Soja und Fleisch aus Regenwald-Regionen: Grüne fordern Importstopp

  • In Brasilien ist weiterhin kein Ende der schweren Regenwald-Brände in Sicht.
  • Die Grünen nehmen nun die Bundesregierung in die Pflicht.
  • Sie fordern Beschränkungen für die Einfuhr von Fleisch und Soja aus Regenwald-Regionen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Grünen fordern einen Importstopp für Soja und Fleisch aus der Regenwald-Region. Das geht aus einem Beschlusspapier für die Klausurtagung der Bundestagsfraktion in der kommenden Woche in Weimar hervor, das dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. „Für uns kennt Waldschutz keine Grenzen“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter dem RND. „Wir müssen auch unsere Verantwortung für den Wald in Südamerika, Afrika und Asien wahrnehmen und eine stimmige Tropenwaldstrategie erarbeiten.“ Aktuell gehe es ganz akut darum, den Amazonas Regenwald zu retten: „Anstatt Bolsonaro mit einem Freihandelsabkommen zu belohnen, muss die Bundesregierung sich in der EU für einen Importstopp für Produkte, die den Regenwald zerstören, einsetzen.“

„EU-Mercosur-Abkommen muss gestoppt werden"

Konkret heißt es in dem Papier, die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die Europäische Union endlich klare Kriterien für und wirkungsvolle Sanktionen auf waldzerstörende Agrarprodukte beschließe und „entwaldungsfreie Lieferketten“ verbindlich durchsetze: „Dies bedeutet dann einen Importstopp von Agrarprodukten aus gerodeten Gebieten des Amazonas wie beispielsweise Soja und Rindfleisch sowie von Palmöl aus dem indonesischen Regenwald.“ Die EU führe rund ein Drittel jener global gehandelten Agrarrohstoffe ein, für die Wälder gerodet würden, „damit sind wir ein großer Treiber für die Waldvernichtung“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Aus Sicht der Grünen-Bundestagsfraktion würden Freihandelsabkommen nur mit einklagbaren ökologischen und menschenrechtsbasierten Kriterien Sinn machen. „Das EU-Mercosur-Abkommen muss deshalb gestoppt werden“, heißt es in dem Papier weiter. „Deutschland soll die Initiative für einen völkerrechtlichen Vertrag zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes ergreifen.“ Zudem müsse die Massentierhaltung hierzulande beendet werden: „Statt Billigfleisch auf Kosten der Umwelt brauchen wir eine nachhaltige Landwirtschaft und eine flächengebundene Tierhaltung.“

Lesen Sie auch: Regenwald-Hilfe - Entwicklungsminister Müller gegen Fördermittel-Stopp

„Die Zeit drängt"

Fraktionschef Hofreiter sagte, es drohe ein globales Waldsterben. „Der Wald vertrocknet, wird mit Pestiziden vergiftet und für Soja und Palmöl geopfert“, so der Grünen-Politiker weiter. „Die Zeit drängt. Wir müssen alles tun, um den Wald zu schützen und zu entwickeln.“

Anzeige

Die Grünen sprechen sich für einen „Wildnisfonds“ aus. „Wir brauchen eine Urwald-Offensive in Deutschland, so dass dort ungeachtet von menschlichen Eingriffen Natur wieder Natur sein kann und die Urwälder von morgen wachsen“, heißt es in dem Beschlusspapier. „Wälder müssen wieder bis zur natürlichen Zerfallsphase alt werden dürfen.“ Bislang sei Deutschland vom Ziel der nationalen Biodiversitätsstrategie, fünf Prozent der Waldfläche der Natur zu überlassen, noch weit entfernt: „Die Bundesregierung soll dafür dauerhaft einen ausreichend finanzierten Wildnisfonds einrichten, damit diese Flächen gesichert werden können.“

Mehr lesen: Plant die EU ein Handelsabkommen, das den Amazonas-Regenwald nicht schützt?