Datenschutz nur für Gesunde? Spahn muss dringend umdenken

  • Gesundheitsminister Spahn meint, Datenschutz sei nur etwas für Gesunde.
  • Der aufgedeckte Fall von Millionen frei zugänglicher Patienteninformationen zeigt, wie falsch dieser Ansatz ist.
  • Gerade im Gesundheitswesen muss der Schutz der sensiblen Daten Priorität haben, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Fluch und Segen liegen oft nah beieinander. Nicht anders ist es bei der Digitalisierung. So groß die Vorteile von Klinikdatenbanken, elektronischen Patientenakten, Onlinerezepten oder Fitnesstrackern sein mögen, darf eines nicht vergessen werden: Es gibt kaum sensiblere Daten als die über den eigenen Gesundheitszustand.

Für Arbeitgeber, Versicherungen oder Banken sind diese Informationen Gold wert. Stelle ich jemanden ein, der laut Trackerdaten schon beim Treppensteigen einen Puls von 200 hat? Ist ein Antragsteller kreditwürdig, der wegen eines Selbstmordversuchs in der Psychiatrie war? Wie ist es mit einer Hausratversicherung für einen Kunden, der wegen einer Demenz immer öfter vergisst, das Wasser abzudrehen?

„Datenschutz ist was für Gesunde“

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Selbstverständlich wäre eine Nutzung von Gesundheitsdaten auf diese Weise illegal. Doch das bedeutet keinen Schutz vor Missbrauch. Und der ist leicht zu bewerkstelligen, wie der gerade aufgedeckte Fall von ungeschützten Klinikdaten mit Millionen von Röntgen- und MRT-Aufnahmen zeigt.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich beim Thema Datenschutz bisher nicht hervorgetan. „Datenschutz ist was für Gesunde“ lautet seine Devise, die er zuerst 2016 in einem Buch vertreten hatte. Das war schon damals falsch, weil so getan wird, als könnten Kranke von der Digitalisierung nur profitieren, wenn sie den Schutz eigener Daten hintenanstellen.

Gerade für Gesundheitsinformationen müssen extrem hohe Schutzstandards gelten. Hier bestehen in Deutschland erhebliche Lücken. Das ist schon deshalb fatal, weil die Kassen ab 2021 jedem Versicherten eine elektronische Patientenakte anbieten müssen, die mit hochsensiblen Daten gefüllt werden soll. Spahn muss dringend umdenken und praktikable Lösungen liefern, wie Digitalisierung und Datenschutz miteinander vereint werden können.

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