Gebeine von Diktator Franco von Heldenfriedhof verbannt

  • Die spanische Regierung will die Gebeine des früheren Diktators Francisco Franco umbetten.
  • Weil seine Familie sich dagegen wehrt, geht der Fall bis vors Oberste Gericht.
  • Das hat nun entschieden: Die Exhumierung darf stattfinden.
Anzeige
Anzeige

Madrid. Die spanische Regierung darf die Gebeine des ehemaligen Diktators Francisco Franco (1892-1975) exhumieren. Das entschied der Oberste Gerichtshof am Dienstag, wie der spanische Rundfunk berichtete. Die Richter genehmigten zudem einstimmig, dass die Regierung Franco in einem Madrider Vorort beisetzen darf.

Die Familie Francos hatte gegen ein entsprechendes Vorhaben geklagt. Die Angehörigen hatten zudem durchsetzen wollen, dass Franco in der Almudena-Kathedrale in der Innenstadt von Madrid bestattet wird, sollte der Oberste Gerichtshof die Exhumierung aus dem jetzigen Mausoleum im sogenannten Tal der Gefallenen vor der Hauptstadt gestatten.

Franco soll vor den spanischen Wahlen umgebettet werden

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Die spanische Vizeregierungschefin Carmen Calvo erklärte im Anschluss an die Urteilsverkündung im Rundfunksender Cadenaser, die Entscheidung sei rechtskräftig und zu vollstrecken. Franco solle noch vor den spanischen Wahlen am 10. November umgebettet werden. Im Familiengrab in Mingorrubio sei gewährleistet, dass es zu keiner Verherrlichung der Diktatur komme, wie bislang im Tal der Gefallenen.

Lesen Sie auch: Mehrere Tote nach heftigen Regenfällen in Spanien

Der Vatikan habe zudem zugesichert, sich einer Umbettung nicht zu widersetzen, sagte Calvo. Der Benediktinerorden im Tal der Gefallenen hatte während der jahrelangen, öffentlichen Debatten um die Umbettung erklärt, eine Exhumierung sei eine Störung der Totenruhe.

Franco befehligte Zehntausende Zwangsarbeiter

Anzeige

Franco hatte kurz nach seinem Sieg im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) den Bau der Gedenkstätte Tal der Gefallenen in der Gebirgskette Sierra de Guadarrama vor Madrid angeordnet. Dabei haben Zehntausende Zwangsarbeiter eine 262 Meter lange Basilika in den Berg gehauen, ein 152 Meter hohes Kreuz aus Beton auf dem Felsen ist weithin sichtbar. Nach seinem Tod am 20. November 1975 wurde Franco dort am Fuße des Altars bestattet.

Lesen Sie auch: Spaniens König will politische Blockade beenden

Anzeige

Das spanische Parlament hatte 2017 und 2018 für eine Exhumierung des Tals der Gefallenen gestimmt. Die Regierung hatte zuletzt erklärt, Franco im Juni exhumieren zu wollen. Doch der Oberste Gerichtshof hatte dies untersagt, da eine Klage der Familie Francos gegen das Vorhaben vorliege.

RND/epd