Sommer, Sonne, Risikogebiete

  • Der Sommerurlaub wird auch in diesem Jahr immer wieder von Corona eingeholt.
  • Schuld daran ist nicht nur die Delta-Variante, sondern auch die Verunsicherung durch die Politik.
  • Kann entspanntes Reisen trotzdem noch gelingen?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie den Urlaub schon hinter sich? Vielleicht sogar mit relaxten Wochen am Strand im Süden? Dann haben Sie wohl alles richtig gemacht. Urlaub in Corona-Zeiten, das hat schon der vergangene Sommer gezeigt, ist die Kunst, das richtige Zeitfenster zu erwischen. Man muss genau dann auf Reisen sein, wenn die Inzidenzen fallen und die nächste Sorge noch nicht am Horizont erscheint. Diese Phase größtmöglicher Entspannung aber könnte für Urlaub in Europa schon wieder vorüber sein.

Es ist nicht allein die Delta-Variante, die die Aussichten auf Strandleben und Leichtigkeit trübt. Die Politik trägt ihren Teil dazu bei, dass Urlaub eine komplizierte Angelegenheit bleibt. Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Portugal jedenfalls darf man gerade nicht fragen, was sie vom Hin und Her bei der Einstufung ihres Reiselandes halten – da trifft man bisweilen schon auf blanke Wut. Am 28. Juni wurde Portugal Virusvarianten­gebiet, die Einstufung kam für viele Reisende vor Ort völlig überraschend. Sie versuchten händeringend, einen Rückflug nach Deutschland zu erwischen, um die zweiwöchige Quarantäne im Anschluss an den Urlaub zu umgehen – und zahlten dafür von Lissabon aus bis zu 650 Euro, von Madeira aus sogar bis knapp 1400 Euro.

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Und nun wird, hopphopp, diese Entscheidung wieder rückgängig gemacht. Was aber gilt nun? Kann man unbeschwert nach Portugal oder Großbritannien fahren? Droht jetzt anderen Ländern eine neue Einstufung? Maike Geißler, Redakteurin beim Reisereporter, beantwortet die wichtigsten Fragen zur Urlaubsplanung. Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Portugal berichteten darüber, wie vom Urlaub nur noch Ärger statt Erholung geblieben ist.

Welche Rolle spielt der Urlaub überhaupt bei der Verbreitung von Corona? Haben wir – und auch die Politik – nichts aus dem vergangenen Sommer gelernt? Jan Emendörfer, Chefreporter im RND-Hauptstadt­büro, beleuchtet in seinem Leitartikel die Urlaubsdebatte. Das Reisen steht mehr als vieles andere für die Freiheit, die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Das Virus aber macht keinen Urlaub, es begleitet uns bei allen Plänen. Darum ist die Halbwertszeit von Politiker­aussagen zu dem Thema auch kurz.

„Nach langen Monaten des Lockdowns dürfen wir uns auf mehr Normalität freuen, das gilt auch für das Reisen“, sagte Außenminister Heiko Maas am 11. Juni. Nicht einmal einen Monat später zeigt sich: Dem ist nicht so. Vielmehr ist das Reisen im zweiten Corona-Sommer geprägt von Verunsicherung und neuen Beschränkungen. „Die Einschränkung der Freizügigkeit ist von den meisten Bürgern relativ klaglos hingenommen worden. Aber wer Einsicht in die Notwendigkeit erwartet, muss auch für Transparenz, Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit sorgen. Doch daran mangelt es bis heute“, schreibt Emendörfer.

Virus Is Coming Home

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Am Ende kann der Staat nicht alles regeln, die Risiko­abschätzung wird immer mehr auch zu einer persönlichen Sache werden. Wie aber soll man etwa das Reiserisiko vernünftig abschätzen können, wenn man zugleich Bilder von vollen Fußballstadien im Fernsehen sieht? 60.000 Fans bangten und feierten gestern Abend eng an eng im Wembley-Stadion in London. Das Halbfinale zwischen Italien und Spanien wird daher in jedem Fall als historisch in Erinnerung bleiben.

Auch im sportlichen Sinne werden Fußball­freunde und ‑freundinnen den Abend wohl nicht so schnell vergessen. Nach 90 und 120 Minuten stand es zwischen beiden Mannschaften 1:1, die Entscheidung fiel in einem Elfmeterkrimi, in dem Italien die besseren Nerven hatte. Die seit 33 Länderspielen ungeschlagenen Italiener können nun vom zweiten kontinentalen Titelgewinn nach 1968 träumen. Im Finale am kommenden Sonntag trifft das Team auf England oder Dänemark, die sich heute im zweiten Halbfinale duellieren.

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Vielleicht geht das Halbfinale – virologisch betrachtet – als gelungenes Experiment in die Geschichte ein, vielleicht auch als fataler Fehler. Kurios jedenfalls wird es beim Endspiel. Londons Bürgermeister Sadiq Khan will mit einer Verlosung von Tickets für das Finale der Europa­meisterschaft die Impf­bereitschaft im Volk ankurbeln. Unter den Menschen Londons, die bis Donnerstag ihre erste Impfdosis bekommen oder bis dahin einen Impftermin buchen, werden Karten für das Endspiel in Wembley verlost.

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Zitat des Tages

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Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, über die Arbeit von Polizisten bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen wie in Münster

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