auf einen Durchschnittspreis von 99 statt 49 Cent, also 102 Prozent Preissteigerung zwischen Oktober 2021 und Oktober 2022. Repräsentativ sind die Daten nicht, „aber in der Regel kosten die Handelsmarken bei allen Händlern gleich viel“, meint smhaggle-Chef Sven Reuter.

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Ganz anders sieht es bei Markennudeln aus, wie sowohl smhaggle als auch die GfK bestätigen: Letztere ist neben dem Bundesamt und smhaggle eine der wenigen Stellen mit eigenen Daten zu Preisentwicklungen – und verzeichnete beim Preis der Nudelherstellermarken sogar ein Minus von 11,4 Prozent, wie GfK-Branchenexperte Robert Kecskes dem RND schildert. Grund sei das geänderte Konsumverhalten: Während der Pandemie kompensierten exklusivere Markenprodukte manch ausgefallenen Restaurantbesuch, in der Energiekrise hingegen zerren Inflation und Heizrechnungen an den Budgets von Supermarktkundinnen und -kunden. Die würden nun mit Rabatten bei beliebten Artikeln wie eben Markenpasta in die Geschäfte gelockt, berichtet Kecskes.

Herstellermarken aktuell günstiger als Discountprodukte

„Wenn man auf Sonderangebote achtet, sind Herstellermarken derzeit oft günstiger als Discountprodukte“, sagt er außerdem. Häufig sind derzeit 500-Gramm-Packungen von Markenherstellern für 88 Cent zu haben, Kecskes zufolge ist das halbe Kilo derzeit im Sonderangebot etwa 12 bis 13 Cent billiger als die durchschnittliche Eigenmarke. Wer ausschließlich bei Rabattaktionen einkauft, zahlt für günstige Nudeln immer noch 55 Prozent mehr als im Vorjahr – weit mehr, als das Statistische Bundesamt bei der Nudelinflation ausweist.

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Das Bundesamt kann darin kein Problem erkennen: Man erfasse die Teuerung sowohl bei Markenartikeln als auch bei Handelsmarken in Discountern, Supermärkten und Fachgeschäften, erklärte ein Sprecher. „Ausgewiesen werden aber nur aggregierte Daten“, erklärte er weiter. Detailliertere Angaben wollte die Behörde nicht machen. Ob die nach Art des Bundesamts gebündelten Daten womöglich darüber hinwegtäuschen, dass besonders günstige Nudeln kräftig im Preis angezogen haben, beantwortete der Sprecher ebenfalls nicht.

Zugleich deutet eine weitere, nichtrepräsentative Auswertung von smhaggle darauf hin, dass die Preisentwicklung zwischen Marken- und Discountprodukten nicht nur bei Nudeln auseinanderklafft: Ein typischer, aus 19 Produkten bestehender Einkauf hat sich demnach seit Jahresbeginn bei Markenartikeln um 16,8 Prozent verteuert, bei Handelsmarken hingegen um 35,3 Prozent. Auch diese Daten sind nicht repräsentativ, decken sich in der Tendenz aber mit weiteren Erhebungen zu Preisentwicklungen bei Eigen- und Handelsmarken.

Teuerung bei günstigen Lebensmitteln ist ein Alarmzeichen

Für Ulrich Schneider ist die hohe Teuerung bei günstigen Lebensmitteln denn auch ein Alarmzeichen: „Die allgemeinen Inflationszahlen spiegeln nicht die Erfahrungen einkommensschwacher Menschen wider“, meint der Geschäftsführer des paritätischen Wohlfahrtsverbands. Er kritisiert auch das statistische Bundesamt. Das habe bis 2003 die Inflation nicht nur pauschal, sondern auch differenziert für verschiedene Haushaltypen und Einkommensklassen errechnet „Aber offenbar ist das Interesse an den Lebenserhaltungskosten armer Menschen nicht groß genug“, so Schneider gegenüber dem RND.

„Man sollte wieder mehr auf solche repräsentativen Warenkörbe für unterschiedliche Einkommensgruppen setzen, das ging früher ja auch“, sagt Schneider nun. Sollte sich die stärkere Verteuerung bei günstigen Produkten flächendeckend bestätigen, sieht er außerdem mögliche Folgen für die Höhe des Bürgergelds: „Es spricht viel dafür, dass die auf der letztlich allgemeinen Inflationsrate beruhende Anpassung der Regelsätze nicht die realen Mehrkosten ärmerer Menschen widerspiegelt.“

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Insbesondere deren Ringen mit der Teuerung mildert vorerst nur der Griff zu Sonderangeboten. Smhaggle-Chef Sven Reuter empfiehlt, vor dem Einkauf Preise zu vergleichen. Hilfreich sei es außerdem, wöchentlich bei unterschiedlichen Händlern einzukaufen und Vorräte anzulegen, wenn Markenprodukte mal günstiger als Eigenmarken sind. „Steuern Sie den Händler an, bei dem Sie die meisten Ihrer Produkte in der Aktion kaufen können, und decken Sie Ihren restlichen Warenkorb über Eigenmarken“, rät Reuter.

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