Spenden sammeln für den Impfstoff: Europa muss dranbleiben

  • Jeder für sich allein, so lautet die traurige und tödliche Devise im Kampf gegen das Coronavirus.
  • Immerhin sammeln die Europäer jetzt Geld für die Erforschung und gerechte Verteilung eines Impfstoffs.
  • Aber sie müssen auch garantieren, dass das Geld eingeht und seinen Zweck erfüllt, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Nach dem Ausbruch der Ebolaepidemie 2014 beeilte sich die US-Regierung, ein Bündnis gegen die Seuche zu schmieden. Der damalige US-Präsident Obama entsandte Tausende Ingenieure und Logistiker der US-Armee nach Westafrika, um die Not zu lindern und das Virus an der Ausbreitung zu hindern. Amerika ging voran – und viele Staaten folgten. Europäer, Chinesen und Südamerikaner halfen mit Geld, Material und Personal. Erst diese internationale Allianz bekam das Virus in den Griff.

Jetzt, in der Corona-Krise, ist vom Führungsanspruch Amerikas nichts mehr übrig.

Kein Staat hat die Macht und die Mittel, anstelle der USA mit gutem Beispiel voranzugehen und die Kräfte aller zur Eindämmung des Virus zu bündeln. Jeder kämpft für sich allein. Weil die Kluft zwischen armen und reichen Staaten gewaltig ist, droht dieser Kampf um Tests, Medikamente und Impfstoff brutal und verlustreich zu werden.

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Die EU füllt die Lücke – ein bisschen

Gut, dass die Europäer versuchen, etwas von der Leerstelle zu besetzen, die die USA unter Führung von Trump hinterlassen. Die von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen einberufene Geberkonferenz zur Erforschung und gerechten Verteilung eines Corona-Impfstoffs setzt ein Zeichen der internationalen Solidarität zu einer Zeit, da sich nationalistischer Egoismus schneller ausbreitet als Corona.

Video
Merkel spricht in Videopodcast über Corona-Impfstoff
1:42 min
Die Bundeskanzlerin kündigte am Samstag in ihrem Videopodcast einen “deutlichen” Beitrag von Deutschland für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs an.
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Trump ist außen vor. Leider deutet der US-Präsident die Suche nach einem Impfstoff als nationalen Wettstreit. Immerhin sind wichtige US-Akteure wie die Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung beteiligt.

Gesten reichen nicht

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Doch Gesten allein können gegen das Virus nichts ausrichten. Das zugesagte Geld muss tatsächlich bei den Ärmsten ankommen. Kreative Buchführung bei der Anrechnung von Spenden muss verhindert werden. Soll die Geberkonferenz nicht als PR-Nummer verpuffen, muss ihr rasch eine öffentliche Bestandsaufnahme folgen. Europa muss jetzt dranbleiben.




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