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Spahn: Negativer Corona-Test darf nicht in falscher Sicherheit wiegen

  • Eine Ausweitung von Corona-Tests sei gut, befindet Gesundheitsminister Jens Spahn.
  • Ein negativer Test dürfe jedoch nicht in falscher Sicherheit wiegen, sagte Spahn in einem Interview.
  • So sieht es auch das Land Baden-Württemberg - und lehnt den Vorstoß des Nachbarlandes Bayern ab, die Bürger flächendeckend zu testen.
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Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist für die Ausweitung von Corona-Tests in Deutschland, warnt aber vor einer Überbewertung der Ergebnisse. "Umfangreiches Testen ist sinnvoll, insbesondere um regionale Ausbrüche schnell einzudämmen. Dazu haben wir das Testkonzept des Bundes bereits vor Wochen angepasst", sagte Spahn am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zusätzliche Testangebote durch die Länder könnten das ergänzen. "Allerdings ist ein Test immer nur eine Momentaufnahme. Er darf nicht in falscher Sicherheit wiegen."

Bayern hatte zuvor angekündigt, dass sich dort künftig jeder auf das Corona-Virus testen lassen kann, unabhängig davon, ob er Symptome hat oder einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Die Kosten will das Land übernehmen, sofern kein Anspruch auf Erstattung etwa durch die Krankenkasse besteht.

Spahn hatte bereits vor knapp drei Wochen eine Verordnung verkündet, die eine Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt, besonders in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas.

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Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat inzwischen auch Baden-Württemberg als Bayerns Nachbarland den Vorstoß von Söder abgelehnt, Corona-Tests für alle Bürger anzubieten und zu finanzieren.

Noch am Montag Schaltkonferenz der Gesundheitsminister

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“Die überwältigende Mehrheit aller namhaften Epidemiologen und Gesundheitsexperten hält nichts von einer flächendeckenden Testung ins Blaue hinein, sondern plädiert für eine gezielte und kluge Testung bestimmter Personengruppen und im Umfeld von lokalen oder regionalen Ausbrüchen”, sagte eine Sprecherin von Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) dem RND. “Hierüber bestand auch zwischen dem Bundesgesundheitsminister und allen GesundheitsministerInnen der Länder bislang einvernehmlicher Konsens.”

Das baden-württembergische Gesundheitsministerium kündigte für diesen Montag eine weitere Abstimmung aller Landesministerien zur Frage der anlasslosen Testungen an. “Die Gesundheitsminister werden sich heute in einer weiteren Schaltkonferenz nochmals mit dem Thema beschäftigen”, sagte die Sprecherin weiter.

Baden-Württembergs Gesundheits- und Sozialminister Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen). © Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Winfried Kretschmanns Gesundheitsminister Lucha sehe Bayerns Ansatz dabei kritisch: “Eine flächendeckende Testung aller Bürgerinnen und Bürger kann sich leicht als Mogelpackung entpuppen”, sagte sie Sprecherin. Jede Testreihe sei “immer nur eine winzige Momentaufnahme und hat deshalb keinen nachhaltigen Nutzen”: “Wer sich vor zwei Tagen infiziert hat und heute getestet wird, erhält mit großer Wahrscheinlichkeit einen negativen Befund und wiegt sich dann womöglich in falscher Sicherheit”, erklärte sie.

Minister Lucha plant demnach, an diesem Dienstag eine “erweiterte Teststrategie für Baden-Württemberg” in der Kabinettssitzung der Landesregierung und danach der Öffentlichkeit vorzustellen.

Zuvor hatte Bayern als erstes Bundesland angekündigt, Corona-Tests für alle Bürger ermöglichen - auf Wunsch auch für Menschen ohne Symptome und ohne besonders hohes Infektionsrisiko. Dafür übernehme das Land die Kosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Kritik von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, wonach viele Corona-Tests ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend seien, hatte Söder am Montag zurückgewiesen und zugleich auch andere Bundesländer aufgerufen, die Testkapazitäten zu erhöhen.

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Lauterbach fordert “zielgenaue Strategie” bei Test-Ausweitung

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert eine zielgenaue Strategie bei der Ausweitung von Corona-Tests in Deutschland. Es sei grundsätzlich richtig, dass Bayern eine große Test-Offensive starte, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden.” Im Herbst seien Massentests nötig. “Neue Studien deuten daraufhin, dass es stärker auf die Häufigkeit der Tests ankommt, in welchen Abständen ich Risikopersonen regelmäßig teste. Wir schauen bislang eher mit deutscher Gründlichkeit darauf, wie ungenau ein Test ist.”

RND/dpa

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