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  • Statt Sommerferien: Bundeselternrat fordert Förderkurse für Schüler und Fortbildungen für Lehrer

Corona: Sollen Lehrer in den Sommerferien nachsitzen?

  • In der Corona-Krise ist viel Unterricht ausgefallen – die Bildung der deutschen Schüler hat gelitten.
  • Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, sagt, es gebe “Wichtigeres als die Sommerferien”.
  • Er fordert Förderkurse für schwächere Schüler und Fortbildungen zum digitalen Unterrichten für die Lehrer.
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Berlin. Der Bundeselternrat fordert, dass sich Lehrer angesichts der Corona-Krise in den Ferien digital fortbilden und sich in Förderangeboten für schwächere Schüler engagieren. “Es gibt Wichtigeres als die Sommerferien”, sagte der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Für uns Eltern ist es keine Frage, dass es für Lehrer in den Sommerferien Fortbildungen in Sachen digitales Unterrichten geben muss”, setzte er hinzu. Das sei auch im ureigenen Interesse der Lehrer, die mit diesen Fertigkeiten durch das nächste Jahr kommen müssen.

Wassmuth betonte zudem: “Es muss auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass Lehrer sich in den Ferien für Förderangebote für schwächere Schüler engagieren.” Er sagte: “Ich bin fest überzeugt, dass sehr viele Lehrer dazu bereit sind. Die Situation ist nun einmal eine, wie wir sie noch nie hatten.”

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Sollen Lehrer jetzt also Sonderschichten in den Ferien einlegen? Dass es einen Bedarf gibt, gerade schwächeren Schülern jetzt zu helfen, bezweifelt keiner.

Wer droht, den Anschluss zu verlieren?

“Geht ein Drittel eines Schuljahres verloren, so geht das im Mittel später mit 3 Prozent geringerem Lebenseinkommen einher”, hat der Chef der Pisa-Studie, OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, mit Blick auf die Schulschließungen in der Corona-Krise festgestellt. “Insbesondere aber trifft es Schüler aus sozial benachteiligten Zusammenhängen, die den Anschluss oft nur sehr schwer wiederfinden”, so lautete seine unmissverständliche Warnung.

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Was also tun? In Schleswig-Holstein beispielsweise wird das Programm “Lernsommer” aufgelegt, mit dem Schulen Kindern in den Sommerferien ein Angebot machen können. Das Ziel ist, dass insbesondere Schüler aus bildungsfernen Schichten und schwierigen finanziellen Verhältnissen Lücken in Deutsch, Mathematik und Englisch schließen können. Die Teilnahme ist für Schüler aber freiwillig. Auch kein Lehrer ist zum Mitmachen verpflichtet.

Kein Zwang – darauf legen Lehrerverbände größten Wert. “Wir sind für freiwillige Angebote”, sagte die Vorsitzende des Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, dem RND. “Dafür wäre es hilfreich, wenn die Länder aufhören würden, einem Teil der Lehrer vor den Sommerferien zu kündigen und sie erst hinterher wieder einzustellen.”

Was ist mit den Referendaren?

Und sie hat noch einen Vorschlag: “Wie wäre es zum Beispiel, jetzt fertig ausgebildete Referendare nicht erst nach den Sommerferien einzustellen, sondern schon zu Beginn?” Sommerkurse würden das Problem ohnehin nur bedingt lösen. "Wir brauchen ausreichend Lehrer, um gute Förderangebote über das ganze Jahr sicherzustellen.“

Die Vorsitzende des Philologenverbandes, in dem vor allem Lehrer am Gymnasium Mitglied sind, betonte, an dieser Schulform hätten viele Lehrer in den vergangenen Monaten über das normale Maß hinaus Dienst getan – um die Abiturprüfungen sicherzustellen und die Schüler im Präsenz- und Fernunterricht zu betreuen. “Deshalb steht ihnen auch die unterrichtsfreie Zeit der Sommerferien für Urlaub und Vorbereitung auf das neue Schuljahr zu”, sagte Lin-Klitzing.

Wären die Lehrer denn bereit, sich in den Sommerferien in Sachen digitales Unterrichten fortbilden zu lassen – insbesondere für den Fall, dass die Schulen mit Blick auf negative Entwicklungen bei den Corona-Infektionszahlen doch wieder komplett geschlossen werden müssten? In einer Umfrage der Gewerkschaft GEW hatten die Lehrer jedenfalls selbst einen großen Bedarf an solchen Fortbildungen angemahnt. Eltern berichten über eine sehr unterschiedliche Qualität der Angebote der Lehrer für ihre Kinder in der Zeit des Homeschoolings.

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“Das Problem ist nicht, dass Lehrer nicht bereit wären, sich digital fortbilden zu lassen”, sagt Lin-Klitzing. “Das Problem ist, dass es oft am Fortbildungsangebot fehlt.” Sie forderte: “Dieses sollte es über das ganz Jahr geben – dann können Lehrer selbst entscheiden, wann sie teilnehmen wollen.”

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