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Steigende Infektionszahlen in Europa: So ist die Lage bei Deutschlands Nachbarn

  • In ganz Europa steigt die Zahl der Corona-Infektionen rapide an.
  • Österreich, die Niederlande und weitere Länder greifen deswegen nun wieder zu schärferen Maßnahmen.
  • Wie ist die Corona-Lage in den Nachbarländern Deutschlands? Eine Übersicht.
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Tägliche Höchstwerte bei den Corona-Infektionszahlen, steigende Todeszahlen, volle Intensivstationen: Die Pandemielage in Deutschland spitzt sich weiter zu. Am Sonntag meldete des Robert Koch-Institut (RKI) 33.498 Neuinfektionen, die Inzidenz steigt bundesweit auf 289 an. Erste Politikerinnen und Politiker verschärfen deswegen die Maßnahmen – wenn auch vorerst vor allem regional.

Doch auch in ganz Deutschland könnten schon bald wieder strengere Restriktionen gelten. Kommenden Donnerstag treffen sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten erneut zu einer Bund-Länder-Runde, um eine gemeinsame Strategie für den Winter zu beraten. Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn forderte bei einer Pressekonferenz am Freitag die Einführung einer 2G-plus-Regelung.

Zu Veranstaltungen bekommen geimpfte und genesene Personen demnach nur mit einem negativen Schnelltest Zugang. Ab Samstag sind diese deswegen nun auch wieder kostenfrei verfügbar.

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Doch nicht nur in Deutschland grassiert das Virus nahezu ungebrochen. Europa wird mehr und mehr zu einem globalen Hotspot. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von diesem Mittwoch ist Europa die einzige Region weltweit, in der sowohl die Infektionszahlen als auch die Todesfälle wieder steigen.

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Zwei Drittel aller Corona-Fälle fallen auf diesen Kontinent, so die WHO. Und während die Zahl der Todesfälle weltweit um rund 4 Prozent zurückgegangen ist, meldeten 42 von 61 europäischen Ländern einen Anstieg um mindestens 10 Prozent.

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Wie ist die aktuelle Lage in Deutschlands Nachbarländern? Und welche Maßnahmen wurden dort bereits beschlossen? Eine Übersicht.

Österreich: Lockdown für Ungeimpfte beschlossen

Im Vergleich mit allen Nachbarländern sieht die Lage in Österreich momentan am schlechtesten aus. Am Samstag liegt die Sieben-Tage-Inzidenz laut Johns-Hopkins-Universität (JHU) bei 785. In den letzten sieben Tagen haben sich mehr als 67.000 Menschen mit dem Virus infiziert – bei rund 8,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Die stark steigenden Zahlen veranlassen die Politik fast täglich zu neuen Maßnahmen. Seit Anfang November gilt eine 3G-Regel am Arbeitsplatz, erst seit Beginn der Woche dürfen nur noch Geimpfte und Genesene in Lokale, zu Veranstaltungen und zum Sport sowie Tourismusangebote wahrnehmen. Jetzt kündete Bundeskanzler Alexander Schallenberg einen Lockdown für Ungeimpfte an, der ab Montag, 0 Uhr, gelten soll.

Für die Regionen Oberösterreich und Salzburg standen die Konsequenzen bereits vorab fest, die nun für alle gelten: Ungeimpfte dürfen ihre Wohnung nur noch aus einem triftigen Grund verlassen. Dazu zählen der Weg zur Arbeit, notwendige Besorgungen und um sich „die Füße zu vertreten“, sagt Schallenberg. Kontrollen soll es nur stichprobenartig geben. Zusätzlich kündigte Gesundheitsminister Mückstein eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe an. Für welche Berufe die Pflicht genau gelten und wann sie starten soll, ist bisher nicht bekannt.

Auch die deutsche Bundesregierung hat auf die hohen Infektionszahlen in Österreich reagiert. Von Sonntag an gilt das Land im Südosten von Deutschland als Hochrisikogebiet. Ungeimpfte Personen müssen sich nach ihrer Einreise demnach für zehn Tage in Quarantäne begeben. Ein Freitesten ist frühestens fünf Tage nach der Einreise möglich.

Niederlande im Teil-Lockdown

Auch in den Niederlanden ist die Zahl der Neuinfektionen auf einem traurigen Rekordhoch. Am Samstag gab die JHU die Sieben-Tage-Inzidenz mit 534,6 an – bei mehr als 16.000 Neuinfektionen. Das niederländische Institut für öffentliche Gesundheit hatte noch am Donnerstag ebenfalls rund 16.000 positive Fälle gemeldet, die Inzidenz lag da noch bei 501.

