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Steinmeier: 80.000 Corona-Tote haben „tiefe Wunden geschlagen“

  • Deutschland gedenkt den etwas 80.000 Toten, die an oder mit Corona gestorben sind.
  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier richtet in seiner Rede den Blick auf „die menschliche Tragödie der Pandemie“.
  • Er fordert die Deutschen auf, sich durch das Virus und den erzwungenen Abstand nicht auch gesellschaftlich auseinandertreiben zu lassen.
1:49 min
Am Sonntag wurde im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt eine zentrale Gedenkfeier für die in der Corona-Pandemie Verstorbenen ausgerichtet. Gemeinsam mit den Verfassungsorganen und mehreren Hinterbliebenen von Corona-Opfern wollte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Zeichen im Sinne der Verstorbenen setzen.  © Reuters
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Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Gesellschaft in Deutschland zum Zusammenhalt in der Corona-Pandemie aufgerufen. In einer zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin erinnerte er am Sonntag an die fast 80.000 Toten und sprach den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus. Die Pandemie habe „tiefe Wunden geschlagen und auf schreckliche Weise Lücken gerissen“, sagte er. „Wir sind ermüdet von der Last der Pandemie, und wundgerieben im Streit um den richtigen Weg. Auch deshalb brauchen wir einen Moment des Innehaltens, einen Moment jenseits der Tagespolitik, einen Moment, der uns gemeinsam einen Blick auf die menschliche Tragödie der Pandemie erlaubt.“

Zugleich betonte das Staatsoberhaupt nach dem vorab veröffentlichten Redemanuskript: „Lassen wir nicht zu, dass die Pandemie, die uns schon als Menschen auf Abstand zwingt, uns auch noch als Gesellschaft auseinandertreibt!“

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An der von Steinmeier ausgerichteten Gedenkfeier nahmen fünf Hinterbliebene und die Spitzen der anderen vier Verfassungsorgane teil: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesratspräsident Reiner Haseloff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (alle CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth. Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) und ein Vertreter des Diplomatischen Korps waren ebenfalls zu der Veranstaltung gekommen, die unter strengsten Hygieneschutzmaßnahmen stattfand.

Steinmeier sagte: „Wir wollen heute als Gesellschaft derer gedenken, die in dieser dunklen Zeit einen einsamen und oft qualvollen Tod gestorben sind.“ Den um ihre gestorbenen Angehörigen Trauernden wolle man sagen: „Ihr seid nicht allein in Eurem Leid, nicht allein in Eurer Trauer.“

Neben der Trauer gebe es bei manchen Menschen auch „Verbitterung und Wut“, sagte Steinmeier. Er könne dies verstehen. „Die Politik musste schwierige, manchmal tragische Entscheidungen treffen, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern.“ Auch die Politik habe lernen müssen. Wo es Fehler und Versäumnisse gegeben habe, müssten diese aufgearbeitet werden, aber nicht an diesem Tag, sagte Steinmeier. „Meine Bitte ist heute: Sprechen wir über Schmerz und Leid und Wut. Aber verlieren wir uns nicht in Schuldzuweisungen, im Blick zurück, sondern sammeln wir noch einmal Kraft für den Weg nach vorn, den Weg heraus aus der Pandemie, den wir gehen wollen und gehen werden, wenn wir ihn gemeinsam gehen.“

RND/dpa

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