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Migranten-Krise in Ceuta: Rund 4800 Menschen bereits wieder abgeschoben

  • Am Montag und Dienstag waren rund 8000 Migranten nach Ceuta gekommen.
  • Inzwischen hat sich die Lage in der spanischen Nordafrika-Exklave relativ beruhigt.
  • Laut Innenministerium erhöhte sich die Zahl der wieder nach Marokko abgeschobenen Menschen auf etwa 4800.
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Madrid/Ceuta. Nach zwei chaotischen Tagen mit der Ankunft von rund 8000 Migranten hat sich die Lage in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta am Mittwoch relativ beruhigt. Die Zahl der wieder nach Marokko abgeschobenen Menschen erhöhte sich unterdessen auf circa 4800, wie ein Vertreter des spanischen Innenministeriums in Ceuta weiter mitteilte.

Viele seien freiwillig zurückgekehrt, hieß es. Diesen amtlichen Angaben zufolge belief sich die Zahl der neuen Ankünfte unterdessen „praktisch auf Null“.

Die rund 8000 Menschen waren Montag und Dienstag in Ceuta und damit faktisch in die EU eingedrungen. So viele Menschen waren innerhalb so kurzer Zeit (ca. 36 Stunden) noch nie nach Ceuta gekommen. Zuvor hatte Marokko die Grenzkontrollen zur Enklave gelockert.

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Nach Massenflucht aus Marokko: Spanien schiebt Geflüchtete in Ceuta schnell wieder ab
2:18 min
Auf Fernsehbildern waren gepanzerte Fahrzeuge am Strand in der spanischen Exklave Ceute zu sehen, während weitere Migranten aus dem Wasser stiegen.  © Reuters

Spanien verschärft Ton gegenüber Marokko

Spanien verschärfte derweil die Kritik an Marokko. „Das ist ein Akt der Auflehnung“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Mittwoch vor dem Parlament in Madrid, einen Tag nach seinem Besuch in Ceuta. Die fehlenden Grenzkontrollen durch Marokko zeigten mangelnden Respekt nicht für Spanien, sondern für die Europäische Union.

Auch Außenministerin Arancha González Laya verschärfte ihren Ton gegenüber Marokko. Sie erklärte zum ersten Mal öffentlich, Marokko habe mit der Lockerung der Grenzkontrollen auf die medizinische Hilfe für den an Covid-19 erkrankten Chef der Polisario-Front, Brahim Ghali, in Spanien reagiert. Die Gruppe kämpft für die Unabhängigkeit der Westsahara, eines Territoriums, das Marokko 1975 annektierte. Marokko war verärgert über die Aufnahme Ghalis.

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„Es zerreißt uns das Herz, wenn wir sehen, wie unsere Nachbarn Kinder, selbst Babys, schicken, weil sie eine humanitäre Geste von unserer Seite ablehnen“, sagte die Ministerin einem spanischen Rundfunksender.

Beobachter in Spanien sind davon überzeugt, dass ein Streit über die Westsahara, die bis 1975 spanische Kolonie war, die Krise ausgelöst hat. Marokko beansprucht große Teile des dünn besiedelten Gebiets an der Nordatlantikküste. Rabat ist verärgert, weil der Chef der dortigen Unabhängigkeitsbewegung Polisario, Brahim Ghali, in einem spanischen Krankenhaus behandelt wird. Die Lockerung der Grenzkontrollen sei eine Art Vergeltungsaktion gewesen, hieß es.

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Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien in Nordafrika weiterhin zwei Exklaven: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Beide werden von Rabat beansprucht.

In der Nähe beider Gebiete harren Zehntausende Afrikaner vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Gelegenheit, in die EU zu kommen. Meistens versuchen mehrere hundert Menschen auf einmal, über die Grenze zu kommen. Mutmaßlich wegen der Corona-Pandemie hatte es zuletzt vergleichsweise nur wenige solcher Aktionen gegeben.

In Ceuta verbrachten Tausende Migranten die Nacht in einem überfüllten Lagerhaus oder wo immer sie einen Platz fanden. Viele waren erschöpft, nachdem sie durch das Meer geschwommen oder Zäune überklettert hatten, um europäisches Gebiet zu erreichen. Das spanische Innenministerium teilte mit, ewa die Hälfte der Menschen sei bereits zurück nach Marokko geschickt worden. Es seien jedoch viele unbegleitete Minderjährige angekommen, die laut spanischen Anwälten den Behörden übergeben werden müssen.

Viele Geschäfte blieben am Mittwoch in Ceuta geschlossen. Die Schulen berichteten, eine Mehrheit der Schüler sei nicht zum Unterricht erschienen.

RND/dpa/AP

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