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Die niederländische Regierung setzt daher seit Freitag auf einen dreiwöchigen Teil-Lockdown. Landesweit müssen dann Gaststätten und Supermärkte bereits um 20 Uhr ihre Türen schließen, andere Geschäfte bereits um 18 Uhr. Die Beschränkungen greifen auch in den privaten Raum: Bürgerinnen und Bürger dürfen demnach nur noch vier Personen zu Hause empfangen. Sportwettkämpfe finden ohne Publikum statt, für Kinos und Theater gilt hingegen weiter die 3G-Regel. Am Freitag kam es aufgrund der neuen Maßnahmen zu Protesten.

Erst im Oktober wurden in den Niederlanden viele Maßnahmen, wie die Abstandsregelung sowie die Maskenpflicht, aufgehoben. Doch kurz darauf musste die geschäftsführende niederländische Regierung bereits zurückrudern.

Belgien

Im zweiten Benelux-Staat Belgien mit rund 11 Millionen Einwohnerinnern und Einwohnern ist die Situation noch schlimmer. Laut den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität (JHU) liegt die Inzidenz bei 524, in den letzten sieben Tagen haben sich 70.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Menschen, die in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, steigt ebenfalls stetig. Wie das belgische Gesundheitsamt mitteilte, wurden in der Woche vom 4. bis zum 10. November im Schnitt 204 Patientinnen und Patienten täglich eingeliefert – was ein Anstieg von mehr als 24 Prozent im Vergleich zur Vorwoche ist.

Eine ähnliche Verschärfung der Maßnahmen wie in den Niederlanden ist nach aktuellen Kenntnissen nicht geplant. Vor zwei Wochen wurde lediglich das Tragen der Masken verschärft. Bürgerinnen und Bürger müssen damit im Vergleich zu vorher in Innenräumen ihren Mund und ihre Nase bedecken. Zusätzlich gilt das System des „Covid-Safe-Tickets“, das als 3G-Nachweis für Veranstaltungen genutzt wird.

Der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo lehnt es bisher ab, drastischere Maßnahmen zu veranlassen, da 85 Prozent der Erwachsenen geimpft sind. „Letztes Jahr hätten wir in einer Situation wie dieser bestimmte Aktivitäten untersagt. Heute halten wir alles offen, verwenden einen Impfpass oder tragen Masken“, sagte De Croo.

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Ab Sonntag Hochrisikogebiet: Ernste Corona-Lage in Tschechien

Tschechien zählt wie Österreich seit diesem Freitag zu den Hochrisikogebieten. Denn auch dort steigen die Fallzahlen seit Mitte Oktober deutlich an. Am Freitag lag die Inzidenz laut JHU bei 613. Insgesamt haben sich in den letzten sieben Tagen mehr als 63.000 Personen neu infiziert. Seit dem 1. November gelten bereits verschärfte Maßnahmen. So gilt in Restaurants, Clubs und Discotheken die 2G-Regel, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Innenräumen ist außerdem Pflicht.

Die 2G-Regel ist eine der Maßnahmen, die die Regierung ergreift, um die Impfquote zu erhöhen. Aktuell sind rund 6,17 Millionen der knapp 10,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner geimpft. Eine Schockkampagne soll die Ungeimpften zum Umdenken bewegen. Ähnlich wie bei den abschreckenden Bildern auf Zigarettenschachteln zeigt eine Anzeigenaktion des Gesundheitsministeriums eher unschöne Bilder. Auf einem Bild ist ein toter Mann auf einer Intensivstation zu sehen, der in einen blauen Leichensack gelegt wird. Im Text dazu steht: „Er hatte zu viele Ausreden.“

Um den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten, sollen alle Schülerinnen und Schüler zwischen dem 22. und dem 29. November mit einem Antigen-Schnelltest getestet werden.

Schon vorbei mit der „neuen Realität“ in Dänemark?

Noch vor zwei Monaten schien es so, als sei Corona in Dänemark Geschichte. Mit dem 10. September wurden alle Maßnahmen aufgehoben. In Clubs oder bei Konzerten musste niemand mehr einen Corona-Pass vorlegen, und auch eine Maskenpflicht hat es nicht mehr gegeben.

Doch mit der „neuen dänischen Realität“ ist nun erst mal Schluss. Die Inzidenz ist laut JHU auf 335 gestiegen, in den vergangenen sieben Tagen haben sich mehr als 17.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Somit gab es zuletzt die höchsten Tageswerte des Jahres.

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Ende der Corona-Maßnahmen – Freude in Dänemark
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Seit gut einer Woche sind die Corona-Maßnahmen in Dänemark vollständig beendet. Wie empfinden die Dänen die Rückkehr in die Normalität?  © RND

Deswegen wird im nördlichsten Nachbarn Deutschlands vor Veranstaltungen oder Restaurants nun auch wieder überprüft, ob die Kundinnen und Kunden geimpft, getestet oder genesen sind. Diese Regelung gilt für manche sogar am Arbeitsplatz.

Wie der geschäftsführende Arbeitsminister Mattias Tesfaye am Freitag mitteilte, sollen Betriebe künftig die Möglichkeit bekommen, von ihren Angestellten einen solchen Nachweis einfordern zu können. Höchste Priorität der Regierung sei, die dänische Gesellschaft im Winter sicher durch die Pandemie zu bringen, sagte Tesfaye am Vormittag in Kopenhagen.

Senioren­einkaufsstunden in Polen

Obwohl die Infektionszahlen in Polen noch nicht wieder die Höchstwerte aus dem April 2021 erreicht haben, steigen die Zahlen seit Anfang Oktober permanent. Zuletzt meldete die JHU mehr als 19.000 Fälle innerhalb eines Tages, die Inzidenz liegt bei 262, und 274 weitere Menschen starben an den Folgen des Virus.

Bereits vor einer Woche reagierte die Regierung auf die Lage. Wegen des erhöhten Infektionsgeschehens wurden erneut Senioren­einkaufsstunden eingeführt. So sollten täglich zwischen 10 und 12 Uhr lediglich Menschen über 60 Jahre in Geschäften, Apotheken und Drogerien behandelt werden. Außerdem herrscht eine strenge Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, auch im Freien, sowie eine Kontaktbeschränkung für Feiern.

In Polen sind verhältnismäßig wenige Menschen geimpft. Lediglich 54,1 Prozent haben die erste Impfung erhalten, 53,2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger haben den vollständigen Impfschutz. Im Vergleich zu allen direkten Nachbarländern Deutschlands schneidet Polen damit am schlechtesten ab.

„Nationale Impfwoche“ gegen Impfgegner in der Schweiz

In der Schweiz steigen die Infektionszahlen zwar ebenfalls, doch die Lage scheint entspannter zu sein als in den bisher beschriebenen Ländern. Von den Rekordzahlen im November letzten Jahres, als sich laut JHU mehr als 20.000 Personen an einem Tag mit dem Virus infizierten, sind die aktuellen Werte weit entfernt. Während die Inzidenz bei 247 liegt, vermeldete das Bundesamt für Gesundheit rund 3900 Neuinfektionen für das 8,5‑Millionen-Einwohner-Land.

Aufgrund der gemäßigten Lage hat die Regierung bisher keine sonderlich strengen Maßnahmen ergriffen. Vielerorts gilt die 3G-Regel sowie eine Maskenpflicht in Innenräumen. Ende des Monats stimmen die Schweizerinnen und Schweizer zum zweiten Mal über ein Covid-Gesetz ab.

Doch auch in der Schweiz ist die Impfquote im Vergleich eher niedrig. 64,3 Prozent sind zweimal geimpft, knapp 66 Prozent haben bisher eine Impfung erhalten. Deswegen veranstaltet die Regierung in dieser Woche die „nationale Impfwoche“ mit Impfbussen, „Live-Impf-Talks“ sowie Gratis-Open-Air-Konzerten. Das Problem: Es gibt viele Skeptikerinnen und Skeptiker in der Schweiz – vor allem im deutschen Teil –, die teilweise noch lauter demonstrieren als die „Querdenker“-Szene in Deutschland.

Gesundheitsminister Alain Berset blickt trotzdem optimistisch auf die Impfwoche: „Es lohnt sich, weil jede Impfung zählt. Mit 150 Impfungen kann eine Hospitalisierung auf der Intensivstation vermieden werden.“

Frankreich

Am besten sieht die Lage aktuell in Frankreich aus. Die Inzidenz liegt laut JHU bei „niedrigen“ 91, die Zahl der täglichen Neuinfektionen steigt vergleichsweise wenig an, und auch die Zahl der Menschen, die an den Folgen einer Infektion sterben, bewegt sich im niedrigen zweistelligen Bereich.

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RKI rät zu harten Maßnahmen: Veranstaltungen absagen und Kontakte reduzieren
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Angesichts der rasch steigenden Corona-Zahlen rät das RKI zu harten Maßnahmen. Auch Geimpfte sollten sich schützen.  © dpa

Allerdings ist die Inzidenz innerhalb von einer Woche um 40 Prozent gestiegen. Deswegen erhöht Präsident Emmanuel Macron den Druck bei der Impfung. In einer Fernsehansprache wandte sich Macron in dieser Woche erneut an alle Französinnen und Franzosen. Besonderer Fokus lag dabei auf den Booster-Impfungen: Bis zum 15. Dezember sollten sich alle Menschen über 65 Jahre eine Auffrischimpfung holen, andernfalls müssten sie im Restaurant, Kino oder Theater einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Generell gilt in Frankreich seit September eine Impfpflicht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen, Pflegediensten, Rettungsdiensten und der Feuerwehr. Die 3G‑Regel greift beim Einlass in die Gastronomie sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen und eine Reise mit dem Fernzug.

Hinweis: Die Werte für die Sieben-Tage-Inzidenz wurden den jeweiligen Behörden am Samstag gemeldet.

mit dpa

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