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Studie: Wie Corona die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert hat

  • An den Corona-Lockdown Anfang des Jahres denken viele Eltern nicht gerne zurück.
  • Die Doppelbelastung durch Kinderbetreuung und Job war für viele eine große Herausforderung.
  • Doch die Krise hat auch positive Auswirkungen: Eine Studie hat nun ermittelt, welche das sind.
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Berlin. Die Corona-Krise und der Lockdown zu Beginn des Jahres waren für viele Familien eine besondere Herausforderung. Durch die Aufgabe, Beruf, Kinderbetreuung, Homeschooling, Partnerschaft und Familienalltag unter einen Hut zu bringen, fühlten sich nicht wenige Eltern überfordert. Inzwischen gibt es Meldungen, dass Scheidungsraten steigen und psychische Erkrankungen zunehmen.

Gleichzeitig hatte die Krise aber auch positive Folgen. Das Arbeiten im Homeoffice ist in vielen Unternehmen von der Ausnahme zur Selbstverständlichkeit geworden. Und manche Paare haben die Krise genutzt, um die sogenannte Care-Arbeit neu aufzuteilen.

Wie Unternehmen und berufstätige Eltern mit der Krise umgegangen sind, wie sich Personalpolitik in den Unternehmen verändert hat und welche Schlussfolgerungen sich aus den Erfahrungen ziehen lassen, dieser Frage ist eine Studie der Prognos AG im Auftrag des Bundesfamilienministeriums nachgegangen. Sie wird an diesem Freitag veröffentlicht und liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bereits vor. Die Forscher haben 750 Unternehmen in ganz Deutschland telefonisch befragt und die Ergebnisse in Relation zu einer Allensbach-Befragung von rund 1500 Vätern und Müttern gesetzt.

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Bessere Kommunikationskultur zwischen Eltern und Arbeitgebern

Wichtigstes Ergebnis: Die Krise hat das Bewusstsein in Personalabteilungen geschärft, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein zentraler Produktivitätsfaktor ist. Jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) hat als Reaktion auf Corona-Pandemie Arbeitszeitregeln eingeführt oder ausgebaut, die die Vereinbarkeit erleichtern. Darunter fallen individuell vereinbarte Arbeitszeiten, flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten sowie Homeoffice und Telearbeit.

Auch die Kommunikationskultur zwischen Unternehmen und Mitarbeitern hat sich in der Krise verändert. Zwei Drittel (68 Prozent) der Unternehmen berichten von Beschäftigten, die ihre Arbeitsweise oder ihren Arbeitsort verändern wollten, um Kinder zu betreuen. Jedes fünfte Unternehmen berichtet sogar von zahlreichen Anfragen dieser Art. Offenbar waren viele dieser Gespräche erfolgreich. Fast drei Viertel (72 Prozent) der Unternehmen stimmten der Aussage zu oder eher zu, dass Eltern aktiv und gemeinsam mit Arbeitgebern an einer Lösung für Betreuungsprobleme gearbeitet hätten.

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Familienministerin Franziska Giffey ist zufrieden

Auf das Rollenverständnis zwischen Männern und Frauen hatte die Krise ebenfalls Auswirkungen. Fast vier Fünftel (78 Prozent) der Unternehmen stimmten der Aussage zu oder eher zu, dass es in der Krise wichtig sei, dass sich auch Väter an der Kinderbetreuung beteiligen, damit nicht nur Mütter ihre Arbeitszeiten reduzieren. Die These, dass es gut sei, wenn vor allem berufstätige Frauen kürzer treten, bejahten dagegen nur 26 Prozent der Firmenvertreter.

Familienminister Franziska Giffey (SPD) bewertete die Ergebnisse der Studie positiv. “Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist systemrelevant und essenziell für eine funktionierende Wirtschaft – das hat sich während der Corona-Pandemie mehr denn je bestätigt”, sagte Giffey dem RND. “Die Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen mit einer familienorientierten Unternehmenskultur besser für die Herausforderungen der Corona-Krise und für die Zukunft gewappnet sind”, fügte sie hinzu.

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“Vieles von dem, was in der Pandemie plötzlich möglich war, etwa flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice und innovative Schichtmodelle, haben Potenzial für die Zukunft”, so die Ministerin weiter. “Politik und Wirtschaft müssen nun gemeinsam daran weiterarbeiten, Veränderungen für eine bessere Balance von Erwerbs- und Sorgearbeit vorzunehmen”, forderte Giffey.

RND



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