• Startseite
  • Politik
  • Steinmeier zum Jahrestag der Deutschen Einheit: Neue Gedenkstätte für Friedliche Revolution in der DDR angeregt

Steinmeier: “‘Wir sind das Volk’, das heißt: ‘Wir alle sind das Volk’”

  • Es gibt etliche Gedenkorte für das demokratische Deutschland: in Frankfurt die Paulskirche, in Weimar die Nationalversammlung, in Bonn das Museum König.
  • Doch ein Ort fehlt noch, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Tag der Deutschen Einheit.
  • Er schlägt die Einrichtung einer Gedenkstätte für die friedliche Revolution in der DDR vor.
3:18 min
“Noch immer existiert ein deutliches Lohngefälle zwischen Ost und West, noch immer haben sich östlich der Elbe zu wenige Unternehmen angesiedelt, und noch immer muss man in den Führungsetagen von Unternehmen, Universitäten, Ministerien, in der Justiz, den Medien und auch der Bundeswehr Ostdeutsche mit der Lupe suchen”, kritisierte Bundespräsident Steinmeier am Samstag bei einem offiziellen Festakt.  © Reuters
Anzeige
Anzeige

Potsdam. Zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Einrichtung einer Gedenkstätte für die friedliche Revolution in der DDR angeregt.

Wenn die friedliche Revolution auch heute Ermutigung sein könne, “dann schaffen wir doch auch eine Stätte, die an diesen Mut erinnert”, sagte Steinmeier am Samstag bei den zentralen Einheitsfeierlichkeiten in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam.

Sicherlich gebe es schon etliche Orte des Gedenkens seit der Wiedervereinigung. Aber brauche Deutschland nicht auch einen “herausgehobenen Ort”, der mehr als ein Denkmal sei, der an die Freiheits- und Demokratieimpulse der Friedlichen Revolutionäre erinnere, fragte der Bundespräsident. Einen Ort, der daran erinnere, “dass die Ostdeutschen ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen und sich selbst befreit haben”.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige
Video
Zahlen und Fakten: Wie einig sind Ost und West?
1:28 min
Am Tag der Deutschen Einheit wird an die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990 erinnert. 30 Jahre später stellt sich die Frage: Was trennt noch Ost und West?  © RND

Das Symbol der deutschen Freiheitsbewegung von 1848 sei die Paulskirche in Frankfurt/Main. Die erste Republik sei mit der Weimarer Nationalversammlung verbunden, das Grundgesetz mit Schloss Herrenchiemsee in Bayern und dem Museum König in Bonn.

“Noch längst nicht so weit, wie wir sein sollten”

“Einen solchen herausgehobenen Ort gibt es für die Friedliche Revolution nicht”, argumentierte Steinmeier. Die Revolutionäre hätten eine Diktatur zu Fall gebracht. “Das ist eine Sternstunde, die auf ewig Platz in unserer deutschen Demokratiegeschichte hat.”

Anzeige

30 Jahre nach der Wiedervereinigung sei Deutschland “noch längst nicht so weit, wie wir sein sollten. Aber zugleich sind wir viel weiter, als wir denken.” Der Umbruch habe die Menschen im Osten des Landes ungleich härter als im Westen getroffen. Es gebe noch immer zu viele Geschichten von zerstörten Biografien, von entwerteten Qualifikationen, von Orten, in denen eine ganze Generation fehle, weil die Jungen dort keine Zukunft gesehen hätten und weggegangen seien.

Es sei unterschätzt worden, wie langlebig Benachteiligungen sein könnten. Man müsse offen darüber sprechen. “Es ist wichtig, dass die Akten der Treuhand endlich offen sind”, sagte Steinmeier laut Manuskript.

Anzeige

Über damalige Entscheidungen werde mit 30 Jahren Abstand neu geurteilt und gestritten werden. “Nicht streiten müssen wir über die Frage, welche traumatischen Folgen die Abwicklung ganzer Betriebe hatte.”

“Wir sind das Volk” bedeute heute “‘Wir alle sind das Volk’: Bayern, Küstenbewohner, Ostdeutsche haben ihr eigenes Selbstbewusstsein. Landbewohner ticken anders als Städter. Christen, Muslime, Juden und Atheisten sind Teil unseres Landes.”

Ossis und Wessis gebe es weiterhin, aber diese Unterscheidung sei längst nicht mehr entscheidend. Durch das Zusammenwachsen von Ost und West, durch Zuwanderung und Integration sei Deutschland in den vergangenen 30 Jahren vielfältiger und unterschiedlicher geworden.

“Keine Pandemie kann uns daran hindern”

Und die Farben der demokratischen Geschichte Deutschlands seien die Farben Schwarz-Rot-Gold, “die Farben von Einigkeit und Recht und Freiheit. (...) Wir werden nicht zulassen, dass sie verdrängt, missbraucht oder vereinnahmt werden”, sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Demonstranten, die vor dem Bundestag die schwarz-weiß-rote Flagge des Deutschen Reiches von 1871 oder die Reichskriegsflagge geschwenkt hatten.

Anzeige

Die Deutschen könnten zurückschauen “auf den gemeinsamen Weg, den unser Land seitdem zurückgelegt hat, hin zu einem wiedervereinten, freiheitlichen und demokratischen Land in der Mitte Europas. (...) Darauf sind wir an diesem Tag zu Recht stolz – und: Keine Pandemie kann uns daran hindern.”

Im Gegenteil: “Unser Land zeigt in diesen Corona-Zeiten, dass wir zusammenstehen, dass wir stark sind und verantwortungsvollhandeln. (...) Die Pandemie wird uns die Zukunft nicht nehmen”, zeigte sich der Bundespräsident zuversichtlich. “Ja, wir leben heute in dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat. Lassen Sie uns allen denen danken, die daran mitgearbeitet haben.”

Und auch wenn das große Fest entfalle, “die Bedeutung des Tages bleibt. Der Tag der Einheit, ist ein wichtiger Moment der Freude, der Erinnerung und Ermutigung.”

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen