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Streit um neue Corona-Hilfen: Furcht vor Wirtschaftsnöten in den USA

  • Republikaner und Demokraten streiten über den Umfang eines neuen Konjunkturpakets angesichts der Corona-Krise.
  • Das macht vor allem den Menschen im Land zu schaffen.
  • Die Sorge vor neuen Wirtschaftsnöten ist mitunter groß.
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Washington. Bob Szuter dachte, dass es nun stetig bergauf geht. Er betreibt eine Craft-Bier-Brauerei und ein Restaurant in Columbus im US-Staat Ohio, und sein Geschäft schien sich seit dem Spätsommer, nach Ende des Corona-Lockdowns, langsam ein bisschen zu erholen. Als Kleinunternehmer profitierte er von einem Billionen Dollar schweren Konjunkturprogramm, das der Kongress in Washington im März verabschiedet hatte.

Es half ihm, sich über Wasser zu halten - wie auch zahllosen anderen Geschäftsleuten, Millionen von arbeitslos gewordenen Amerikanern und unter Finanzknappheit leidenden US-Staaten und Kommunen. Aber diese Hilfen sind ausgelaufen, und Szuter hat seine Gelder längst verwendet.

Das Coronavirus wütet indes stärker denn je, und der Winter steht bevor. Da könnte er eine neue finanzielle Rettungsleine dringend gebrauchen, so auch viele andere Restaurants und Bars, die sein Bier kaufen. Szuter weiß von fast 20 in der Region, die aufgeben mussten, und von zahlreichen anderen, die sich „dahinschleppen“.

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Zahl der Corona-Toten in USA derzeit bei ungefähr 227.000

Doch die Aussichten auf mehr Bundeshilfen in diesem Jahr sind mehr als schlecht: Zank zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress über den Umfang eines neuen Konjunkturpakets hat die Verhandlungen, bei denen auch das Weiße Haus mitmischt, bislang ergebnislos gemacht.

Das bringt nicht nur die weiterhin vielen Arbeitslosen und Kleinunternehmer wie Szuter in Bedrängnis. Mit dem neuen rasanten Anstieg von Neuinfektionen in den USA ist auch die Gefahr gewachsen, dass sich die Wirtschaft als Ganzes wieder abschwächt, da sich mehr Menschen dafür entscheiden, zum Schutz vor dem Virus weitgehend daheim zu bleiben.

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Und das wiederum könnte bedeuten, dass im nächsten Jahr sogar noch mehr Hilfsmittel benötigt werden als sie bei den jetzigen Verhandlungen im Spiel sind - und bislang von den Republikanern abgelehnt werden.

Die jüngsten Corona-Zahlen in den USA sprechen Bände. Nach Statistiken der Johns Hopkins University wurden am vergangenen Freitag und Samstag jeweils mehr als 83.000 Neuinfektionen registriert: Das liegt deutlich über früheren Rekordhöhen. Das Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington schätzt, dass die Zahl der Toten - derzeit ungefähr 227.000 - bis Anfang Januar 318.000 übersteigen könnte.

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Die meisten Analysten erwarten neues Programm im neuen Jahr

Seit September hatte sich das Geschäft in Szuters Restaurant mäßig wiederbelebt, zum großen Teil durch Gäste, die im Freien speisten - auf einem in eine Terrasse umgewandelten Straßenabschnitt. Szuter hat in Zelte und Heizkörper investiert, aber er sorgt sich, dass Kälte und Corona zunehmend mehr Menschen fernhalten werden.

Er verkauft Bier online und hat auch wieder Innenräume für Gäste geöffnet, aber letzteres Geschäft liegt um mehr als die Hälfte unter dem vor der Pandemie. Es sei ein mühsamer Kampf, sagt der 35-Jährige, dessen Mitarbeiterstab von 77 auf 55 gesunken ist. „Jede Art von zusätzlicher (finanzieller) Unterstützung wäre extrem hilfreich.“

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Es ist möglich, aber unwahrscheinlich, dass der derzeitige Kongress nach der Wahl am 3. November noch ein kleines Hilfspaket verabschiedet, bevor sich Anfang Januar der neue konstituiert. Wahrscheinlicher ist ein größer angelegtes Programm früh im neuen Jahr, insbesondere, wenn der Demokrat Joe Biden die Wahl gewinnt und die Demokraten die Mehrheit im Senat erobern.

Aber auch wenn Präsident Donald Trump wiedergewählt würde, erwarten die meisten Analysten zumindest ein bescheidenes Programm im nächsten Jahr.

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Programm vom März hatte Umfang von zwei Billionen Dollar

Angesichts der schlechten Aussichten auf neue Hilfen noch vor Ende Dezember haben Volkswirtschaftler der Investmentbank Goldman Sachs ihre Wachstumsprognose für das letzte Quartal 2020 von sechs auf drei Prozent auf Jahresbasis heruntergeschraubt. Eric Winograd, Chefökonom der Investmentmanagement-Firma AllianceBernstein, erwartet ein neues Konjunkturprogramm Anfang 2021 und für das Jahr dann ein solides Wachstum von 3,4 Prozent. Aber sogar bei einer solchen Rate würde die Wirtschaft vielleicht erst 2022 wieder das Maß erreichen, das sie vor der Pandemie hatte.

Das im März aufgelegte Programm hatte einen Umfang von zwei Billionen Dollar, brachte Geld in die Taschen von Arbeitslosen und anderen Bürgern, förderte die Bereitschaft zum Ausgeben und half Kleinunternehmen zu überleben. Die Maßnahmen hätten eine rezessive „Abwärtsspirale“ verhindert, sagt US-Zentralbankchef Jerome Powell.

Gemeint ist damit ein Szenario, in dem Arbeitslose ihre Ausgaben einschränken, was dann weitere Jobverluste und wiederum als Folge weitere Ausgabenreduzierungen auslöst. Ohne zusätzliche Hilfen, sagt Powell, könnten solche Dynamiken wieder drohen.

Das Paket, der sogenannte Cares Act, hatte die Einkommen in den USA sogar steigen lassen, obwohl Dutzende Millionen Menschen joblos geworden waren. Wöchentliche 600-Dollar-Zuschüsse zur Arbeitslosenhilfe aus der Bundeskasse und Einmal-Schecks in Höhe von 1200 Dollar für die meisten Amerikaner halfen vielen, etwas Geld anzusparen und damit weiter Ausgaben bestreiten zu können, als die 600-Dollar-Zahlungen Ende Juli ausliefen.

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Michael Brey ist Präsident des Unternehmens Hobby Works mit zwei Läden im US-Staat Maryland, die Puzzle, Modelleisenbahnen und andere Hobbyartikel verkaufen. Die Firma hat seit Beginn der Pandemie erhebliche Zuwächse bei ihren Online-Verkäufen verzeichnet, teils dank dem Cares Act - das hätten manche Kunden beim Bestellen sogar hervorgehoben, sagt Brey. Aber jetzt sorgt er sich, wie das Weihnachtsgeschäft ohne weitere Hilfen ausfallen wird. „Was werden alle diese Leute tun, die ihren Job nicht zurückerhalten haben?“

RND/AP

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