“Star Wars”, Cancel Culture und die Post

  • In den USA geht es nach der großen, epischen Joe-Biden-Show heute um die reibungslose Durchführung der Briefwahl.
  • Die Demokraten befürchten Sabotage aus dem Weißen Haus.
  • In Deutschland schlägt die Debatte um Kabarettisten hohe Wellen.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Präsidentschaftswahlkampf in den USA hat zumindest rhetorisch in dieser Woche epische Maße angenommen. Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, hat das Rennen ums Weiße Haus nun zum ultimativen Kampf von Gut gegen Böse erklärt. Im Duktus von Luke Skywalker in der Weltraumsaga “Star Wars” erklärte der 77-Jährige in seiner Nominierungsrede dem amerikanischen Volk, der derzeitige Präsident habe Amerika in Dunkelheit gehüllt. “Ich werde ein Verbündeter des Lichts sein, nicht der Düsternis.” RND-Washington-Korrespondent Karl Doemens berichtet – und schätzt die Chancen Joe Bidens ein.

Ob die US-Wahl Anfang November tatsächlich reibungslos vonstattengehen wird, steht noch in den Sternen. Die US-Demokraten haben für heute das Repräsentantenhaus vorzeitig aus der Sommerpause zitiert, um sicherzustellen, dass die US-Post genug Kapazitäten und Geld hat, um eine sichere Briefwahl zu bewerkstelligen.

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Die Demokraten werfen US-Präsident Donald Trump und Postchef Louis DeJoy vor, inmitten der Corona-Pandemie gezielt die Post zu schwächen, um Briefwahlen bei der Präsidentschaftswahl im November zu torpedieren. Zumal DeJoy ein früherer Großspender und Spendensammler für Trumps Republikanische Partei ist. Auch das erinnert eher an ein Bösewichtdrama aus Hollywood denn an einen Wahlkampf in der ältesten Demokratie der Welt. Möge die Macht mit ihnen sein.

Video
Biden in Nominierungsrede – werde das Beste aus uns herausholen
0:53 min
Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten hat die Nominierung angenommen.  © RND

Auch hierzulande wird der politische Diskurs rauer – und unversöhnlicher. Das Schlagwort der Cancel Culture macht die Runde, seit Auftritte von umstrittenen Kabarettisten und Kolumnisten abgesagt wurden, weil sie unliebsame und zum Teil grenzwertige Meinungen zum Ausdruck bringen. RND-Korrespondent Jan Sternberg hat sich in Dresden einen Auftritt der umstrittenen österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart angeschaut – unter Polizeischutz. Außerdem hat er mit Kolumnist Harald Martenstein und Schauspieler Uwe Steimle über die immer wieder neu auszuhandelnde Frage gesprochen: Was darf Satire?

Corona hat auch die weltweite Klimaschutzbewegung ordentlich gebremst. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, durfte Greta Thunberg in dieser Woche bei Bundeskanzlerin Angela Merkel vorsprechen. Heute wollen die Umweltschützer erneut Aufmerksamkeit: Ein Aktivist von Extinction Rebellion will eine sehr große Weltkugel durch das Brandenburger Tor rollen, um auf den Global Earth Overshoot Day aufmerksam zu machen. Nach ihren Berechnungen sind alle im laufenden Jahr nachwachsenden Ressourcen heute für dieses Jahr aufgebraucht. Ab jetzt, 22. August, leben wir also umwelttechnisch auf Pump.

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Der Tag Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Am Samstagmorgen ist nach langem Hin und Her das Flugzeug mit dem russischen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in Richtung Berlin abgehoben. Der 44-Jährige, der als einer der schärfsten Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin gilt, liegt seit Donnerstag im Koma und wird künstlich beatmet. Seine Angehörigen vermuten, dass er vor seiner Rückreise aus Sibirien nach Moskau am Flughafen von Tomsk vergiftet wurde - aus Sicht russischer Ärzte gibt es dafür jedoch keinen Beleg. Es ist ein Fall mit vielen offenen Fragen, die auch dieses Wochenende bestimmen werden.

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Zitat des Tages

Im Ernst, der Präsident ist ein kluger Mensch, er versteht die Dinge. Er hat seine eigenen Vorstellungen davon, drückt sich anders aus, aber er ist ein ziemlich kluger Kerl.

Anthony Fauci, Immunologe und Chefberater des US-Präsidenten Donald Trump in der Corona-Krise, im “Spiegel”

Leseempfehlungen

Sollen wir öffentlich um die Corona-Toten trauern? Die Corona-Toten sind in Deutschland vor allem eines: eine reine Zahl. Anders als andere Länder verzichtet Deutschland auf öffentliches Gedenken. Dafür gibt es auch gute Gründe, meinen Experten. Dennoch könnte die Pandemie ein Anlass sein, grundsätzlich über unseren Umgang mit dem Tod nachzudenken, schreibt RND-Redakteurin Anna Schughart.

Fernsehproduzenten stehen vor großen Herausforderungen – allerdings weniger politisch, sondern vielmehr wegen der aktuellen Pandemie. Kann überhaupt weitergedreht werden? Und wenn ja, wie inszeniert man eine Liebesszene? Wie nah kommt man sich bei Actionszenen? RND-Redakteurin Hannah Scheiwe hat darüber mit “Notruf Hafenkante“-Hauptdarstellerin Sanna Englund gesprochen – und erklärt, wie die erfolgreiche ZDF-Serie pro Tag bis zu neun Minuten TV-Material produziert.

Der Schnappschuss des Tages

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In Kalifornien kämpfen mehr als 10.000 Feuerwehrleute gegen zwei Dutzend Großbrände an. Die Flammen haben – wie hier in Napa County – Tausende Menschen aus ihren Häusern getrieben, mindestens fünf Menschen kamen ums Leben. © Quelle: Noah Berger/AP/dpa

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

aus dem RND-Newsroom: Ihr Dirk Schmaler

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