Sommer, Sonne, Storno

  • In Deutschland kehrt das Leben zurück.
  • Doch im Schatten der neu gewonnenen Leichtigkeit breitet sich die Delta-Variante in Europa aus.
  • Das macht nicht nur den Urlaub kompliziert.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Tage werden wieder heller und Urlaubspläne sind keine Lockdown-Luftschlösser mehr. Zaghaft tasten wir uns zurück an neue alte Freiheiten. Doch die gefühlte Sicherheit ist eine trügerische. Denn die Delta-Variante befindet sich in Europa auf dem Vormarsch. Zum ersten Mal seit Wochen hat die Bundesregierung mit Portugal wieder ein EU-Land als Virusvariantengebiet eingestuft. Und plötzlich heißt es für viele Urlauberinnen und Urlauber: Sommer, Sonne, Stornierung.

Bis Montagabend, 23.59 Uhr, haben deutsche Portugal-Urlaubende Zeit, nach Hause zurückzukehren. Danach greift eine Quarantänepflicht. Dann heißt es wieder: 14 Tage Isolation. Kein Freitesten. Ein Umstand, der auch diversen Fluganbietern bewusst ist. Wer noch rechtzeitig nach Deutschland fliegen will, muss mittlerweile tief in die Tasche greifen. So gibt es die letzten Lufthansa-Tickets für Direktflüge am Sonntag und Montag ab 650 Euro. Wer eine Zwischenstation und zehn Stunden Reisezeit in Kauf nimmt, zahlt schlanke 300 Euro. Ab Dienstag sind Direktflüge übrigens bereits ab 30 Euro erhältlich. Immerhin: Der deutsche Reiseanbieter Olimar will mehrere Hundert Bundesbürgerinnen und Bundesbürger schnell zurückholen. RND-Autorin Miriam Keilbach beantwortet in ihrem Überblick die wichtigsten Fragen für Portugal-Reisende.

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Video
Delta-Variante könnte bis Ende August 90 Prozent der Neuinfektionen ausmachen
1:49 min
Der Anteil der ansteckenderen Variante an den Infektionen in Deutschland hat sich nach Daten des Robert Koch-Instituts innerhalb einer Woche verdoppelt.  © Reuters

Der Fall Portugal zeigt, wie heimtückisch die Delta-Variante ist. In Lissabon macht sie bereits mehr als 70 Prozent aller Corona-Fälle aus. Es wäre illusorisch, zu glauben, dass uns in Deutschland nicht das gleiche Schicksal ereilen könnte. Auch in Großbritannien schnellten die Neuinfektionszahlen auf ein Viermonatshoch – trotz hoher Temperaturen und Impfungen. Auf der Insel hat sich die Delta-Variante mittlerweile durchgesetzt. Es ist also keine Raketen­wissenschaft, wenn SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach moniert: „Es ist komplett unverständlich, warum es keine harten EU-weiten Einreise­beschränkungen für Reisende aus Großbritannien gibt. Das Mindeste wäre eine zehntägige Quarantäne mit erstem Test nach fünf Tagen für Briten in allen EU-Ländern.“

Österreich schrammt an Wunder vorbei

Die Briten und die Uefa wird das herzlich wenig interessieren. Denn im Londoner Wembley-Stadion wird ein Großteil der K.‑o.-Runde der Europa­meisterschaft ausgespielt. So auch gestern: Nach einem aufopferungsvollen Kampf scheiterten die Österreicher nur knapp an einem Fußballwunder. Erst in der Verlängerung mussten sich die Alpenkicker einer abgezockten italienischen Mannschaft mit 1:2 geschlagen geben. Die „Azzurri“ um Torhüter Gianluigi Donnarumma brachen zudem nach 88 Spielminuten den Uraltrekord von Torwartlegende Dino Zoff, der zwischen 1972 und 1974 satte 1143 Minuten ohne Gegentor blieb.

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Es bleibt zu hoffen, dass dieses Fußballfest auch in der Retrospektive für Rekorde, Emotionen und unglückliche Österreicher in Erinnerung bleiben wird – und nicht als paneuropäischer Superspreader in die Geschichte eingeht.

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Zitat des Tages

Es waren harte, lange dreißig Minuten.

Phan Thi, Augenzeugin der Messerattacke von Würzburg
Video
Augenzeugin berichtet von Messerattacke in Würzburg: „Es waren harte, lange 30 Minuten“
1:48 min
Phan Thi hatte im Restaurant gerade ihre Schicht begonnen, als Gäste von draußen panisch hereinstürmten. Was sie dann sah, wird sie nicht vergessen.  © RND

Auch am Tag nach der tödlichen Messerattacke von Würzburg sind die Menschen vor Ort immer noch wie benommen. Sie legen Blumen nieder, entzünden Kerzen. RND-Chefreporter Thorsten Fuchs war gestern in der Stadt und traf auf viel Trauer, Unglauben und das schwer in Worte zu fassende Gefühl: „Es hätte jeden von uns treffen können.“

Leseempfehlungen

Im Süden Madagaskars herrscht die schlimmste Dürre seit vier Jahrzehnten. 1,2 Millionen Menschen sind betroffen – laut Welthungerhilfe sind 14.000 von ihnen akut in Lebensgefahr. RND-Chefautor Matthias Koch schreibt über eine humanitäre Katastrophe, die sich ohne schnelle Hilfsmaßnahmen in den nächsten Wochen noch einmal massiv verschlimmern könnte.

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Krisengewinner ist kein schönes Wort. Und dennoch gibt es ohne Zweifel Unternehmen, die wirtschaftlich von der Corona-Pandemie profitiert haben. Vieles davon liegt an den neuen Gewohnheiten der Menschen. Wirtschaftsredakteurin Anne Grüneberg gibt einen Überblick.

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Mehrfach war der Rapper Sido ohne Führerschein Auto gefahren und auch noch geblitzt worden. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Oranienburg (Brandenburg) dafür verantworten. Und er kassierte dafür eine hohe Geldstrafe, wie die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Termine des Tages

Die erste Runde der Regionalwahlen in Frankreich hatte eine historisch niedrige Wahlbeteiligung. Morgen geht es in die zweite und entscheidende Abstimmung. Laut Umfragen könnte die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (früher: Front National) von Marine Le Pen in der südlichen Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur einen wichtigen Sieg einstreichen.

Bei der Fußball-Europa­meisterschaft werden die nächsten Viertelfinalisten gesucht. In zwei spannenden Partien treffen um 18 Uhr zunächst die Niederlande auf die Tschechische Republik und dann um 21 Uhr Mitfavorit Belgien auf Titelverteidiger Portugal.

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Wer heute wichtig wird

Wie wird das Wetter heute? Menschen, die alten Bauernregeln vertrauen, werden darauf besonders schauen. Denn heute ist Siebenschläfertag. Der alten Regel zufolge soll das Wetter in den folgenden sieben Wochen genau so werden wie an diesem Tag. © Quelle: imago images/Kirchner-Media

Der Podcast des Tages

Diesmal sprechen Imre Grimm und Kristian Teetz über die seltsame EM zwischen Politik und Party, Britney Spears’ Kampf um ihre Freiheit, Stefan Raabs „TV total“-Pläne und die Welt nach der Pandemie. Was bleibt, wenn die akute Corona-Krise vorüber ist?

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Ihr Alexander Krenn und Ihr Paul Berten

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